Branche in Aufruhr

07. September 2014 20:02; Akt: 08.09.2014 10:16 Print

Der Schweiz fehlen 30'000 Informatiker

Die neuste Prognose des Berufsverbands der IT-Spezialisten warnt vor einem Informatikermangel. Bis zum Jahr 2022 werden der Schweiz rund 30'000 Fachkräfte fehlen.

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Informatiker an der Arbeit im PostFinance-Rechenzentrum in Zofingen AG, welches nach den Lehren von Feng-Shui gebaut wurde. In Zofingen schaffte die PostFinance rund 230 Stellen im Bereich der Informatik und Belegverarbeitung. Schweizweit fehlen bis 2022 30'000 Informatiker. (KEYSTONE/Sigi Tischler) (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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Der IT-Markt ist in der Schweiz schon seit vielen Jahren ausgetrocknet. Auch die Zukunft verheisst nichts Gutes. Laut einer prognostischen Studie des Branchenverbands der Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) droht der Schweizer Wirtschaft ein grosser Fachkräftemangel. Insgesamt 33'000 Informatiker fehlten der Schweiz bis ins Jahr 2022. Dies geht aus einer noch unveröffentlichten Studie hervor, wie der «Sonntagsblick» schreibt.

Diese neue Prognose übertrifft die letzte, welche «nur» von einem Bedarf an 25'000 Fachkräften ausging.

Trotz Zuwanderung respektive «Einkauf» von ausländischen Arbeitskräften konnten viele Positionen nicht besetzt werden. Seit 1999 hat die Schweizer Wirtschaft über 1600 Lehrstellen in diesem Bereich geschaffen.

Bedarf trotz neuer Stellen

Auch die Ausbildungen an den Universitäten und Fachhochschulen haben sich des Rekrutierungsproblems angenommen und bieten entsprechende Fachausbildungen an.

Trotzdem reiche das nicht aus, sagt Andreas Kaelin, Präsident der ICT-Berufsbildung Schweiz im «Sonntagsblick»: «Zwar ergreifen heute viel mehr Junge einen Informatikerberuf. Gleichzeitig hat aber der Bedarf an Fachkräften stark zugenommen.» Die Situation könne sich je nach Umsetzung der SVP-Einwanderungsinitiative auch noch verschärfen.

Insgesamt zählt die Schweiz bereits heute fast 300'000 Beschäftigte im Bereich Informatik und Kommunikation (IKT). Das sind über 40 Prozent mehr als noch 2001.

Kritischer Punkt: Masseneinwanderungsinitiative

Etwas weniger dramatisch sieht dies das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). In seinem Bericht zur Lage der «eEconomy in der Schweiz 2014» wird der Fachkräftemangel als knapp, aber in einem normalen Rahmen liegend beurteilt. «Den notorischen Klagen betreffend IKT-Fachkräftemangel sollte mit Skepsis begegnet werden», heisst es. «Zurzeit liegt vermutlich kein echter Mangel vor, der die eEconomy-Entwicklung der Schweiz in relevantem Ausmass beeinträchtigen würde.»

So spreche gegen einen Mangel unter anderem die Tatsache, dass sich die Löhne der Fachkräfte kaum anders entwickelt hätten als das allgemeine Lohnniveau. Echter Mangel müsste mit überdurchschnittlichen Lohnsteigerungen verbunden sein. Es sei in den letzten Jahren nicht zu Mangelerscheinungen oder Lohnexzessen gekommen, weil «viele IKT-Stellen durch zugewanderte ausländische Fachkräfte besetzt werden konnten».

Der Vollzug der Masseneinwanderungsinitiative mit Blick auf die IKT-Fachkräftefrage sei doch eine Herausforderung, der man «grösste Aufmerksamkeit» schenken sollte.

(cls)