Fachkräftemangel

17. November 2014 12:14; Akt: 17.11.2014 12:36 Print

Deshalb fürchtet sich die Wirtschaft vor Ecopop

von Kaspar Wolfensberger - Der Abstimmungskampf um die Ecopop-Initiative ist in vollem Gange. Was würde ein Ja zur Initiative für einzelne Branchen bedeuten? Eine Übersicht.

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Am 30. November stimmt das Volk über die Ecopop-Initiative ab. Diese verlangt, dass die jährliche Zuwanderung auf 0,2 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz beschränkt wird. Was würde ein Ja zur Initiative für einzelne Branchen bedeuten? Eine Übersicht.

  • Gastronomie und Tourismus
    «Das Gastgewerbe hat mit 77‘000 Beschäftigten oder 44 Prozent einen hohen Anteil an ausländischen Mitarbeitern. Die Beschränkung der Zuwanderung würde uns daher stark treffen», erklärt der Verband Gastrosuisse. Er hat Angst vor einem Fachkräftemangel. Der Schweizer Tourismus-Verband warnt ausserdem vor Reputationsschäden, da die Initiative von vielen als fremdenfeindlich empfunden werde.
  • Finanzen
    Laut Thomas Sutter von der Schweizerischen Bankiervereinigung braucht der Schweizer Finanzplatz offene Märkte und die Möglichkeit Fachkräfte im Ausland zu rekrutieren. Seine Befürchtung: «Eine Annahme wäre das Ende der Bilateralen und damit der Anbindung an Europa.» Er warnt:
    «Ein Ja zu Ecopop wäre wirtschaftlicher Selbstmord.»
  • Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie
    Viele Firmen der Maschinen-, Elektro-, und Metallindustrie sind stark exportorientiert. Generell hänge jeder zweite Arbeitsplatz in der Schweiz vom Geschäft mit Europa ab, erklärt Hans Hess, Präsident des Verbands Swissmem. «Heute haben Schweizer Unternehmen einen nahezu uneingeschränkten Zugang zum europäischen Binnenmarkt und 60 Prozent unserer Exporte gehen in die EU.» Diese Erfolgsgeschichte setze Ecopop aufs Spiel, indem die Initiative die «Tür zu Europa endgültig zuschlagen will» und eine Kündigung der bilateralen Verträge in Kauf nehme.
  • Pharma
    Die Pharmafirmen leben vom Export, erklärt Sara Käch von Interpharma. 99 Prozent des Umsatzes erzielten sie im Ausland, «entsprechend ist die Pharmabranche auf vernünftige Beziehungen mit der Exportregion EU angewiesen». Ausserdem rekrutiere die Pharmabranche ihre Fachkräfte für Forschung und Entwicklung im Ausland. Eine Annahme von Ecopop würde sowohl die Personal-Rekrutierung als auch den Export der Produkte erschweren. Käch schliesst mit den Worten: «Eine Annahme der Ecopop-Initiative wäre für die Pharmabranche eine Katastrophe.»
  • Gesundheitswesen
    Viele Ärzte und Pfleger sind aus dem Ausland. Rita Ziegler, Vorsitzende der Spitaldirektion des Unispitals Zürich, befürchtet: «Bei Annahme der Ecopop-Initiative werden bis ins Jahr 2030 rund 110'000 Stellen in Gesundheitsberufen unbesetzt bleiben.» Sie warnt daher: «Eine Annahme der Ecopop-Initiative käme für das Gesundheitswesen einem Totalschaden gleich.»
  • Baugewerbe
    Der Baumeisterverband schreibt, dass im Bauhauptgewerbe 65 Prozent Ausländer arbeiten. «Bei einem Ja müssten zahlreiche Firmen schliessen», warnt er. Die Initiative erhöhe ausserdem den bürokratischen Aufwand für KMU und verunmögliche die langfristige Personalplanung, fügt er hinzu. Auch die Gewerkschaft Unia ist gegen Ecopop. «Die Initiative macht die Migranten zu Sündenböcken für Umweltprobleme, schränkt ihre Rechte massiv ein und führt zu einer Zunahme von prekären Arbeitsverhältnissen», heisst es auf ihrer Website.
  • Landwirtschaft
    Laut Peter Kopp vom Bauernverband wären insbesondere jene Bauern von Ecopop betroffen, die ausländische Arbeitskräfte für mehr als ein Jahr einstellen. Diesen würde es schwerfallen, weiterhin Personal zu rekrutieren. Die Landwirtschaftskammer des Bauernverbands habe daher die Nein-Parole beschlossen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Müller am 17.11.2014 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Über 50

    Ich lese kein Wort über Schweizer Arbeitnehmer. Nur über die Sorge, weitere ausländische Arbeitnehmer rekrutieren zu können. Es gibt in der Schweiz auch Schweizer Arbeitnehmer, welche eine solide und aktuelle Ausbildung mitbringen. Dies zählt aber heute nicht mehr. Es geht hier gar nicht mehr um Qualität sondern nur noch um einen möglichst günstigen Preis. Auch beim Bund. Es kommen nur Verleih-und Vermittlungen zum Zug, welche schon im vornherein die günstigsten Sätze offerieren. Diese Sätze sind Dumping Preise. Was wird von der Wirtschaft und der Politik dagegen unternommen??? Gar nichts.

