Grundversorgung angepasst

26. Dezember 2017 18:46; Akt: 27.12.2017 15:40 Print

Dem letzten Publifon gehts an den Kragen

Einst waren sie überall anzutreffen, dann wurden sie seltener. 2018 verschwinden auch die letzten Telefonkabinen, denn die Swisscom muss keine Publifone mehr betreiben.

In der Schweiz gab es vor 20 Jahren noch fast 60'000 Telefonkabinen.
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Der Boom der Mobiltelefone war ihr Niedergang. Waren sie früher an jeder Ecke anzutreffen, werden sie bald fast gänzlich verschwinden: die Telefonkabinen. Ab 2018 ist die Swisscom nicht mehr verpflichtet, sie zu betreiben. Einige wenige erfreuen sich aber eines zweiten Lebens.

Landesweit gab es in der Schweiz vor rund 20 Jahren noch fast 60'000 Telefonkabinen. Rund 3000 öffentliche Publifone betreibt der Telekommunikationskonzern heute noch. Dazu kommen rund 2000, welche die Swisscom im Auftrag von Spitälern, Restaurants, Schulen und anderen Privaten betreibt.

Kabinen werden oft während Tagen nicht verwendet

Ein Grossteil der öffentlichen Kabinen gehört zur Grundversorgung. Damit gibt der Bund vor, was die Nachfolgegesellschaft der PTT zwingend zu leisten hat. Auf Anfang Jahr wird die Grundversorgung aber angepasst, und die Telefonkabinen gehören nicht mehr dazu.

Der Entscheid hat sich abgezeichnet: Nach Angaben der Swisscom ist die Zahl der Gespräche aus Telefonkabinen zwischen 2004 und 2016 um 95 Prozent zurückgegangen. Allein im vergangenen Jahr betrug der Rückgang ein Drittel.

In einer Zeit, in der fast jeder und jede ein Handy besitzt, werden über tausend Kabinen manchmal während Tagen nicht benutzt. Der «weitaus grösste Teil» der noch betriebenen Apparate holt seine Kosten nicht herein. Genaue Zahlen liefert Swisscom nicht.

Ruhe im Grossraumbüro

«Rund 90 Prozent der Kabinen wurden bereits rückgebaut, weil das Bedürfnis nicht mehr da ist», sagte Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. Die übrigen werden in den nächsten Jahren demontiert und in den meisten Fällen entsorgt.

Einige wenige Kabinen erhalten eine neue Aufgabe. Sind Standortgemeinden interessiert, überlässt die Swisscom ihnen die Kabinen kostenlos. Derzeit sind es aber nur rund 50 Kabinen, die so weiterleben. Es entstanden Büchertauschplätze oder in Olten eine interaktive Rätselkabine.

Auch Private können sich eine Kabine sichern. Kostenpunkt: 3500 Franken plus Transport. Überrannt von Interessenten wird die Swisscom aber nicht: Am ehesten noch stellen Firmen die Telefonkabinen in Grossraumbüros auf, als stillen Rückzugsort zum Telefonieren.

(sda/sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mctomato am 26.12.2017 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In Riga..

    Wurden sämtliche Telefonkabinen in W-Lan Hotspots verwandelt, womit es flächendeckend überall Internetzugang gibt. Wohl schon zu spät hier, da die Entscheidung offensichtlich endgültig ist, aber das wäre auch ne gute Lösung gewesen!

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  • Biker am 26.12.2017 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus und vorbei

    Einige Nachteulen werden sich jetzt fragen, wo sie künftig, auf dem Heimweg, Pipi machen sollen.

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  • j. kanne am 26.12.2017 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht trauern

    Ich höre schon, wie alle klagen. Aber das ist der Lauf der Zeit, Technologie bedeutet Fortschritt und das ist gut so. Und künstlich eine alte Technologie mitfinanzieren möchte ich sowieso nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ulla am 27.12.2017 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wohin führt das

    So zwingt man die Leute ein Handy zu kaufen. Ankurbeln der Wirtschaft, des Elektrosmogs, der Ausbeutung/Vergeudung seltener Erden samt Umweltzerstörung beim Abbau, der Produktion von Elektroschrott (alle paar Jahre braucht es ein neues Handy), der Umweltverschmutzung mit Elektroschrott und dann kann der irre Kreislauf wieder bei der Wirtschaft beginnen.

  • OG Walther am 27.12.2017 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit den Kriminellen

    An die denkt wieder mal niemand. Also müssen sich die mühsam weiterhin fälschlich registrierte Simkarten beschaffen und verschlüsselt telefonieren? Sauerei

    • Patrick am 27.12.2017 18:49 Report Diesen Beitrag melden

      An die Junkies denkst du nicht?

      In D müssen ab 2018 Prepaidkarten auch registriert werden (in der CH seit 2002). Es wird also schwieriger, denn bisher konnte man für 2-3Fr. eine deutsche Karte auf Ebay bestellen. Jetzt kommen aber die Junkies zum Zug, die können mindestens 10 Karten auf ihren Namen registrieren und dann teuer verkaufen.

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  • Jean-Pierre Wüthrich am 27.12.2017 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    in 60er-Jahren

    Ich mag mich noch erinnern, in den 60er-Jahren hatten meine Eltern noch kein Telefon im Ferienhaus. Wir mussten zuerst 15 Minuten ins Dorf laufen, um jemand anzurufen. Wir riefen nur kur die Gderosseltern an und gaben ihr die Telefon-Nr. der Telefonkabine durch, sie sollten dann zurückrufen. Das kam dann billiger , als von der Telefonkabine zu telefonieren.

    • aargauer liebe am 27.12.2017 23:00 Report Diesen Beitrag melden

      jugendliebe...

      so habe ich (34) vor 16 jahren noch telefoniert! hatte kein festnetz in der WG und das natel war noch viel zu teuer! verstehe den entscheid, trotzdem schade.

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  • Beobachter am 27.12.2017 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Fairer Deal

    In Austausch sollte die Grundversorgung des Internets auf eine Geschwindigkeit von 20Mbit/s im Download und 10 Mbit/s im Upload angehoben werden.

  • Armin am 27.12.2017 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Handy über allem

    Es gibt tatsächlich noch Menschen, die kein Handy haben. Die dürfen dann in Zukunft ein Feuer machen und Rauchzeichen senden?

    • Mysli am 27.12.2017 11:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Armin

      Ja, Armin, das ist wie Tramkarte zahlen, wenn man kein Münz und Kredit- oder andere Karte hat. Bin total gegen die Digitalisierung und deren Nebenwirkungen wie totale Kontrolle und so weiter...

    • Fred am 27.12.2017 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Armin

      In Notfällen dürfen Sie auch jemanden fragen der ein Handy hat.

    • LH am 27.12.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

      Die alten Handys Leben auch noch

      Die können sich auch eines für 40 Franken holen mit Prepaid, kostet Keim Vermögen und immer dabei. ;)

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