Sommerfestivals

31. August 2010 12:16; Akt: 31.08.2010 13:27 Print

Die Fans wurden noch nie so geschröpft

Die Open-Air-Veranstalter sind zufrieden mit dem Sommer. Die Besucher zum Teil weniger: Seit Jahren steigen die Ticket-Preise an.

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Das letzte der grossen Sommerfestivals: das Zurich Open-Air

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Mit dem Zürich Openair ging am Wochenende eines der letzten Sommerfestivals über die Bühne. Zwar waren nicht alle ausverkauft, aber trotz WM und schlechtem Wetter in der Vorsaison zeigen sich die Veranstalter zufrieden. Nicht so die Festivalbesucher: Von Jahr zu Jahr müssen sie tiefer in die Tasche greifen, um den Auftritten ihrer geliebten Bands beizuwohnen. Fünf der sechs bekanntesten Festivals erhöhten in den vergangenen drei Jahren ihre Ticketpreise (siehe Tabelle am Ende des Artikels).

Den Negativrekord hält das Openair Frauenfeld: Die Tickets wurden innerhalb den letzten drei Jahren um 27 Prozent teurer. Für einen Dreitagespass zahlte man 2007 noch 149 Franken, dieses Jahr bereits 189. «Mit Eminem, Jay-Z und den Fantastischen Vier haben wir gleich drei Headliner im höchsten Preissegment geboten», rechtfertigt sich Openair-Sprecher Joachim Bodmer. Auch die Tickets des Openairs St. Gallen und des Greenfield Festivals verteuerten sich um je 13 Prozent. Steigende Künstlergagen wie auch höhere Sicherheits- und Bauausgaben fielen beim Openair St. Gallen ins Gewicht. Beim Greenfield Festival hat sich dagegen laut den Veranstaltern nur das Bahnbillett verteuert, das im Dreitagespass inbegriffen ist.

Unverbindliche Versprechen für 2011

Einzig das grösste Open Air der Schweiz, das Paléo Festival in Nyon, kostet seit Jahren gleich viel: 60 Franken pro Tag. So auch nächstes Jahr. Immerhin scheinen die grössten Preissprünge auch andernorts vorbei zu sein. «Die Ticketpreise werden nächstes Jahr gleich bleiben», heisst es beim Gurtenfestival und beim Open Air Gampel. Greenfield, Zürich und Frauenfeld werden «wahrscheinlich» nicht teurer. Nur in St. Gallen ist man noch unschlüssig. Schweizer Festivalbesucher müssen darauf hoffen, dass sich die Währungssituation nicht verändert. Ein Veranstalter weist darauf hin, dass wegen des starken Frankens die Künstlergagen «günstiger» wurden, da sie oft in Euro gezahlt werden.

Die Veranstalter des Festivals im Sittertobel räumen ein, dass «die 82 000 Besucher in diesem Jahr sicher eine Enttäuschung waren, nach drei ausverkauften Festivals in Folge». Sie weisen aber darauf hin, dass es in den Wochen um das Openair St. Gallen zahlreiche Stadienkonzerte (Muse, AC/DC) und neue Festivals wie das Heavy-Metal-Festival Sonisphere in Jonschwil gab. Bereits im Jahr 2006 war St. Gallen wie heuer nicht ausverkauft – es war ebenfalls ein Fussball-WM-Jahr.

Alle wollen die gleichen Headliner

Das Hauptproblem ist jedoch, dass europaweit immer mehr Festivals um die gleichen Headliner buhlen, die im Sommer durch den Kontinent tingeln. Da gibt es zwei Strategien: Entweder das Gagenbudget für die Stars erhöhen – und damit auch die Eintrittspreise. Eine andere Möglichkeit ist, auf Shootingstars und Geheimtipps zu setzen und sich als «Nischenfestival» zu etablieren. Damit steigt aber das Risiko, dass nicht genügend Zuschauer mobilisiert werden können.

Festival20102007Preisanstieg
Open Air Frauenfeld (3d)18914927%
Open Air St. Gallen (3d)16314413%
Greenfield Festival (3d)198**175**13%
Gurtenfestival200*195*3%
Gampel (4d)1991962%
Paléo (1d)60600%
Zürich Open-Air (3d)160--

* Zelten kostet separat 20.- pro Zelt
** inkl. 10.- Mülldepot und Bahnticket


(scc/gmo/wg)