Erzwungene Freundlichkeit

13. März 2018 12:03; Akt: 13.03.2018 19:29 Print

Dauernd lächeln im Job – macht Sie das krank?

Verkäufer, Kellnerinnen, Flight-Attendants: In vielen Jobs gehört ein Lächeln dazu. Doch wenn Freundlichkeit zum Zwang wird, kann sie krank machen.

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«Tellertaxi»: So wurde eine 27-jährige Hotelfachfrau von einem Gast beschimpft. An guten Tagen lächelt sie bei solchen Kommentaren einfach, an schlechten hat sie am Abend Migräne und Magenkrämpfe, wie die junge Gastronomie-Angestellte der «Süddeutschen Zeitung» (Artikel bezahlpflichtig) erzählt.

Belastende Erlebnisse in der Dienstleistungsbranche, das dürfte vielen Schweizern bekannt vorkommen. Im vierten Quartal 2017 zählte der Sektor knapp 3,9 Millionen Beschäftigte, das entspricht rund 75 Prozent aller Beschäftigten in der Schweiz. Viele von ihnen – egal, ob sie im Detailhandel, in der Gastronomie oder im Callcenter arbeiten – müssen im Job tagein, tagaus gute Laune demonstrieren.

Haben auch Sie in Ihrem Dienstleistungsjob schlimme Erlebnisse gehabt – und durften nichts anderes tun als lächeln? Wie sehr leiden Sie unter dem Zwang, immer freundlich sein zu müssen? Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen!

Mehr Burn-outs bei Flight-Attendants

Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von «Emotionsarbeit». Diese kann psychisch zur Belastung werden: Laut Studien können Krankheiten wie Depressionen, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Probleme die Folge des Freundlichkeitszwangs sein. Die deutsche Bundesanstalt für Arbeitsmedizin kam 2016 zum Schluss, dass es gefährlich sei, wenn man Gefühle vortäuscht, die der eigenen Überzeugung widersprechen.

Eine Studie mit Flugbegleiterinnen aus den USA zeigte schon in den 1980er-Jahren: Weil sie dauernd freundlich sein müssen, haben Flight-Attendants häufiger ein Burn-out als andere Berufsgruppen.

(vb)