Inserate sind out

17. Dezember 2017 18:04; Akt: 27.12.2017 15:36 Print

Die meisten Jobs gibts nur noch mit Vitamin B

Networking ist bei der Stellensuche das A und O. Sogar die öffentliche Verwaltung vergibt rund jeden zweiten Job unter der Hand.

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Einen Job suchen bedeutet meist: Inserate durchforsten und Bewerbungen schreiben bis zum Abwinken. Oft erhält man nicht mal eine schriftliche Absage. Das Such-Prozedere kann sich über Monate hinziehen.

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Kein Wunder: Wie die «NZZ am Sonntag» (kostenpflichtiger Artikel) schreibt, funktioniert der klassische Weg der Bewerbung über ein Inserat immer weniger. Laut einer neuen Untersuchung des Zürcher Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA) werden 70 Prozent der Stellen nicht offiziell ausgeschrieben und über den sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt besetzt. Dabei spielen Beziehungen die Hauptrolle.

«Höhere Chancen bei der Rekrutierung»

Laut Edgar Spieler, Leiter Arbeitmarkt beim AWA, verdeutlicht die Untersuchung, wie wichtig das persönliche Netzwerk für die Arbeitssuche ist. «Wer sich auf dem verdeckten Arbeitsmarkt gut positioniert, hat oft deutlich höhere Chancen beim Rekrutieren», sagt er zur «NZZ am Sonntag».

Auch die öffentliche Verwaltung sucht ihre Mitarbeiter immer weniger über Inserate: Laut Studie wird mehr als jede zweite Stelle ohne öffentlichen Bewerbungsprozess vergeben.

Welche Branchen am häufigsten Jobs unter der Hand vergeben, sehen Sie in der Bildstrecke oben.

«Informationen in Arbeitszeugnissen häufig unbrauchbar»

Aber warum besetzen die Unternehmen lediglich 30 Prozent der vakanten Stellen über die Suche per Inserat? Laut Pascal Scheiwiller, Geschäftsführer der Outplacement-Firma von Rundestedt, verläuft die Rekrutierung über eine persönliche Referenz schneller. Die Personalverantwortlichen müssten sich nicht durch Berge von Dossiers kämpfen. Ausserdem seien persönliche Empfehlungen verlässlicher: «Dagegen sind die Informationen in den Arbeitszeugnissen aufgrund gesetzlicher Regeln häufig unzuverlässig und unbrauchbar», sagt Schweiwiller zur «NZZ am Sonntag».

Er empfiehlt daher, frühzeitig und laufend am eigenen Netzwerk zu arbeiten (siehe Box rechts). Wichtig sei die Kontaktpflege mit früheren Kollegen und Vorgesetzten. Zudem verweist er auf die sozialen Netzwerke: «Ebenso wichtig ist heute die Präsenz auf den sozialen Netzwerken wie Linkedin, um sich mit seinem beruflichen Profil gezielt zu positionieren.» Bei den Headhuntern ersetze Linkedin zunehmend die Kontaktdatenbank.

Firmen schauen in sozialen Netzwerken nach

Auch Edgar Spieler beim AWA sieht den Grund für die zunehmende Bedeutung dieses verdeckten Arbeitsmarkts bei den sozialen Netzwerken. «Die Firmen gehen vermehrt direkt auf potenzielle Bewerber zu, indem sie berufliche Netzwerke wie Linkedin einsetzen», sagt er.

Mehr Gewicht sollen öffentliche Inserate wieder ab Juli 2018 haben: Dann gilt in Branchen mit einer Arbeitslosigkeit von über acht Prozent eine Stellenmeldepflicht. Sie ist eine Folge der Masseneinwanderungsinitiative. Die Unternehmen werden beauftragt, eine vakante Stelle zunächst bei den Regionalen Arbeitsvermittlungen (RAV) zu erfassen. Arbeitslose erhalten dann einen zeitlichen Vorsprung von fünf Tagen. Danach dürfen die Firmen für die Rekrutierung wieder auf alle anderen Kanäle zurückgreifen.

(dob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pierre am 17.12.2017 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Networking

    hat den fahlen Beigeschmack von säühäfeli säüdeckeli und Cüpli VIP. Nicht die Besten kommen zum Zug sondern die best vernetzten.

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  • Mario am 17.12.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RAV

    Erklärt das mal dem RAV denn die denken das man nix macht und nur faul rumsitzt. Zum Glück hab ich Arbeit aber im bekannten Kreis hört man es oft das man 20 Bewerbungen schreibt aber ewig nichts hört.

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  • LUZ93 am 17.12.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vitamin B

    Die Welt ist unfair... das wissen wir schon lange...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • My Walter am 18.01.2018 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Entlassung

    Wurde als 59 Jährige nach 8 jähriger Anstellung bei LOEB AG aus betriebstwirtschaftlichen Gründen, ohne Sozialplan, entlassen...

  • NarkoPower? am 14.01.2018 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    RUKOFF

    Wenn es nur noch Jobs über Vettern, "verdeckte Netzwerke" und Co. gibt, müssen diese Spinner halt auch ALLE JENE finanzieren, die dort nicht mitmachen. Im schlimmsten, historischen Doppelfall, könnten sie sonst letztlich selbst die Dummen sein. Also: Wenn Sie in dieser Gesellschaft leben wollen, die nicht kompatibel ist mit den "Untermenschen", müssen SIE DIESE FINANZIEREN (PUNKT!!!) - alles andere würde nur wieder unschöne Seiten in den Geschichtsbüchern hinterlassen

  • Der Denker am 21.12.2017 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Wirtschaft lernt nie dazu

    Sollen doch die meisten arbeitslos werden, dann verschwinden solche unlauteren Methoden von alleine. Dann kann sich eben kaum mehr einer die ach so tollen Produkte und Dienstleistungen mehr kaufen. Die Wirtschaft schadet sich mal wieder selber.

  • Roche am 19.12.2017 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Tablets needed

    Will ich mir den Tag versauen, muss ich nur in's Internet schauen.

  • Bloom am 18.12.2017 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetzesgrundlagen massiv lückenhaft

    Arbeitszeugnisse sind in über 90% der Fälle qualitativ unbrauchbar. Der 1. Trugschluss, dem Zeugnisempfänger wird eine Lüge aufgeschwatzt wir stellen nur uncodierte Zeugnisse aus. 2. Trugschluss erklärt sich selbst Zeugnisse müssen der Wahrheit entsprechen & Wohlwollend sein - die in der Regel vom immun angehauchten Management über die Führsorgepflicht & unterjochten HR-Profis, entziffern jede Ungereimtheit, also trotz der Unschuldsvermutung, was mit dem Arbeitnehmer nicht stimmt & mann verstehe, der ehemalige Arbeitgeber ist immer sauber. 3. Trugschluss du hast Rechte aber selten Recht.