Was wäre wenn?

16. November 2011 09:27; Akt: 16.11.2011 09:44 Print

Die Szenarien für Athens Euro-Aus

von Sandro Spaeth - Deutschland will gewappnet sein und zieht Griechenlands Austritt aus dem Euro in Erwägung. Experten spielen drei Szenarien durch, darunter ein rabenschwarzes.

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Griechenlands Austritt aus der Euro-Zone: «Halb so schlimm» oder langjährige Abwärtsspirale? (Bild: Keystone)

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Lange Zeit hat man sich in Deutschland nicht getraut, das heisse Thema anzuschneiden: Griechenlands Austritt aus der Währungsunion. Inzwischen rechnet die Bundesregierung aber selbst das Undenkbare durch. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble wollen gerüstet sein. Auch für den schlimmsten Fall. «Das wäre ja eine grauslige Regierung, wenn sie nicht auch darüber nachdenken würde, was sie macht, wenn es schiefgeht», sagte Schäuble am Wochenende.

Berichte, dass sich Deutschland auf einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion einstellte, wollte der Finanzminister nicht kommentieren. Aus Rücksicht auf Konsequenzen an den Finanzmärkten könne er nicht darüber sprechen. Klar ist: Obwohl Griechenland die Regierungskrise mittlerweile überwunden hat und den Sparwillen betont, scheint die Regierung Merkel dem Frieden nicht zu trauen.

Wie der «Spiegel» in seiner neusten Ausgabe schreibt, bereitet sich die Bundesregierung darauf vor, dass die neue Regierung in Athen die vereinbarten Sparprogramme nicht weiterführt. Vor wenigen Tagen hatten zudem Gerüchte die Runde gemacht, wonach Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicoals Sarkozy eine Verkleinerung der Eurozone anstrebten.

«Alles halb so schlimm?»

  • In einem sogenannten Basis-Szenario gehen die Experten des deutschen Finanzministeriums davon aus, dass es nach einem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion nur halb so schlimm kommt. Nach anfänglichen Turbulenzen könnte die Euro-Zone ohne ihr schwächstes Mitglied sogar stärker werden. Zwar hätten Randstaaten wie Spanien und Italien auch weiterhin zu kämpfen. Unbelastet von der Griechenlandkrise könnten sie ihre Probleme aber besser lösen.

Für Ökonomin Ursina Kubli von der Bank Sarasin ist dieses Szenario wenig wahrscheinlich: «Ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion wäre frühestens in zwei Jahren kontrollierbar durchzuführen.» Erst dann dürften Spanien und Italien stabil genug sein, um nicht in den griechischen Abwärtsstrudel gezogen zu werden.

Langjähriger Teufelskreis

  • Im Worst-Case-Szenario entwickeln sich die Dinge weniger günstig: Die Experten aus Deutschland gehen davon aus, dass nach Athens Euro-Aus Spanien und Italien ins Visier der Finanzmärkte geraten und sich nicht mehr selbst refinanzieren können. Die Folge: Der Europäische Rettungsfonds (EFSF) wäre gezwungen, die Staaten mit neuem Geld zu versorgen. Damit das aber gelingen kann, bräuchte der ESFS Mittel von einer Billion Euro.

  • Im dritten Fall beschreiben die Experten ein Worst-Worst-Case-Szenario. Danach würde die neue griechische Währung nach einem Austritt aus der Eurozone massiv abwerten. Zwar würden Griechenlands Exporte damit billiger, die negativen Effekte dürften aber überwiegen. Beispielsweise wären die griechischen Banken vom internationalen Kapitalmarkt abgeschnitten. Zudem wird davon ausgegangen, dass der griechische Staat Verbindlichkeiten in Euro behalten – und die Verschuldung trotz Schuldenschnitts steigen würde. Auch die griechischen Unternehmen dürften ihre Schulden in Euro behalten – was für viele im Konkurs enden könnte. Tausende Angestellte verlören ihren Job, der Konsum würde einbrechen und die Rezession sich noch verschärfen. Während Jahrzehnten könnte sich Athen nicht aus der Abwärtsspirale befreien.

