Börse erneut auf Talfahrt

08. Februar 2018 22:07; Akt: 09.02.2018 11:18 Print

Auch Märkte in Asien starten sehr schwach

Die erneut heftigen Kursverluste an der Wall Street haben auch die Märkte unter anderem in Japan und China beeinflusst.

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Drei Tage nach dem Absturz der US-Börsen hat die Furcht vor einem Ende des billigen Geldes an der Wall Street erneut zu hohen Verlusten geführt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte büsste am Donnerstag über vier Prozent ein.

Das beeinflusste auch die Märkte in Asien, die deutlich schwächer gestartet sind: Der japanische Index Nikkei 225 lag bis zum Mittag mehr als 3,2 Prozent im Minus bei 21'185 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index büsste knapp 2,8 Prozent ein und lag bei 1715 Punkten. Der Schanghaier Composite-Index lag eine Stunde nach Handelsstart rund 5 Prozent im Minus bei 3091 Punkten.

Deutlich fielen auch die Abschläge in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong aus, wo der Leitindex Hang Seng zum Handelsstart um rund 4,3 Prozent auf 29'134 Punkte absackte.

«Lage nicht beruhigt»

Auslöser für die Talfahrt in Asien waren laut Händlern die schwachen Vorgaben aus den USA. Am US-Aktienmarkt war es am Vortag zum zweiten Mal in dieser Woche zu einem Ausverkauf gekommen. Erstmals seit November schloss der Dow Jones Industrial unter 24'000 Punkten. Letztlich ging er am Donnerstag mit einem Abschlag von 4,15 Prozent oder mehr als 1000 Punkten bei 23'860,45 Zählern aus dem Handel.

«Die Lage hat sich nicht beruhigt», sagte Jason Ware, Chef-Investmentstratege des Anlagehauses Albion Financial Group. «Der Markt versucht, diesen Wahnsinn zu stoppen.» Doch stattdessen beschleunigte sich die Talfahrt in der zweiten Hälfte des Handelstages weiter. Die Entwicklung dürfte die europäischen Anleger mit Blick auf Freitag beunruhigen: Selbst als sich die Verluste in den USA noch in Grenzen hielten, führte die Wall Street beim deutschen Aktienindex Dax und und beim Euro-Stoxx-50-Index die grössten Tagesverluste seit eineinhalb Jahren ein.

Überall Minuszeichen

Der Dow hat seit seinem Höchststand am 26. Januar 10,4 Prozent verloren. Am Donnerstag pendelte der Index im Verlauf zwischen einem Hoch von 24'903 und einem Tief von 23'849 Punkten. Er schloss mit einem Minus von 4,2 Prozent auf 23'858 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 3,8 Prozent auf 2581 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büsste 3,9 Prozent auf 6777 Punkte ein. Der deutsche Leitindex Dax war zuvor 2,6 Prozent auf 12'260 Punkte gefallen, das europäische Börsenbarometer Euro-Stoxx-50 2,7 Prozent auf 3361 Zähler.

Für Unruhe sorgte die Bank of England, die zwar den Leitzins nicht antastete. Sie signalisierte aber, dass sie die Zügel «etwas früher und in etwas stärkerem Masse» anziehen könnte als erwartet. An den Börsen schürte dies die Erwartungen, dass Zentralbanken weltweit nun fest auf Kurs zum Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik seien. Die Geldschwemme hatte den Börsen eine jahrelange Rally beschert.

Furcht vor steigenden Inflation

Am Montag hatte nicht zuletzt die Furcht vor einer steigenden Inflation und deshalb strafferen Geldpolitik zu einem fast fünfprozentigen Absturz an der Wall Street geführt. Die Anleger rätseln, ob die heftigen Ausschläge in dieser Woche der Beginn einer grösseren Korrektur sind oder nur eine Delle in der seit nunmehr neun Jahren andauernden Rally.

Der über zehnprozentige Verlust des Dow seit seinem Höchststand Ende Januar deutete auf eine Korrektur hin. Auch Anlageexperte Jonathan Corpina vom Finanzhaus Merdidian Equity Partners sagte, er rechne mit einer Fortsetzung der Talfahrt in den nächsten Tagen. «Der Staub hat sich noch nicht gelegt.»

