Villiger als Präsident

04. März 2009 13:28; Akt: 04.03.2009 14:17 Print

Der alte CS-Filz an der UBS-SpitzeDer alte CS-Filz an der UBS-Spitze

von Werner Grundlehner - Kaspar Villiger wird als idealer Kandidat für das VR-Präsidium der angeschlagenen UBS gefeiert. Ein Bankenfachmann rauft sich wegen der Wahl die Haare. Er sieht in der neuen Spitze die späte Rache des alten CS-Strippenziehers Rainer E. Gut.

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In den allgemeinen Jubel zur Ernennung von Kaspar Villiger zum UBS-VR-Präsidenten mag Walter Wittmann nicht einstimmen. Im Gegenteil, der emeritierte Wirtschaftsprofessor ist überhaupt nicht begeistert von der Wahl des Ex-Bundesrats. Überrascht ist Wittman jedoch nicht: «Der Schweizer Filz hat keine Jungen aufkommen lassen. Es fehlt hierzulande an Nachwuchs. Ein weiterer Ausländer an der Spitze der Grossbank wäre nicht goutiert worden», führt der Experte an. Kaspar Villiger sei ganz klar ein Repräsentant dieses eidgenössischen Filzes.

Die Vision von Rainer E. Gut nimmt Gestalt an

«Kaspar Villiger ist die rechte Hand von Rainer E. Gut», sagt Wittman. Der Ex-CS-Chef (siehe Box) brachte den Ex-Bundesrat in den Verwaltungsrat der Swiss Re und von Nestlé - mit durchwachsenem Erfolg. Das Abschneiden der Swiss Re spreche jedenfalls nicht unbedingt für das Duo.

Die Besetzung der UBS-Spitze liest sich wie eine Vollzugsmeldung von Guts lang gehegten Wünschen. Schon in den Neunzigerjahren wollte CS-CEO Gut seine Bank und die UBS zum globalen Marktleader fusionieren. Was damals misslang, nimmt nun durch die Hintertür Gestalt an.

Neben Villiger hat letzte Woche noch ein zweiter CS-Mann den UBS-Thron bestiegen. Denn bereits Oswald Grübel, seit kurzem CEO der UBS, war zuvor in der gleichen Funktion in der CS tätig. Mit Villiger habe Gut nun zwei «seiner» Leute an der Spitze der UBS, meint Wittmann.

Kein Banker - und kein guter Unterhändler

«Er ist ein Laie, kein Banker», meint Wittmann zu Villigers ökonomischen Qualitäten. Er habe noch in den Ohren, wie Villiger 1997 den Goldverkauf der Nationalbank begründete: «Der Besitz von Gold bringt nichts.» Seither habe sich der Goldpreis vervierfacht. Das wäre nicht so tragisch, wenn Villigers Vermittler-Fähigkeit überragend wäre. Denn gefordert ist der Alt-Bundesrat vor allem als Brückenbauer gegenüber Europa und den USA im Streit ums Bankgeheimnis und als Vertrauensfigur in der akuten Krisensituation der UBS.

In den Medien wird der Ex-Bundesrat als grosser Mediator gepriesen. Aber genau hier setzt Wittmann grosse Fragezeichen: «Seine Verhandlungsresultate sind bestenfalls durchzogen». In der Auseinandersetzung mit den USA um Nazigold und Holocaust-Gelder im Jahr 1995 machte der damals gerade aus dem Militär- ins Finanzdepartement gewechselte Minister keine gute Figur. Die Schweiz liess sich zu Milliardenzahlungen «erpressen».

«Grübel greift schon bald nach dem VR-Präsidium»

Der Vergleich drängt sich laut Wittman auf. «Die USA fahren für die Herausgabe der Kundendaten wieder die gleiche Strategie». Damals wie heute drohe der Entzug der US-Bankenlizenz.

Als Erfolge der Ära Villiger gelten die Aushandlung des Zinsbesteuerungsabkommens mit der EU und das Festhalten an der Unverhandelbarkeit des Bankgeheimnisses.

Das Fazit von Wittmann: «Kaspar Villiger wird es nicht vier Jahre machen». Schon bald werde Grübel nach dem VR-Präsidium greifen.

(voi)

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