Shopping 2025

16. April 2013 18:42; Akt: 16.04.2013 18:43 Print

Die Zukunft gehört dem Tante-Emma-Laden

von Sandro Spaeth - Wie kaufen wir 2025 Lebensmittel ein? Im Internet oder auf dem Wochenmarkt? Detailhandelsexperten glauben an ein Comeback des Quartierladens – an den Tante-Emma-Shop 2.0.

Bildstrecke im Grossformat »

Längst vergangenen Zeiten: Klara Seiler im Jahr 2000 in ihrem kleinen Laden im aargauischen Gipf-Oberfrick.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Früher gab es ihn an jeder Strassenecke, in jedem Quartier und jedem Dorf: den Tante-Emma-Laden. Dann wurde er nach und nach verdrängt von den Grossen. Die Leute strömten in die Hypermärkte mit ihren riesigen Verkaufsflächen und noch grösseren Parkplätzen. Sie hiessen Hypercasino oder einst Jumbo, später Carrefour. Die Filialen des französischen Detailhandelsgiganten wurden 2007 von Coop übernommen.

Umfrage
Würden Sie gerne in einem Tante-Emma-Laden einkaufen?
72 %
24 %
4 %
Insgesamt 3759 Teilnehmer

Doch die Jahre der «Hypermärkte» scheinen gezählt. Sie stünden vor einem langsamen Abstieg, schreiben die Detailhandelsexperten von KPMG und dem Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) in ihrer Analyse «Wie wir in Zukunft Lebensmittel einkaufen». «Niemand glaubt mehr an den grossen Verbrauchermarkt», sagt Zukunftsforscher und GDI-CEO David Bosshard.

Gute Zukunftschancen räumen die Experten den kleinen Geschäften und Convenience-Shops ein. Was beim Online-Shopping erst begrenzt möglich ist, bietet Tante Emma 2.0»: Frische Produkte, sozialer Austausch und der Quartierbevölkerung angepasste Öffnungszeiten. Von vier Zukunftsszenarien erachten die Experten die Rückkehr des lokalen Ladens als das wahrscheinlichste.

Für die Rückkehr des Ladens um die Ecke spricht neben dem Einkaufserlebnis auch die demografische Entwicklung: Die immer ältere werdende Bevölkerung ist weniger mobil: Mit dem Rollator läuft man nicht weit. Anders gesagt: Ohne Auto ist der Bewegungsradius sehr eingeschränkt.

Wandel findet bereits statt

Gegen eine Weiterentwicklung der grossen Einkaufszentren sprechen auch die Online-Kanäle sowie die immer teurere Mobilität. Zudem entspreche ein Grosseinkauf einmal die Woche in Zukunft immer weniger dem Bedürfnis der Menschen. Die Leute entscheiden mehr spontan, worauf sie Lust haben, statt den Menuplan im Voraus zu planen.

«Mit dem demografischen Wandel sowie den Trends zu Convenience und Regionalität sind die kleinflächigeren Formate begünstigt», sagt Ernst Dieter Beringhaus, Handelsschef bei der Migros. Die Hinwendung zu kleineren Läden findet bereits statt: Die Miros hat 2007 das Franchise-Konzept Voi ins Leben gerufen, um Quartier- und Dorfläden zu retten. Hier betreibt der Geschäftsführer den Laden im Auftrag des Orangen Riesen, jedoch auf eigene Rechnung. In Deutschland testet der zweitgrösste Detailhändler Rewe ein to-go-Konzept mit kleinflächigen Läden an gut frequentierten Lagen.

Auch Discounter haben es schwer

Für GDI-Analyst Detlef Gürtler bieten sich in den Klein- und Kleinstformaten aber weniger Chancen für Migros und Coop: Für sie seien die Flächen zu klein und zu wenig rentabel. «Es bieten sich Möglichkeiten für Genossenschaften und Kleinunternehmer, welche die lokale Bevölkerung gut kennen.», sagt Gürtler.

Schwer haben dürften es im Jahr 2025 auch die Discounter. «Die Bedeutung des Preises wird kleiner. Beim stationären Einkaufen wird es in Zukunft mehr um Emotionalität und Gesundheit gehen», sagt Zukunftsforscher Bosshard.