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  • P. Remund am 17.11.2014 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billige Arbeitskraft (Fachkraft)

    Fachkräfte haben wir selbst genug. Die einheimischen sind einfach zu teuer, wo man ja auch billige aus dem Ausland haben kann. "Fachkräftemangel" ist einfach nur gelogen.

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  • Marco Züst am 17.11.2014 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ein Grund für Furcht

    Die Wirtschaft, womit die Wirtschaftsbosse mit den Millionen und Milliarden auf ihren Privatkonten gemeint ist, hat nur einen einzigen Grund sich zu fürchten! Ihre Vermögen welche sinnlose auf Bankkonten herumliegen werden nicht so schnell wachsen wie bisher, da sie gewzungen sind die Menschen welche hier leben auszubilden und das kostet nunmal Geld. Das angeblich fehlende Fachpersonal muss nun selbst generiert werden. Vor diesen Ausgaben haben die Superreichen der Schweiz Angst. Diese Angst versuchen Sie den Leuten mit aller finanzieller Macht als begründet für alle zu verkaufen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Edwin Schaltegger am 19.11.2014 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    ECOPOP = gesunde Wirtschaft+Ökologie

    Wir können die wirtschaftlichen Interesssen in unserem Land nicht über alles stellen. Eine intakte(r) Landschaft, Lebensraum und Ökologie ist wertvoller und nachhaltiger. Die Infografik zeigt deutlich, dass ab der PFZ im Jahr 2007 die Zuwanderung aus dem Ruder gelaufen ist. Die NETTO-Zuwanderungsquote von 0.2% pro Jahr von ECOPOP liegt immer noch doppelt über dem EU-Durchschnitt. Ist das extrem? Vergleich Europa: Netto Zuwanderungsquote 2007-12: D =0,1% - F =0,1% - A =0,3% - Schweiz = 0,9%!! Wir können auch eine gesunde Wirtschaft nach ECOPOP aufrecht erhalten!! Darum ECOPOP=JA

  • D. Enk am 17.11.2014 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurzsichtig

    Macht doch was ihr wollt. Bricht die Wirtschaft ein trifft es jeden einzelnen hier. Ihr habt es dann zwar "denen" gezeigt, seit aber arbeitslos. Aber Schuld werden dann wieder die anderen sein.

    • ohnefilter am 17.11.2014 18:20 Report Diesen Beitrag melden

      Kurzsichtig vielleicht wegen der Berge

      gut gesprochen

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  • Herbert Zinnlauf am 17.11.2014 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Junge Leute, ab ins Ausland!

    Ich empfehle allen in der Schweiz ausgebildeten, jungen Menschen auszuwandern. Mit einer guten Ausbildung im Sack könnte Ihr Ausland viel eher Karriere machen und vermögend werden als hier in der Schweiz. Wenn Ihr es geschafft habt, lohnt sich die Rückkehr in die Heimat. Hier werden die Erfolgreichen und Vermögenden am meisten belohnt.

    • E.S. am 17.11.2014 18:38 Report Diesen Beitrag melden

      GIERIG?

      Als ob "vermögend" zu werden das einzig Erstrebenswerte wäre im Leben!

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  • Martin Keller am 17.11.2014 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Rentenalter soll erhöht werden

    Heute in der Tagi Pensionsalter soll erhöht werden der Wirtschaft zu liebe. Gleichtzeitig ist pures Glück bis 65 eine Stelle zu haben. Wenn diese Abstimmungen nicht angenommen werden, dann stimme ich für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Ich hoffe viele nehmen auch diesen Vorsatz vor.

  • Human Resources am 17.11.2014 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fachkräftemangel

    Fachkräftemangel bedeutet das sich nur 3 personen auf eine stelle bewerben optimal wären 8 - 10 damit wir die bessere Auswahl haben

    • Bosi am 17.11.2014 17:57 Report Diesen Beitrag melden

      Kaum

      Wahrscheinlich haben Sie eher so 200 - 300 Bewerbungen.

    • Human Resources am 17.11.2014 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bosi

      Alles was älter als 35 ist nicht einstellbar und darum werden die ca. 200 Bewerbungen gar nicht gesichtet und wen aus 200 - 300 bewerbern nur 2 - 3 in unser Bild passen sind das wenige

    • Doris Loegel am 17.11.2014 19:01 Report Diesen Beitrag melden

      Fachkräftemangel

      @ Bosi: 200 - 300 Bewerbungen mit dem geforderten beruflichen Hintergrund auf eine Stellenausschreibung, das möchte ich sehen. Ich spreche aus Erfahrung, in der Schweiz finden Sie dies niemals, und dies ganz einfach, weil wir zum Glück nicht so viele Arbeitslose haben...

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