Tauziehen zwischen Aktien und Anleihen

US-Präsident Donald Trump gab sich dagegen gelassen. Sein Sprecher Raj Shah sagte vor Journalisten, der Präsident sei auf die langfristige Grundlage der Wirtschaft fokussiert. Diese schätze Trump als stark ein. Trump hatte die immer neuen Rekordstände an der Wall Street in den vergangenen Wochen auch auf seine Politik zurückgeführt.

An den Finanzmärkten entwickelte sich ein regelrechtes Tauziehen zwischen Anleiherenditen und Aktienkursen. Der Blick auf die Kreditmärkte sorgte Experten dabei noch für zusätzliche Nervosität an den Aktienbörsen.

(Bild: Finanz und Wirtschaft)

Hier konnten Twitter-Papiere dem Abwärtstrend trotzen. Nachdem sie zum Start 30 Prozent in die Höhe geschossen waren, gingen sie noch mit einem Plus von gut zwölf Prozent aus dem Handel. Grund für die Euphorie war, dass der Kurznachrichtendienst erstmals die Gewinnschwelle überschritten hat.

Ebenfalls gut zehn Prozent gewann der New-York-Times-Verlag. Bei der Traditionszeitung brummt das Online-Geschäft. Auf Sinkflug gingen dagegen Boeing-Papiere. Der Flugzeugbauer will den Zulieferer Woodward kaufen und musste einen Kursrückgang von fast fünf Prozent hinnehmen. Woodward-Papiere legten 7,4 Prozent zu.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,2 Milliarden Aktien die Besitzer. 321 Werte legten zu, 2651 gaben nach und 97 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,7 Milliarden Aktien 453 Titel im Plus, 2530 im Minus und 167 unverändert.

(kaf/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Börsianer am 08.02.2018 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einstieg

    Wir freuen uns auf günstige Einstiegskurse :-)

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  • Besserwisser Diego am 08.02.2018 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tschüss TINA

    There Is No Alternative galt jahrelange als Leitspruch an den Börsen. Jetzt da die Zinsen wieder steigen ziehen sich viele Anleger aus dem überbewerteten Aktienmarkt zurück. Der Crash wird noch weitergehen!

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  • mijo am 08.02.2018 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alle 7 Jahre auf und ab

    habt die schon mal vom 7jährigen Zyklus gehört???? wenn ja dann würde sich niemand wundern ...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Banker in Ruhestand am 09.02.2018 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkaufen

    Ich war 25 Jahre Anlageberater und gebe allen einen guten Tip: Die Aktien sind masslos überbewertet und das ganze Schuldensystem wird irgendwann zusammenbrechen. Vielleicht nicht jetzt, aber bald.

    • Drizzt am 09.02.2018 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Banker in Ruhestand

      Und Se? Haben Ihr Geld gemacht, sitzten im trockenen und versuchen jetzt Ihr Gewissen zu beruhigen?

    • Cartman1993 am 10.02.2018 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Banker in Ruhestand

      Mal abgesehen davon, dass diese Ansicht etwa so neu ist, wie die Ansicht, dass vegane und/oder glutenfreie Ernährungsweise gesund sei, frag ich mich, wieso sie schreiben, dass sie 25 Jahre Berater waren. Das hat keinen Einfluss darauf, ob Ihre Ansicht nun glaubwürdiger wird oder nicht, da hier jeder hier alles behaupten kann.

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  • Josef am 09.02.2018 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Bad news are good news.

    Habe mich gestern geärgert, dass die Baisse schon wieder vorbei sein sollte. Hoffe, der Kurssturz geht noch ein bisschen weiter, möchte schliesslich wieder Aktien kaufen und ev. Vorsorgegelder anlegen.

  • Anonymus am 09.02.2018 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leben

    Es gibt schöneres im Leben als diese bescheuerten Weltbörsen.

  • Laura am 09.02.2018 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Put Absicherung

    Wer grosse Aktienpositionen hält, sichert sich via Derivativen im Falle sinkender Kurse ab.

  • Murat am 09.02.2018 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    SNB vernichtet Volksvermögen

    Bin gespannt, über die nächste Pressemitteilung unserer Nationalbank, wie viele Milliarden diesmal in den Sand gesetzt wurden.

    • Blerim am 09.02.2018 08:01 Report Diesen Beitrag melden

      Tiefer Euro

      Die Dilletanten der SNB verkaufen wieder Schweizer Franken gegen Euro.

    • Cartman1993 am 10.02.2018 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Blerim

      Ähm ja diese Diletanten und wenn das nächste Unternehmen auf Grund der zuniedrigen Rendite schliesst, jammern wieder alle über die SNB...

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