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26. November 2012 13:57; Akt: 26.11.2012 15:14 Print
Die UBS erhält einen Wachhund aus Bern
von Lukas Hässig - Die Aufseher ziehen nach dem Adoboli-Crash ein verheerendes Fazit: Die Risiko-Aufsicht der UBS war ungenügend. Jetzt bekommt die Bank einen Aufpasser zur Seite gestellt.
Dicke Post war zu erwarten gewesen. Dass sie so dick sein würde, überrascht selbst hartgesottene Beobachter. Die UBS glich einem Wettbüro ohne effektive Kontrollen. So könnte man den Befund der Aufsichtsbehörden von Bern und London nach dem 2-Milliarden-Crash von Händler Kweku Adoboli verstehen. Demnach stand nicht Kontrollieren zuoberst auf der Liste der Werte und Maxime, sondern Wegschauen.
So steht es im Finma-Bericht:- Die direkten Vorgesetzten überwachten den ETF-Desk (Adobolis Arbeitsbereich) vor Ort mangelhaft. Die Beziehung zwischen Händler X und den direkten Vorgesetzten bzw. den internen Kontrollfunktionen basierte zu stark auf Vertrauen und zu wenig auf Kontrolle.
- Die Frontoffice-Überwachungsinstrumente der direkten Vorgesetzten des ETF-Desks wiesen erhebliche Mängel auf und wurden nicht richtig eingesetzt.
- Die Kontrollfunktionen verstanden die Handelsaktivitäten zu wenig und konnten so den ETF-Desk nicht kritisch herausfordern.
- Die verschiedenen Kontrollfunktionen der UBS fügten ihre Informationen nicht zu einem Gesamtbild zusammen.
- Die Berichtserstattungswege und Verantwortlichkeiten waren unklar und führten zu Verwirrung.
- Die UBS hat falsche Signale gesetzt, indem sie einem Händler, der offenkundig und mehrfach Compliance-Regeln verletzt hatte, markante Lohnerhöhungen und Boni gewährte und ihn sogar in ein Programm für Nachwuchsführungsleute aufnahm.
Das sind die wichtigsten Massnahmen der Finma:
- Jede neue Geschäftsinitiative, die die UBS in der Investmentbank ergreifen will und die voraussichtlich die operationelle Komplexität erhöht, muss vorgängig von der Finma akzeptiert werden.
- Die risikogewichteten Aktiven der Investmentbank der UBS unterliegen einer Obergrenze, die sich von 2012 bis 2015 kontinuierlich reduziert.
- Die UBS-Investmentbank darf keine neue Akquisitionen tätigen.
- Die Finma setzt einen unabhängigen Untersuchungsbeauftragten ein um die Fortschritte und den Abschluss des Massnahmenpakets zu überwachen.
Wie bunt es die Grossbank mit immer noch weit über 1000 Milliarden Risiken auf der Bilanz getrieben hatte, zeigt ein einziger Satz aus der heutigen Stellungnahme der Finanzmarktaufsicht Finma (siehe auch Box rechts). Der lautet: «Die Finma setzt einen unabhängigen Untersuchungsbeauftragten ein, um die Fortschritte und den Abschluss des Massnahmenpakets zu überwachen.»
Zürich erhält einen Aufpasser aus Bern
Bern erachtet also einen eigenen Aufpasser für Zürich als notwendig. Der hat weitreichende Befugnisse. Er kann UBS-CEO Sergio Ermotti und Präsident Axel Weber jederzeit auf die Finger hauen. Wie bereits nach dem Subprime-Debakel, als der Staat mit mehreren Milliarden Kapital aushelfen musste, wird die UBS damit an die kurze Staatsleine genommen.
Die UBS macht gute Miene zum bösen Spiel. Sie sei «zufrieden, dass dieses Kapitel nun abgeschlossen ist und dass die Regulatoren die Massnahmen anerkannt haben, welche die UBS seit dem Vorfall getroffen» habe.
Aus den Vorfällen gelernt?
Man habe «die Lehren aus dem Fall gezogen und blicke nach vorn», meint die Bank weiter, und betont, dass sie «angemessene disziplinarische Massnahmen gegen Mitarbeitende» ergriffen habe, die «den von uns erwarteten hohen Standards nicht genügten».
Die Kurzbotschaft der UBS lautet somit: Wir sind jetzt eine bessere Bank, wir haben aus dem Vorfall gelernt. Dass es dazu 2 Milliarden Verluste durch einen Junior-Trader brauchte, der nach Belieben schalten und walten konnte und trotz x-fachen Unregelmässigkeiten nie gebremst wurde, hängt die Bank selbstredend nicht an die grosse Glocke. Das überlässt sie den Behörden.
Wie glaubwürdig ist die UBS heute?
Die Kernfrage lautet: Ist das Versprechen der UBS zur Läuterung und Besserung glaubwürdig? Das Management betont in seiner Stellungnahme, dass es die Bank «weniger komplex, berechenbarer und fit für die Zukunft» machen wolle.
