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Fleischproduktion
04. August 2009 14:47; Akt: 04.08.2009 19:27 Print
Der oberste Bauer schützt McDonald’s
von Elisabeth Rizzi - McDonald’s überlegt sich, künftig nur noch Fleisch zu verbraten, das den Schweizer Mindeststandard erfüllt, statt solches, das nach IP-Grundsätzen produziert wird. Dafür bezieht die Hamburger-Kette Prügel. Bauernverbandspräsident Hansjörg Walther stellt sich trotzdem hinter den Fastfood-Giganten.
Die Nachricht kam als Schock für die Bauern: Die Fastfood-Kette McDonald’s überlegt sich, nur noch Fleisch zu beziehen, das die Mindeststandards des Tierschutzgesetzes erfüllt und unter dem Label «Suisse Garantie» in die Läden kommt. Der Anteil an Fleisch aus artgerechter integrierter Produktion (IP) könnte dagegen ganz wegfallen. Zwischen 2005 und 2008 hat sich dieser Bestandteil der Burger laut Nicole Schöwel, Kommunikationsverantwortliche von McDonald's Schweiz, schon von zwei Drittel auf einen Drittel reduziert. Wie bereits in der «SonntagsZeitung» sagt Schöwel, der Markt biete zu wenig IP-Schlachtkühe mit der geforderten Qualität.
Nationalrat und Präsident des Bauernverbandes Hansjörg Walter(Bild: Keystone)
So wird Fleisch produziert
Ursprünglich hat Bund das Programm Integrierte Produktion als Direktzahlung für ökologische Massnahmen ins Leben gerufen. Mittlerweile wurde der Name auf Ökologischer Leistungsaufweis (ÖLN) gewechselt. So müssen auch die mit dem Label Suisse Garantie ausgezeichneten Produkte von Betrieben stammen, welche die Vorgaben für den ÖLN erfüllen. Bei der Viehhaltung sind unter anderem die Schweizer Herkunft und der Verzicht auf gentechnische Veränderung der Tiere zwingend. Ebenfalls muss die Verarbeitung in der Schweiz stattfinden. Die Tierhalter müssen weiter an einem zugelassenen Qualitätssicherungs-Programm teilnehmen. Hinter Suisse Garantie steht die AMS die Vereinigung der landwirtschaftlichen Branchenorganisationen der Schweiz, Agro-Marketing Suisse.
Die vom Interessenverband IP-Suisse kontrollierte und zertifizierte Integrierte Produktion (IP) verbietet Wachstums- und Leistungsförderer, gentechnisch veränderte Produkte sowie die Fütterung mit Tiermehl-Produkten. Medikamente dürfen nur auf Verordnung vom Bestandestierarzt eingesetzt werden. Weiter müssen bestimmte Anforderungen zur Haltung der Nutztiere (Raumbedarf, Liegeflächen, Beschäftigungsmöglichkeiten, Auslauf, Weide, Gruppenhaltung frei auf Stroh) erfüllt werden. Die Fütterung des Grossviehs muss ausserdem vorwiegend mit betriebseigenem Futter erfolgen. Als Bio darf Fleisch schliesslich nur dann bezeichnet werden, wenn es zusätzlich 100 Prozent als biologisch deklariertes Futter erhält und entweder in Auslauf- oder Weidehaltung gezogen wird.
Umstellung schwierig
Aktuell verhandelt der Verband IP-Suisse mit McDonald’s über mögliche Alternativen. Kommt keine Einigung zustande, wären immer noch rund 9000 Kühe betroffen. Der gesammte Jahresbedarf an Schlachttieren liegt bei McDonnalds Schweiz bei
Laut IP-Suisse läuft McDonald’s dem Wachstumstrend von IP entgegen und ist bislang der einzige Grosskunde, der sich einen teilweisen Rückzug überlegt (bei Weizen und Rapsöl steht kein Ausstieg zur Diskussion). Trotzdem liesse sich für die Viehhalter der Wegfall des Grosskunden nicht leicht kompensieren. Denn zwar will Manor demnächst seine ganze Fleischproduktion unter dem Label IP-Suisse verkaufen. Und auch der Grossverteiler Migros verstärkt den IP-Fleischabsatz. Doch hier stehen andere Fleischsorten im Fokus; nämlich Kalbfleisch und Schweinefleisch. «Die an McDonald’s gelieferten Tiere sind Milchkühe. Die Milchbauern können und wollen ihren Betrieb aber nicht einfach auf Kälbermast oder Schweinefleischproduktion umstellen», erklärt Martin Rufer, Leiter des Bereichs Viehwirtschaft beim Schweizerischen Bauernverband.
«Kleine Unterschiede»
Der Nationalrat und Präsident des Bauernverbandes Hansjörg WalterDas Parlament
Hansjörg Walter
SVP, TG
auf MerklisteDetails (Bild) zeigt trotzdem Verständnis für den Fastfood-Giganten. Zum einen könne IP nicht als Vermarktungsargument genutzt werden, wenn nicht der ganze Fleischbestand diesen Standard erfülle. «Andererseits sind Unterschiede bei der Tierhaltung zwischen IP und Suisse Garantie klein», gibt er zu bedenken. Das würden auch die Endverbraucher zunehmend realisieren und deshalb auch «Suisse Garantie» akzeptieren. Diese Einschätzung teilt auch Balz Horber, Geschäftsführer des Schweizerischen Fleisch Fachverbandes.
Gemäss Walter sei es zudem aufgrund der geringen Unterschiede nicht so, dass die Bauern für IP einen immensen Mehraufwand gehabt hätten. Auch auf der preislichen Seite sei IP in der aktuellen Marktlage nicht wesentlich vorteilhafter. Denn die IP-Prämie werde nur bei tiefen Schlachtpreisen an die McDonald’s-Bauern ausbezahlt. Dies sei gegenwärtig nicht der Fall.
Walter selbst verzichtet auf seinem Bauernhof auf die IP-Viehproduktion. «Der Mehrwert für den Aufwand würde sich nicht rechnen. Deshalb produzieren wir seit jeher gemäss den Suisse-Garantie-Vorlagen», sagt er. Und dass ein allfälliger Ausstieg von McDonald’s beim IP-Schlachtvieh die Bauern existenziell bedrohe, glaubt er darum ebenfalls nicht.



