Doch was wird aus den Grossmärkten mit ihren tausenden Quadratmetern Flächen sowie den XXL-Einkaufswagen? Die einzige Chance sehen die Experten in der sogenannten Eventisierung, sprich Modeschauen, Autogrammstunden oder Skater-Paradies. Dass Einkaufen allein nicht mehr reicht, haben die Shoppincenter wie Westside oder Sihlcity längst gemerkt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ernesto am 16.04.2013 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Das Bild spricht für sich!

    "Selbstständige" Geschäftsführer: 12 Stunden Arbeit an 6 Tagen in der Woche. Die Waren (Eistee, Ovomaltine etc. wie auf dem Bild) müssen bei den zur Migros- oder Coop Gruppe gehörenden Grossverteilern zu überhöhten Preisen bezogen werden. Die Verkaufspreise sind vorgeschrieben. Dafür gibt es dann Kummulus-Punkte für den Kunden. Kein Wunder, dass "Tante Emma" mit 70 noch arbeiten muss.

    einklappen einklappen
  • Georgina am 17.04.2013 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Emma

    Ich gehe lieber in den Tante-Emma Laden einkaufen. Bei Aldi und Lidl ist mir das Personal zu unfreundlich. Das unterstüzte ich nicht.

  • Eigentümer am 17.04.2013 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Illusion!

    Befragt mal die Betreiber von Quartier- und Dorfläden. Die werden euch schon erzählen wie die Zukunft aussieht. Diese Läden können keinen Besitzer ernähren. Weder heute und schon gar nicht in der Zukunft. Ich bewundere jeden Tante Emma Laden der versucht gegen die Allmacht der Grosskonzerne zu bestehen. Am Ende des Tages zählt aber der Preis und da können die Miniläden nicht mithalten. So sinnvoll die Dorfläden auch sind, der Besitzer muss davon leben und dass kann er nicht!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bühler , von Littau, 17.04.13 am 18.04.2013 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ema Lädeli

    viel zu Teuer wenig im Angebot, selber Schuld. Deshalb Rentieren die Lädeli nicht. Bei uns geht in den nächseten Wochen auch ein Fam , Lädeli zu in Littau,,, schade aber die Migros , oder Coop, haben was ich Brauche und Billiger. Noch eine Fam Metzg gibt es.

  • Pius K. am 18.04.2013 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Tante Emma-Läden waren toll

    genau bei dem Muttchen auf dem Bild, da würd ich einkaufen gehen :)

  • Georgina am 17.04.2013 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Emma

    Ich gehe lieber in den Tante-Emma Laden einkaufen. Bei Aldi und Lidl ist mir das Personal zu unfreundlich. Das unterstüzte ich nicht.

  • Eigentümer am 17.04.2013 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Illusion!

    Befragt mal die Betreiber von Quartier- und Dorfläden. Die werden euch schon erzählen wie die Zukunft aussieht. Diese Läden können keinen Besitzer ernähren. Weder heute und schon gar nicht in der Zukunft. Ich bewundere jeden Tante Emma Laden der versucht gegen die Allmacht der Grosskonzerne zu bestehen. Am Ende des Tages zählt aber der Preis und da können die Miniläden nicht mithalten. So sinnvoll die Dorfläden auch sind, der Besitzer muss davon leben und dass kann er nicht!

    • Maurice am 18.04.2013 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Richtig , längere Öffnungszeiten, Ferien , etc. Alles selber finanzieren ohne Arbeitlosengeld bei Konkurs, die Laedeli sollte man subventionieren!

    • Greg am 18.04.2013 22:49 Report Diesen Beitrag melden

      Freiwillige

      Das stimmt, die können kaum oder nicht überleben, aber je länger desto mehr arbeiten dort auch Freiwillige aus Idealismus. So funktionierts ...

    einklappen einklappen
  • Branko Simokovic am 17.04.2013 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Oldscool Rules :)

    Ehrlich gesagt vermisse ich den Tante Emma Laden seit Jahren. Bei denen gab es wenigstens noch Einkaufskörbe und smal Talks, Kaffikränzli usw. Es wahr eine angenehme Atmosphäre was man von Lidl und Aldi nicht behaupten kann.