Das rabenschwarze Szenario sei aber nicht das wahrscheinlichste, hiess es aus Regierungskreisen. Dieser Meinung ist auch Sarasin-Ökonomin Ursina Kubli. «Wir gehen davon aus, dass das Schlimmste in der Eurokrise vorbei ist.» Dank den neuen Regierungen in Italien und Griechenland bestehe die berechtigte Hoffnung, dass die Sparziele umgesetzt würden und die Europäische Zentralbank auf stabile Partner zählen könne.

Griechenland soll bleiben

«Wir wollen, dass Griechenland in der Eurozone bleibt», betonte der deutsche Finanzminister Schäuble am Wochenende. Und diese Behauptung dürfte der Politiker trotz der Planspiele ernst meinen. «Der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion wäre derzeit unkontrollierbar und nicht im Sinne der Bundesrepublik», so Ursina Kubli. Zudem fehlt die Legitimation, dass die Eurozone ein Land ausschliessen kann.

Ein Austritt könnte zwar einseitig durch Griechenland erfolgen, doch dieser dürfte sich für Athen nicht lohnen. Die Schulden wären zwar zu einem grossen Teil weg, das jährliche Defizit aber weiterhin vorhanden. «Verbleibt Griechenland in der Eurozone, hat das Land ein Jahrzehnt Zeit, um den Haushalt in den Griff zu bekommen», erklärt Ökonomin Kubli. Würde Athen hingegen austreten, müsste das Land sofort höchst unpopuläre Entscheide treffen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Skeptiker am 16.11.2011 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    mit Verstand

    Griechenland hat in wenigen Jahren einen Staatsbankrott hervorgerufen, da wird es schon etwas länger als ein Jahrzehnt dauern, um sich wieder aufzuräppeln. Ich bin ein Ökonomieexperte. Wenn ich aber meinen Verstand einsetze, würde ich meinen, das worst-worst-case-Szenario klingt am wahrscheinlichsten.

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  • Toni Bühler am 16.11.2011 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Eher...

    ... scheint Deutschland der erste Austritt aus dem Euro zu sein. Klingt crazy? Dann soll doch jemand erklären, wieso die Anleihen für Deutschland noch immer bei historischen 1,7% stehen, während dem alle andern raketenartig nach oben schiessen. Die Finanzwelt weiss mehr als die Öffentlichkeit. Wetten?

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  • Hellebarde am 16.11.2011 20:25 Report Diesen Beitrag melden

    Welch ein Weltreich.

    Alles dreht sich ums Geld, das Geld dreht die Welt, Griechenland hat es verdreht, beschämend die Götter entehrt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Adriano am 24.11.2011 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Schulden in Euro und nicht in Drachme!

    Die "Schulden wären zwar zu einem grossen Teil weg..." - NEIN, eben nicht! Denn bei einem einseitigen Austritt Griechenlands aus der Eurozone blieben die Schulden in Euros und nicht etwa in 'neuer Drachme' abzuzahlen.

  • T. Horvàth am 22.11.2011 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tschüss

    Tschüss Euro Wilkommen Neue Deutsche Mark, Nouveau Francs, Nouvo Lira, Neue Gulden u.s.w.

  • Tom Tom am 17.11.2011 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt auch schlimmeres

    Mich erstaunt immer wieder wie der Mensch sich schnell verschuldet. Liebe Politiker und Experten der Wirtschaft, wie kann es sein das Mann / Frau jahrelang studieren muss um zu wissen A.Wie viel nehme ich am Ende des Tages ein ? B.Wie viel gebe ich am Ende des Tages aus? C.Wieviel unvorhergesehene Ausgaben kommen werden? Ganz einfach gesagt wer seine Ausgaben nicht in Griff hat kann alle Kredite der Welt aufnehmen, ein Rattenschwanz ohne Ende. Stellt euch mal dies vor, was passiert eigentlich wenn China die Staatsanleihen in einem verschuldeten EU Land erhöht und weiter Investiert?? wie gesagt ich bin kein Experte. Jeder Tunnel hat einen Ausgang, auch wenn es danach aussieht das es keinen gibt. Also liebe Leute Kopf hoch der Mensch wird es Meistern egal in welcher Lage er sich befindet!

