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15. Januar 2018 00:01; Akt: 15.01.2018 13:38 Print

Ofen für den Zopf vor dem Aus

Die digitale Welt macht ungewöhnliche Dinge möglich – und kann analoge Güter retten.

Sie brauchen Support für mehr Feuer im Ofen: In Rizenbach soll ein historisches Ofenhaus erhalten bleiben. Dafür suchen die Betreiber nach digitalen Spendern.

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Wissenschaftler haben in Experimenten untersucht, wie sich Menschen im Internet verhalten. Der renommierte Zürcher Verhaltens-Ökonom Hans Fehr etwa hat herausgefunden, dass Menschen im Netz freiwillig Geld teilen und Personen bestrafen, die dies nicht tun.

In Computersimulationen und ethnologischen Feldstudien wurde zudem festgestellt, dass selbstlose Personen in der Evolution überlebensfähiger sind als Egoisten, weil sie mit anderen zusammenarbeiten. So erhöhten Gemeinschaften, die sich gegenseitig bei Nahrungsmangel und -überschuss halfen, längerfristig ihre Überlebenschancen.

Diese Strategie hat sich bewährt: Gesellschaften funktionieren besser, wenn ihre Mitglieder gut zusammenarbeiten. Das ist im Internet trotz der oft herrschenden Anonymität überraschenderweise nicht anders.

Spenden lohnt sich auch ökonomisch

Auf dem Online-Marktplatz Ebay etwa würde man gemeinnütziges Verhalten nicht vermuten. 2004 untersuchte Andreas Diekmann, Professor für Soziologie an der ETH Zürich, mit Forschern aus Bern und Cambridge 300’000 Tauschgeschäfte auf der Plattform.

«Vertrauen in die anonymen Verkäufer entsteht nur, wenn die Käufer diese nach dem Handel bewerten», fasst Andreas Diekmann die Studie zusammen. «Auch wenn man dafür nur ein paarmal klicken muss: Ein rein eigennütziger Mensch würde das nicht tun. Er hat ja nichts mehr davon.» Diese Quäntchen an zusätzlichem Aufwand sei das Schmieröl solcher anonymer Online-Plattformen.

Schnell getätigt

Diekmann weiss jedoch auch, dass Menschen mehr für andere tun, wenn der eigene Aufwand nicht gross ist, etwa bei ein paar Klicks oder beim Aufrunden der Rechnung im Restaurant. Grosse Kosten nehmen im Netz wie in der realen Welt nur wenige auf sich. Kleine Aktionen wie eine Spende für eine gute Sache oder ein Liebhaber-Projekt sind jedoch trotz eines gewissen Mehraufwands schnell getätigt.

Der Professor hat kürzlich selbst einem Studenten etwas an die 7000 Euro teure Produktion für ein Hörspiels bezahlt. «Meine Tochter hat den Link geteilt», erklärt Diekmann, «da war also eine gewisse Erwartungshaltung, ein sozialer Druck. Zugleich habe ich selbst was davon: Gelingt die Aktion, erhalte ich eine DVD, eine Kaffeetasse und werde als Unterstützer erwähnt.»

Geld, Liebe, Ruhm

Philipp Blohm, Professor an der Universität St. Gallen, erforscht ebenfalls solche Kollaborationen im Internet. Für ihn gibt es dafür drei Grundmotivationen: «Money, Love or Glory.» Crowdworker, die zum Beispiel für Firmen Produktbeschreibungen auf Ebay schreiben, würden vom Geld angezogen. Der Liebe begegne man etwa im Crowddonating, also dem Spenden ohne Gegenleistung.

Vielen Menschen gehe es aber auch um die Ehre, also die Möglichkeit, innerhalb einer Community an Status zu gewinnen. «Der Erfolg einer Crowdfunding-Kampagne hängt zum Beispiel mehr von einer guten Kommunikationsstrategie als vom eigentlichen Ziel ab», meint Blohm weiter, «also auch davon, das eigene Umfeld zu mobilisieren, das als Gegenleistung eine gewisse Anerkennung bekommt.»

Lokale Unterstützer

Dieses soziale Umfeld kann zwar eine globale Netzcommunity sein, die sich über den positiven Kick beim Klick freut. Oft ist sie aber genau das Gegenteil: offline und lokal. Dies fand Andreas Dietrich, Professor für Wirtschaft an der Universität Luzern und Autor des jährlichen «Crowdfunding Monitoring» für die Schweiz, heraus.

Dietrich stellte bei seinen Untersuchungen fest, dass im weltumspannenden Internet die Unterstützung vieler Projekte primär lokal ist. «Die mittlere Distanz der Spender zu den Geldsuchenden liegt bei zwölf Kilometern», erklärt Dietrich. «Die Unterstützer sind also in erster Linie die Familie, Freunde und Nachbarn.»

Wie unterstützen Sie ihr Umfeld oder spannende Projekte? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen in die Kommentarspalte.

Diesen Beitrag hat Commercial Publishing Tamedia in Zusammenarbeit mit lokalhelden.ch erstellt.

(ep)