Immer mehr Aktionen

10. November 2012 08:24; Akt: 11.11.2012 16:53 Print

Detailhandel wirft sich in riskante Rabattschlacht

von Sandro Spaeth - Der Heimmarkt ist gesättigt, die Konkurrenz im Ausland brutal: Mit enormen Preisnachlässen versuchen die Händler, ihre Umsätze zu halten. Was den Konsumenten freut, ist für die Branche gefährlich.

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Sie sind nicht zu beneiden, die Schweizer Detailhändler. Einerseits geben die Konsumenten ihre Franken immer öfter im Ausland aus, was 2012 ein Umsatzloch von bis zu acht Milliarden in die Kassen reissen könnte. Andererseits ist der Markt gesättigt. Die Detailhändler kämpfen um einen schrumpfenden Kuchen.

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Lange Zeit war das anders. Der Detailhandel wuchs zwischen 2001 und 2011 jährlich im Schnitt um 1,6 Prozent – auf ein Umsatztotal von 97,8 Milliarden Franken im Rekordjahr Jahr 2010. Hauptsächlich wegen dem Einkaufstourismus sind die Umsätze laut den Marktforschern von Gfk im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent gesunken.

«Die Marke verliert an Glaubwürdigkeit»

Die Detailhändler reagieren auf die angespannte Situation mit Rabattaktionen: 13 Prozent beim Möbelhändler Interio, während 20 Tagen im Jahr 10 Prozent mit der Manor-Kundenkarte oder immer öfter wiederkehrende 20-Prozent-Weinaktionen bei den grossen Detailhändlern. «Die Preisschlacht hat sich nochmals verschärft», sagt Gfk-Direktor Thomas Hochreutener, anlässlich des Retail Forums 2012 zu 20 Minuten Online. Ähnlicher Meinung ist Detailhandelsberater Gotthard F. Wangler: «Es gibt mehr Aktionen.»

Auf die Spitze treibts die Migros: Mit dem Slogan «Das gibt’s nicht alle Tage» hat der orange Riese am Donnerstag dieser Woche alle Nivea-Pflegeprodukte mit 50 Prozent Rabatt angeboten. Hochreutener findet solche Aktionen bedenklich: «Die Marke wird verwässert und verliert an Glaubwürdigkeit.» Falsch findet der Experte die Aktionitis auch, weil sich der Konsument dadurch an den «Dauertiefpreis» gewöhne und nur noch auf die 50-Prozent-Tage warte.

Die Quittung kommt später

Weshalb gewähren die Detailhändler ständig Rabatte? «Es ist die einfachste und schnellste Marketingmassnahme um die Umsätze anzuheizen», erklärt Hochreutener. Die Kehrseite: Die Margen der Detailhändler leiden enorm. Die Quittung erhalten die Händler später: im nächsten Monat; Quartal; Jahr. Wird die Rabattaktion nicht erneut lanciert, dürften die Umsätze kaum zu halten sein. Zudem muss der Rabatt laut Hochreutener erhöht werden, um denselben Effekt zu erzielen.

Die aktuellen Detailhandelszahlen lagen in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 0,8 Prozent tiefer als 2011. Am meisten verlor mit Minus 3,3 Prozent der Markt für Freizeitartikel, um 1,8 Prozent gingen die Umsätze in der Unterhaltungselektronik zurück. Besser dürfte es auch in den Folgemonaten nicht werden, weshalb Hochreutener für 2012 höchstens ein Nullwachstum erwartet – «und das nur bei einem gutem Weihnachtsgeschäft.»

Mehrwert betonen

Der Rat des Detailhandelskenner an die versammelte Schweizer Detailhandelsgemeinde: «Reden Sie weniger über den Preis.» Anders gesagt: Je mehr die Aktionitis um sich greift, umso preissensibler wird der Konsument. Hochreutener, der auch schon Mal das Orakel aus Hergiswil genannt wird, schlägt darum vor, konsequent die Nachhaltigkeit ins Zentrum zu rücken und den Mehrwert zu betonen: Bio, artgerechte Produktion und faire Löhne.

Funktioniert hat das vor Jahren bei den Eiern, wo heute ein Grossteil der Schweizer Konsumenten dank geschickter Kommunikation der Detailhändler bereit ist, über 60 Rappen für ein Bio-Ei aus inländischer Produktion zu bezahlen. Zum Vergleich: Ein mit «Bio» beschriftetes Ei kostet in Deutschland nur rund 40 Rappen.

Das Beispiel ist aber nur die halbe Wahrheit. Warum ein Kosmetikartikel laut Preisbarometer.ch in der Schweiz zwischen 60 und 75 Prozent teurer ist als ennet dem Rhein, dürfte dem Konsumenten trotz höheren Schweizer Löhnen nicht mehr zu vermitteln sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JungeFamilie am 13.11.2012 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Mit den Kindern kommt die Weisheit ...

