Wirtschaftsexperten

27. November 2012 11:45; Akt: 27.11.2012 14:18 Print

Aufschwung in der Schweiz verzögert sich

von Balz Bruppacher - Die OECD revidiert die Konjunkturprognose für die Schweiz deutlich nach unten. Zusätzliche Gefahren lauern laut den Pariser Experten bei den Kantonal- und den Grossbanken.

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Die weltweiten Schulden- und Finanzprobleme gehen nicht spurlos an der Schweiz vorbei. Ähnlich wie die meisten Schweizer Konjunkturexperten ist auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) deutlich weniger zuversichtlich als noch vor sechs Monaten. War damals für 2013 noch ein deutlicher Aufschwung mit einem Wachstum von 1,9 Prozent vorausgesagt worden, sind es jetzt nur noch 1,1 Prozent. Erst 2014 kann die Schweiz gemäss der jüngsten Prognose wieder mit einer stärkeren Zunahme des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2,3 Prozent rechnen.

Der Blick ins Ausland zeigt aber, dass die Schweiz nach wie vor gut dasteht. So erwartet die OECD für die Eurozone eine leichte Rezession mit einem Rückgang des BIP um 0,1 Prozent. Im Schnitt aller 34 in der OECD zusammengeschlossenen Industrieländer wird 2013 mit einem Wachstum von 1,4 Prozent gerechnet. Noch besser schneidet die Schweiz beim Vergleich der Arbeitsmärkte ab. Einzig Norwegen und Korea weisen eine tiefere Arbeitslosenquote als die Schweiz auf. Sie dürfte gemäss OECD 2013 nur minim steigen, auf 4,1 Prozent nach 3,9 Prozent in diesem Jahr. Im ganzen OECD-Raum sind zurzeit fast 16 Millionen mehr Menschen arbeitslos als Ende 2007, vor dem Beginn der Finanzkrise.

Absturzszenario für die Weltwirtschaft

Die grössten Risiken für die Weltwirtschaft und auch für die Schweiz gehen im Urteil der Pariser Experten nach wie vor von der Eurozone aus. Hinzu kommen die Probleme der USA mit der Schuldenobergrenze und der Steuerklippe. Dies ist ein gefährlicher Mix, zu dem die OECD auch ein eigentliches Absturzszenario skizziert, mit einem Rückgang des BIP-Niveaus in der Eurozone um 6 Prozent und in den USA und Japan um 5 Prozent.

Der OECD-Ausblick enthält wie üblich auch einige wirtschaftspolitische Empfehlungen an die Schweiz. Demnach soll die Nationalbank die Zinsen in den nächsten beiden Jahren auf dem Nullniveau belassen. Denn Inflationsgefahren bestünden nicht, und die Stärke des Frankens dürfte anhalten. Von Konjunkturprogrammen ist nicht die Rede. Der Staat solle aber das Wirken der automatischen Stabilisatoren in vollem Umfang zulassen, fordern die OECD—Ökonomen. Gemeint ist der Spielraum, den die Schuldenbremse im Falle einer Abschwächung der Konjunktur zulässt. Und den der Bundesrat mit einem Defizit von 363 Millionen Franken im nächsten Jahr zulassen will.

Schärfere Vorschriften für Hypogeschäft der Kantonalbanken?

Gezielte Massnahmen empfiehlt die OECD hingegen zur Verlangsamung des Wachstums der Hypothekarkredite. Und zwar vor allem bei den im Wohnbausektor besonders stark exponierten Kantonalbanken. Das wird bei den Kantonalbanken keine Begeisterung auslösen. Denn sie fühlen sich bei den Vorschriften über die Eigenmittel im Hypothekargeschäft ohnehin benachteiligt gegenüber den Grossbanken. Eingriffe, wie sie die OECD anregt, kann der Bundesrat seit Mitte dieses Jahres auf Antrag der Nationalbank anordnen. Die Notenbank will aber noch abwarten, ob die von den Banken selbst getroffenen Massnahmen gegen die Gefahren im Hypothekargeschäft ausreichen.

Grossbanken sollen Kapital aufstocken

Schliesslich bekommen auch die Grossbanken ihr Fett ab: Angesichts der anhaltenden Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten sollte das verlustabsorbierende Kapital der beiden grössten Banken weiter aufgestockt werden, fordert die OECD. Denn UBS und Credit Suisse wiesen nach wie vor einen hohen Anteil an Fremdkapital auf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli am 27.11.2012 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    aha schon wieder

    Das ist wie bei den Wetterschmöcker. Wenn jeder etwas anderes sagt, wird am ende einer recht haben....... ich glaube denen kein wort mehr. Jede Woche kommt irgendeine andere Meldung.

  • soso am 27.11.2012 12:01 Report Diesen Beitrag melden

    kokolores

    Irgendwie ist es schon komisch.Gestern erschien ein Artikel in der BAZ, dass es trotz Krise ein guter Arbeitsmarkt gäbe. Einen Tag später heisst es im hiesigen Blatt "der Aufschwung muss warten".Was stimmt denn nun?

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  • Karl Hemmi am 27.11.2012 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Aber HALLO !

    man merkts; es geht wieder auf ende Jahr zu... (Löhne u.s.w.) Angstmacherei, das kann die Wirtschaft perfekt. Es läuft und und läuft wie immer alles in geordnetem Stand.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Kuster am 27.11.2012 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch, nicht?

    Einmal mehr ist es die Finanzwelt, die die Wirtschaft beherrscht, oder eben auch nicht. Sie handeln mit Geld und stellen nicht mal ein Produkt her.

  • gogo am 27.11.2012 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    kokolores

    "Absturz für die Weltwirtschaft".Natürlich heisst es dann wieder, dass all dies die CH nichts angeht, oder?

  • Lukas Zürcher am 27.11.2012 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deflation nicht vergessen

    Bei der derzeitigen Deflation kein schlechtes reales Wachstum...

  • Henryone am 27.11.2012 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Karl Valentin

    Prognosen sind immer schwierig -vor Allem, wenn sie die Zukunft betreffen.

  • Dani am 27.11.2012 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzen zu und

    Schon ist das Hypogeschäft sicher. Was brauche auch soviele einen 2. 3. 4. oder was weiss ich Wohnsitz