Loco Logos

08. Februar 2012 15:56; Akt: 08.02.2012 15:56 Print

Der Kosteletzer SchwanzlutscherDer Kosteletzer Schwanzlutscher

von Philipp Dahm - Wer wirkungsvoll werben will, braucht ein einprägsames Logo. Wenn das Markenzeichen aber eindeutig zweideutig wirkt, ist die Reklame grandios gescheitert. Dafür ist sie lustig.

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Der junge Mann hält einen fleischigen, langen Gegenstand an seine schwarzen Lippen, von denen Flüssigkeit herabtropft: Das Sujet entspringt nicht etwa einem einschlägigen Comic, sondern ist ein Logo: Der lüsterne Herr … … ist nämlich ein Markenzeichen. Er steht für die tschechische Grossfleischerei Kostelecké uzeniny, was übersetzt Kosteletzer Wurstwaren bedeutet. Das Werk wurde bereits 1917 gegründet und … … wie dieses Bild aus der beweist war der junge Mann schon damals emsig dabei, ausgiebig und begierig am Würstchen zu lutschen. Nein, in Arlington in Texas gibt es kein Pädophilen-Zentrum - auch wenn das Logo auf den ersten Blick etwas anderes aussagt. Natürlich handelt es sich bei der Einrichtung um eine Pädiatrie-Zentrum, in dem Kinder geheilt werden. Vielleicht haben sich die Südstaatler ihr Markenzeichen ja ... ... bei der Katholischen Kirche abgeschaut, die 1973 dieses, sagen wir «missverständliche» Logo erfand. Es steht ausgerechnet für die Jugendkommission seiner Erzdiözesen: Wenn das mal nicht Schwarz-Weiss-Denken fördert! Das Logo der Stadt London für die Olympischen Sommerspiele 2012: «Sieht dieses Logo aus wie Lisa Simpsons auf ihren Knien», fragte «» stellvertretend seine Leser. Als die Beratungsfirma «Wolff Olins» es 2007 der schockierten Öffentlichkeit präsentierte, war die Wut gross. Nicht wegen des Lisa-Vergleichs, sondern wegen der Kosten von knapp 580 000 Franken. Das sind 600 000 Franken zu viel, finden Sie nicht? Dieses Banner für «Catwear» macht Skeptiker stutzig. Kann es wirklich sein, dass ein Geschäft unabhängige Frauen ködern will, in dem es den Damen die Analdrüsen einer Katze präsentiert? Ein Blick auf die der Firma zeigt, dass die Firma im US-Bundesstaat Maine ihren Kunden nicht die kalte Schulter, aber den blanken Katzenpo entgegenstreckt. Immerhin ist das Logo beim Buchstaben A nicht so «detailliert» wie beim vorigen Werbebanner. Wir wissen nicht genau, was einen in der Zahnklinik der spanischen Stadt Valencia erwartet. zeigt aber, dass das Dentalzentrum tatsächlich mit diesem «Zuckerbrot-und-Peitsche-Bild» wirbt. Die Apothekenkette Kudawara in Japan dürfte insbesondere beim Absatz von Kondomen und Viagra die Nase vorn haben. Die schwedische Bekleidungsmarke «Locum» wünscht seinen heimischen Kunden schöne Ferien. Und allen Englischysprachlern sagt die Reklame, dass man das männliche Ejakulat liebt. Diese geile Satellitenantenne ist voll auf Sendung. Aber nehmen wir hier den Mund nicht zu voll? Gibt es wirklich irgendwo ein Teller-Logo mit strammer Errektion? Jawoll, eine polnische Firma hält der kleinen Schüssel die Stange. Womit mag das US-Unternehmen «Sherwin Williams» wohl seine Dollar verdienen? «Cover The Earth», bedecke die Welt, steht dort. Nur womit? Blut? Verkaufen die Amerikaner Breitschwerter, Bomben oder Betäubungsmittel? Nichts dergleichen, «Sherwin Williams» ist ein Chemieunternehmen, das auch mit Farbe sein geld verdient. Obwohl das Logo schon alt ist, wird es heute noch benutzt. Hier gibt es Computer, Zubehör und Rechner-Reparaturen. Sonst nichts.

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Wer die Dose mit dem Burschen sieht, der dicke Backen macht, während er in den blanken Bengel beisst, könnte sich brüskiert fühlen. Wirbt der fahle Filou, dem die Lust von den Lippen trieft, für einen warmen Energy-Drink? Mitnichten, hier geht es wirklich um die Wurst: Das Männchen ist Markenzeichen einer tschechischen Wurstfabrik, die 1917 gegründet wurde. Vielleicht zeigt sich in dem euphorischen Genuss des Herren schon ein Anflug der wilden 20er-Jahre, die sich im Berliner Variete manifestiert haben.

Ungewollt zweideutig ist gelinde gesagt auch das Logo der Jugendkommission der amerikanischen Erzdiözesen von 1973, das den schwarzen Schattenriss eines Priesters vor einem kleinen, weissen Schattenriss zeigt. Im Schatten der aktuellen Kirchenskandale würde dem Zeichen heute niemand mehr seinen Segen erteilen. Ob die Satellitenschüssel mit dem Ständer oder das Logo der Von-hinten-Apotheke absichtlich ähnlich frivol gestaltet sind, können wir nicht mit Sicherheit sagen.

Sicher ist dagegen der Preis, den London für sein Olympiade-Logo bezahlen musste. Neben viel Spott und Häme musste die britische Hauptstadt mit 580 000 Franken für das Machwerk bezahlen, das mit «Lisa Simpson beim Oralverkehr» noch am treffendsten beschrieben wird. Der einzige Trost für die Londoner ist, dass das Logo wie die Olympiade-Maskottchen schnell vergessen sein wird. Oder haben Sie Dackel «Waldi» (München 1972), Weisskopfadler «Sam» (Los Angeles 1984) oder die Polarbären «Hidy und Howdy» (Calgary 1988) noch auf dem Schirm?

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