    Die krassen Preisunterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz begann ich erst zu entdecken, als ich mich verheiratete und kurz darauf Pappi wurde. Kinderwagen, Babynahrung, Bekleidung, Pampers, feuchte Tücher ... alles krass günstiger als in der Schweiz ! Und dann der Hammer - irgendwann habe ich in Konstanz auch einige hiesige Gewerbetreibende mit dicken Karren entdeckt, die im Discounter massenhaft Waren geholt haben. Vermutlich um sie dann hier in der Ostschweiz überteuert weiterzuverkaufen ... ;-) Seither holen wir uns das Zeug regelmässig in DE, gehen gut essen und sparen. Danke DE !

  • Piper Tom am 10.11.2012 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Kleiderhändler mit BMW auf Augenhöhe...

    Vergleicht mal die Preise von strellson.ch und strellson.de... .de natürlich nur zugänglich via proxy... 20-30% "eurorabatt"

    einklappen einklappen
  • Tommy am 10.11.2012 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nimmersatte "Elite"!

    Ein Jahr vorher wird ein Gewinn von 2 Milliarden erzielt! Alle jubeln! Ein Jahr danach wird ein Gewinn von "nur" 1.8 Milliarden erzielt! Keiner jubelt mehr! Alle reden von Krise, weil 200 Millionen weniger verdient wurden! "Reformen" werden verlangt, die Arbeitsbedingungen verschlechtert, Löhne gekürzt und gar Leute entlassen! Wieso!? Ganz sicher nicht, weil ein Gewinn von 1.8 Mia schlecht wäre und solche Massnahmen rechtfertigen würde! Nein! Die Aktionäre, welche auf einen höheren Gewinn spekuliert haben, würden weniger gewinnen oder gar Geld verlieren! Darum kommen Kahlschläge!

Die neusten Leser-Kommentare

  • JungeFamilie am 13.11.2012 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Mit den Kindern kommt die Weisheit ...

    Die krassen Preisunterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz begann ich erst zu entdecken, als ich mich verheiratete und kurz darauf Pappi wurde. Kinderwagen, Babynahrung, Bekleidung, Pampers, feuchte Tücher ... alles krass günstiger als in der Schweiz ! Und dann der Hammer - irgendwann habe ich in Konstanz auch einige hiesige Gewerbetreibende mit dicken Karren entdeckt, die im Discounter massenhaft Waren geholt haben. Vermutlich um sie dann hier in der Ostschweiz überteuert weiterzuverkaufen ... ;-) Seither holen wir uns das Zeug regelmässig in DE, gehen gut essen und sparen. Danke DE !

  • kavi am 13.11.2012 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Äpfel & Birnen

    Empfindliches wie Eier sind ein schlechtes Beispiel. Da steigt mit jedem Schritt Weg die Wahrscheinlichkeit für einen Schaden d.h. Verlust. Schon (Halb)Flüssiges wie Jogurt in Kunststoff-Bechern ist zu unsicher für eine prallgefüllte Tasche. Wer nicht gerade mit einem Wagen unterwegs und den vor dem Warenhaus abgestellt, wird wohl Anderes zuerst kaufen.

  • René am 13.11.2012 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ein Wille ist....

    Wir gehen Morgen wieder in die Einkaufsinsel und das Rheinparkcenter in Weil. Am Abend legen wir die gesparten 200_300 Euro wie immer in die Büchse für den Skiurlaub im Februar in Österreich.

  • WilhelmTell41150 am 12.11.2012 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    weiteres Argument: Konsumentenschutz

    In der EU ist man als Konsument besser geschützt als in der Schweiz und auch die Garantiebedingungen sind meistens besser als in der Schweiz. In der EU gibt es auch ein Umtauschrecht nach dem Kauf, was in der Schweiz häufig nicht gewährt wird.

  • josef a. am 12.11.2012 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Gross grösser am Grössten

    Schauen wir mal Chur in GR an. In den letzten 10 Jahren wurden die Verkaufsflächen von Migros, Coop etc. mehr als verdreifacht. Auch dieses Jahr wird gebaut und gebaut .... Gleichzeitig jommern alle, dass in den meisten Geschäften zu wenig Umsatz erzielt wird. Also was macht man: Man hält die Preise in der unglaublichen Höhe und entlässt massen von Arbeitnehmern. Immer wieder wird Behauptet, dass die Preide nicht Auf DE niveau sein können weil DE 80 Milionen Bewohner hat. Was aber komisch ist Oesterreich hat auch 8 Mi. Einwohner und dieselben Preise wie DE. Davon Profitieren wir in GR.

    • kavi am 13.11.2012 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      Fensterläden

      In Deutschland 80 Mio & in Österreich 8 Mio, welche die gleiche Sprache verstehen sollten, in der Schweiz nur 5 Mio; da hilft uns auch ein Liechtenstein recht wenig. Arzneimittel: "Die Packungsbeilage [...] muss in den drei Amtssprachen abgefasst werden." Bei vielem Anderen scheint eine oder gar keine Landessprache zu reichen. Wenn (mehr) Fenster in die Läden gemacht würden, könnte man bei Beleuchtung sparen und Ware würde durch die Schaufenster für sich selber werben. Nach den Gewehrlern verbunker(t)en sich leider auch noch die Gewerbler.

    einklappen einklappen
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