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Riesiger Schuldenberg
06. April 2011 13:22; Akt: 06.04.2011 18:15 Print
Wende in der Euro-Krise
von Sandro Spaeth - Das Vertrauen in die Griechen bröckelt. Mehrere EU-Regierungen ziehen anscheinend eine Umschuldung in Betracht – nicht ganz uneigennützig.

Dunkle Wolken über der Akropolis: Wie lange kann die Regierung in Athen die Umschuldung noch herauszögern? (Bild: Keystone)
Die Euroländer stehen am Scheideweg: Schafft es Griechenland, sich aus eigener Kraft aus dem Schuldenberg von rund 330 Milliarden Euro zu befreien? Oder ist die Umschuldung – also der Verzicht auf einen Teil der Forderungen – das kleinere Übel? Damit müssten zwar vorab Banken und Versicherungen auf viel Geld verzichten. Für einen Teil der EU-Staaten hätte die Umschuldung aber Vorteile: Sie sind quasi zum Retten der Griechen «verdammt» und fürchten, immer noch mehr Gelder in den maroden Staat pumpen zu müssen.
Das versteht man unter UmschuldungDer Begriff Umschuldung bezeichnet die Neustrukturierung einer Schuldenlast. Bei sinkenden Zinsen kann es für den Darlehensnehmer günstiger sein, einen zu schlechten Konditionen abgeschlossenen Kredit durch einen neuen, günstigeren Kredit zu tilgen. Unter Umschuldung fällt auch die Möglichkeit von längeren Laufzeiten für Anleihen. Der Schuldner hat damit mehr Zeit, um das Geld zurück zu zahlen. Als weitere Möglichkeit gilt eine Abwertung der Anleihen (sog. «Haircut»), wodurch die Gläubiger auf einen Teil der Forderung verzichten. Im Rahmen einer Umschuldung ist es auch denkbar, dass die Gläubiger vorübergehend auf Zinszahlungen verzichten.
Die Finanzminister mehrerer Euroländer zweifeln daran, dass Griechenland im kommenden Jahr auf den Anleihemarkt zurückkehrt und sich danach wieder selbst finanziert. Darum schliessen laut «Financial Times Deutschland» mehrere europäische Regierungen eine Umstrukturierung der Schulden nicht mehr aus.
«Eine geordnete Umschuldung wäre für Griechenland das Beste», sagt Walter Wittmann, emeritierter Wirtschaftsprofessor und Autor des Buches «Staatsbankrott» zu 20 Minuten Online. Bisher hätte Europa den Griechen vor allem geholfen, um die eigenen Banken vor massiven Verlusten und einem möglichen Kollaps zu behüten. Stark engagiert sind vor allem deutsche und französische Institute, die mit total 90 Milliarden Euro fast die Hälfte aller Darlehen an Griechenland verantworten. Die Forderungen nach einer Umschuldung könnte laut Wittmann daher eher von Grossbritannien stammen.
Politisch nicht mehr vertretbar
Schaffen es die Griechen im Verlauf des Jahres 2012 nicht, sich aus eigener Kraft am Anleihemarkt zu refinanzieren, könnten sie auf weitere Hilfe der EU angewiesen sein: «Eine Verlängerung und Aufstockung des Hilfspakets wäre politisch nicht vermittelbar. Dann müssen Konsequenzen gezogen werden», hiess es laut «ftd.de» im Finanzministerium eines grossen Euro-Lands. Man müsse einen Plan in der Tasche haben, so der Berater eines EU-Regierungschefs.
Eine Umschuldung der Griechen ist aber nicht ohne Gefahren. Der Grund: An den Finanzmärkten würde sofort die Spekulation einsetzen, welcher Staat als nächster folgen könnte. Irland, Portugal und Spanien müssten dies mit steigenden Risikoaufschlägen bezahlen.
«Jeden Cent zurückzahlen»
Griechenland musste im Frühling 2010 vor dem Ruin gerettet werden und erhält seither vergünstigte Kredite von der EU und dem internationalen Währungsfonds (IWF). Geplant ist, dass sich Athen in einem Jahr wieder auf dem offiziellen Kapitalmarkt eindeckt. Noch sind die Konditionen aber fast unzahlbar: Griechenland muss für 10-jährige Anleihen 12,7 Prozent Zins berappen. Das ist leicht mehr als bei der «Bankrotterklärung» im Mai 2010. Zum Vergleich: Die Kosten für die Notkredite der EU sind nur halb so hoch.
Trotz der Umschuldungsforderungen einiger EU-Staaten: «Die Bitte um Schuldenerlass oder ein Moratorium müsste von Griechenland kommen», sagt Wittmann und verweist auf die südamerikanischen Staaten Argentinien und Brasilien, denen im Jahr 2000 und 2002 ein Teil der Schulden erlassen wurde. Bisher hatte sich Athen stets gegen eine Umschuldung gewehrt. «Ich verspreche Ihnen, Griechenland wird jeden Cent zurückzahlen», sagte Griechenlands Präsident Papandreou im Februar der «Bild»-Zeitung.






