    • Willem am 23.11.2011 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Untergang des Abendlandes

      Stimmt. Bis jetzt sind alle Hochkulturen noch untergegangen und unsere wird keine Ausnahme sein. China braucht nur zu warten und die maroden Wirtschaften zu übernehmen.

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  • Ein Grieche.. am 16.11.2011 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ach ja, die..

    schweiz ist nicht beteiligt? habt ihr auch schon daran gedacht, wieviele milliarden die nationalbank monatlich in die schweiz steckt, damit der euro-kurs künstlich auf 1.20 gehalten werden kann? folgen?das geld verliert mit der zeit an wert,irgendwann machts päng:alles wird teurer. obwohl wir nicht bei der EU sind..Die Schweiz bezahlt mit.

    • SB aus H am 18.11.2011 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Inflation kommt so oder so

      Das stimmt. Aber im Vergleich zu den eu laendern stuenden wir immer noch auf der sonnenseite. Paeng wird es uebrigens sowiso machen. Wie glauben sie wird die snb die 200 mia. Liquiditaet die sie in die maerkte gepumpt hat wieder abschoepfen? Ganz zu schweigen von den zig mia. Euro auf denen sie sitzt und die immer weniger wert sind. Inflation hereinspaziert...

    • A. F. Ramiro am 23.11.2011 15:45 Report Diesen Beitrag melden

      Inflation?

      Seit 3 Jahren sagen die Weisen "achtung die Inflation kommt". Tatsache ist, dass sich die gesamte westliche Welt in einer grausamen Spirale der Deflation befindet. Japan lässt Grüssen

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  • Reto Stadelman am 16.11.2011 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Freude herrscht hier

    Ich mag den typischen EU-Hass hier :-) Die EU ist ja e Blödsinn nicht? Es ist ja nicht so, dass wir weltweit ein Problem haben, nein nein... Die EU ist an allem schuld und schlecht und böse. Die vielen EU Hasser hier werden wohl die nächsten paar Monate noch Munition kriegen, bevor sich die Probleme legen und sie entlich schweigen müssen. Hach wie freue ich mich auf diese Zeit :-) Ihr auch, gell? :-) Und wie freue wir uns erst auf ein starkes Europa das sich entlich als Gegengewicht zu USA, China, Brassilien, Russland, Indien etc. etabliert. :-)

    • db89 am 17.11.2011 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      einerseits hast du recht :)...

      Ich zu meinem Teil hasse die EU nicht direkt, sondern mehr ihr zentralistischer aufbau, ihre teils dümmlichen regeln und den aufbau der währungsunion. würde die EU diese Probleme bewältigen sehe ich keinen Grund nicht zur EU zu gehören, aber es macht ja keinen Sinn, einen Teil seines Wohlstandes aufzugeben um in einem solchen "Gebilde" dabei zu sein, also kann ich den momentanen hass nachvollziehen... auch wenn das problem weltweit ist und ursprünglich aus den USA stammt, wertet das die EU nicht auf. Sie ist einfach gleich schlecht ;-) und machts nicht besser wie die anderen...

    • T.G. am 17.11.2011 22:50 Report Diesen Beitrag melden

      nein

      ich hasse nicht die EU sondern ihre selbsherrlichen Funktionäre.

    • Reto Stadelman am 18.11.2011 13:31 Report Diesen Beitrag melden

      EU hat sicherlich Probleme

      Die EU hat ein Problem mit der Zentralisierung. Sie scheint nicht zu begreifen, dass sie alles nur noch schlimmer macht mit dem Versuch alles noch zentraler zu verwalten. Das gebe ich leider zu. Aber ich bin überzeugt das in der EU Zukunft ein Bundesstaat entstehen wird, so wie die fortschrittliche Schweiz. Also kein Zentralstaat. Diese Probleme sind also nur vorübergehend. @T.G. Ich weis nicht genug über die EU Funktionäre. Kann sein das sie selbstherrlich sind. Nur, wo sind Funktionäre nicht selbstherrlich? ;-)

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