Zur Beantwortung der Frage braucht es kein langes historisches Gedächtnis. Der Adoboli-Crash ist die Folge des dritten massiven Kontrollversagens der Verantwortlichen. Er reiht sich nahtlos ein in eine Reihe von Vorfällen, welche die Grossbank seit 2007 an den Rand ihrer Existenz gebracht hatten. Überlebt hat die Bank einzig dank dem Land und seiner Steuerzahler, die ihr unter die Arme griffen.
Infografik: Kennzahlen der UBS

Subprime, US-Steuerfall, Adoboli
Vor fünf Jahren, als die Subprime-Krise ausbrach, meldete die UBS im Monatsrhythmus Milliardenverluste. An mehreren Generalversammlungen brauchte sie neues Kapital. Zuletzt war eine Stützungsaktion von Nationalbank und Bund im Wert von damals fast 70 Milliarden Franken nötig, um die Bank zu stabilisieren. Sonst hätte die UBS den Herbst 2008, als die Wallstreet-Ikone Lehman Brothers das System erschütterte, vermutlich nicht überlebt.
Wenige Wochen später stand die UBS erneut am Abgrund. Im US-Steuerkonflikt musste sie sich mit einer Rekordbusse von einer Strafklage freikaufen. Den Preis bezahlte wieder die Schweiz. Das Land warf in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ihr 75 Jahre altes Bankgeheimnis über Bord und öffnete Tür und Tor für die Amerikaner, die ganze Schweiz in den Schwitzkasten zu nehmen.
Alte Risiko-Haudegen immer noch am Drücker
Der Neuanfang mit Oswald Grübel und Kaspar Villiger endete 2011 im Debakel, nachdem der junge Adoboli die Bank zeitweise mit über 10 Milliarden Dollar Verlustrisiko einem nächsten Crash-Risiko ausgesetzt hatte. Grübel ging sofort von Bord, Villiger folgte wenig später.
Oberste Verantwortliche für die Risikoüberwachung blieben hingegen an Bord. Insbesondere wurde Chief Risk Officer Phil Lofts zurückgeholt. Der gleiche Lofts war von 2008 bis 2010 oberster Herr der Risiken, als Kweku Adoboli seine ersten Betrügereien begangen hatte.
Weitere Unterlassungssünder
Auch Lofts Vor-Vorgänger Walter Stürzinger konnte sich halten. Stürzinger hätte als Chef aller Risiken sowohl den Aufbau der Subprime-Positionen als auch die Gefahren im US-Offshore-Geschäft erkennen und davor warnen können.
Lofts und Stürzinger sind nur zwei von vielen hohen Risiko-Verantwortlichen der UBS, die weiter in einflussreicher Stellung bei der Grossbank tätig sind. Ihr Verbleiben in wichtigen Positionen lässt am Willen der Bankleitung unter CEO Ermotti zweifeln, in der Risikoüberwachung neu anzufangen.
Personelle Machtworte bleiben aus
Auch die Aufsicht spielt dabei offensichtlich mit. Der Entscheid der Finma, der UBS einen «Watchdog» ins Haus zu setzen, klingt gut. Eindrücklicher wären personelle Machtworte aus Bern. Doch solche sind nicht zu hören. Das zieht sich ebenso wie ein roter Faden durch die jüngere Skandal-Geschichte der UBS wie deren Milliardenverluste.
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Frühwarnsysteme wären besser als Kontrol
Gegen Betrug ist leider kein Kraut gewachsen. Weder die UBS noch die Finma noch die Revisionsstelle haben allerdings vernünftige Instrumentarien im Sinne von Frühwarnsystemen. Die Risiken fallen auch primär in London und New York an und sind teilweise nicht in den Handelssystemen ersichtlich. Da braucht es schon vorausschauende Kontrollen auch im Handelsraum selber - von kompetenten Leuten.
Beurteilung des Kontrollsystems
Wow, das Urteil der FINMA zu den internen Kontrollen der UBS ist vernichtend. Gleichzeitig hat die externe Revisionsgesellschaft Ernst & Young im jährlichen Geschäftsbericht die Qualität der internen Kontrollen der UBS positiv beurteilt. Wer hat jetzt recht? Versteht da jemand seinen Job nicht? Wie können in so kurzer Zeit so unterschiedliche Beurteilungen entstehen?
Gefälligkeit
Kritik ist nie erwünscht.
auch die finma hat versagt
als aufsichtsbehörde ist die finma teilweise mitschuldig. die jüngsten vorkommnisse hätten die alarmglocken leuten lassen sollen. dann hätte man wohl bei näherer betrachtung gesehen, dass das risikomanagement der ubs mangelhaft ist. die finma muss hier ihre verantwortung gegenüber dem finanzplatz schweiz wahrnehmen und ihre ressourcen bezüglich personellem know how ausbauen. hier hat so ziemlich jeder weggeschaut der hätte hinschauen müssen. passt zum schweizer trend des qualitativen zerfalls.