Verkauf von Notenstein

24. Mai 2018 08:45; Akt: 24.05.2018 17:08 Print

Darum zerschlägt Raiffeisen Vincenz' Erbe

von Dominic Benz - Mit dem Verkauf der Privatbank Notenstein stösst die Raiffeisen das Erbe von Ex-Chef Vincenz ab. Was steckt dahinter? Die wichtigsten Antworten.

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Raiffeisen CEO Patrik Gisel verkauft die Privatbank Notenstein La Roche an die Bank Vontobel. Es habe mehrere Bieter gegeben, wie im Rahmen der Medienkonferenz bekannt wurde. Laut der Raiffeisen-Führung ist klar geworden, dass Notenstein La Roche in einem klassischen Private-Banking-Umfeld die grösseren Chancen hat als bei der Genossenschaftsbank. Im Bild: Raiffeisen-Präsident Pascal Gantenbein (links) und CEO Patrik Gisel. Käufer von Notenstein ist die Bank Vontobel um CEO Zeno Staub. Sein Institut bezahlt rund 700 Millionen Franken. Auch nach dem Zukauf setzt die Privatbank Vontobel auf eine Einmarken-Strategie. Will heissen: Der Brand Notenstein verschwindet. Raiffeisen habe mit Notenstein stets Gewinne gemacht, wenn auch gemessen an der Grösse des Unternehmens meist zu bescheidene, so Gisel im Rahmen der Medienkonferenz. Einen üppigen Gewinn habe es nur 2017 gegeben. Notenstein La Roche verwaltet aktuell Kundenvermögen in der Höhe von 16,5 Milliarden Franken. Im Bild: Der Hauptsitz in St. Gallen. Die Bank Notenstein entstand 2012 aus der wegen des US-Steuersterits in Schieflage geratenen Privatbank Wegelin von Konrad Hummler. Raiffeisen hatte Anfang 2012 unter dem damaligen CEO Pierin Vincenz (rechts) den Deal mit Wegelin auf den Weg gebracht. Als Chef von Notenstein setzte Vicenz Adrian Künzi ein (links). Pierin Vincenz sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Ihm wird ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen. Auslöser war eine Strafanzeige der Kreditkartengesellschaft Aduno. 2015 hat Notenstein die Basler Privatbank La Roche erworben und in Notenstein integriert. Notenstein La Roche verfügt derzeit über 13 Standorte in der Schweiz. Im letzten Jahr musste Notenstein-Chef Adrian Künzi die Abgänge einer Reihe wichtiger Kundenberater verschmerzen. Damit reduzierten sich auch die verwalteten Vermögen.

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Die Raiffeisenbank verkauft nach nur sechs Jahren ihre Privatbanken-Tochter Notenstein La Roche für 700 Millionen Franken an Vontobel. Mit dem Deal verkauft die Raiffeisen das Erbe des seit März inhaftierten Ex-Chefs Pierin Vincenz. Will sich die Genossenschaftsbank von Altlasten befreien? Worum geht es beim Verkauf? Die wichtigsten Antworten:

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Warum verkauft Raiffeisen die Privatbank Notenstein?
Die Raiffeisen möchte sich auf Privatkunden «mit kleinen und mittelgrossen Vermögen» konzentrieren, wie die Bank am Donnerstag mitteilte. Man könne das Anlagegeschäft nun aus eigener Kraft betreiben. Mit dem Verkauf will Raiffeisen die Anlagestrategie neu definieren. So soll in den nächsten fünf Jahren in das Geschäft mit Anlagekunden investiert werden. «Mit dem Verkauf erhalten wir viel Kapital, das wir als systemrelevante Bank sehr gut gebrauchen können», sagte Raiffeisen-Chef Patrik Gisel an der Medienkonferenz. Raiffeisen werde im Anlagegeschäft weiter Fortschritte machen.

Was sagen die Analysten?
«Der Verkauf ist vernünftig», sagt ZKB-Analyst Michael Kunz auf Anfrage. Raiffeisen wollte die Notenstein zu einer grossen Privatbank machen, die in der Schweiz führend mitmischt. «Das hat man nicht geschafft», erklärt Kunz. Die genossenschaftliche Raiffeisen sei nicht das Umfeld für Privatbanking. Dieses sei bei Vontobel mit einer Privatbanking-DNA besser aufgehoben.

Wie stand es um Notenstein?
Das Geschäft harzte. Die verwalteten Vermögen kamen nicht vom Fleck. «Ambitionen, die wir im Private Banking hatten, konnten nicht eingelöst werden», sagt Gisel. Raiffeisen sei nicht der richtige Partner gewesen. Zudem hat die Übernahme der Bank Wegelin – woraus Notenstein entstanden ist – viel mehr gekostet als nur den Kaufpreis.

Was lief schief bei Notenstein?
Raiffeisen investierte laut Berichten einen dreistelligen Millionenbetrag in Bankensoftware für Notenstein. 2016 verabschiedete die Bank schliesslich einen drastischen Sparplan: Die Kosten sollten um ein Fünftel sinken, bis 2019 sollten 100 Stellen gestrichen werden – also jede fünfte. Dass einiges bei der Bank nicht stimmte, zeigte auch die hohe Fluktuationsrate: In den vergangen Monaten kam es zu einem regelrechten Exodus von 12 wichtigen Kundenberatern – in einem Team von rund zwei Dutzend Personen. Die Marke Notenstein wird mit der Integration bei Vontobel verschwinden. «Es gibt eine Einmarken-Strategie», sagt Vontobel-CEO Zeno Staub.

Hat Raiffeisen mit Notenstein Geld verloren?
Laut Gisel hat Raiffeisen letztlich ein Plus gemacht. Die Rechnung mit der Differenz von Kauf- und Verkaufspreis könne man aber so nicht machen, so der Raiffeisen-Chef. Man habe viel investiert. Der Verkauf werfe aber unter dem Strich einen Gewinn ab. «Hinzu kommt, dass wir mit Notenstein nie Verluste, sondern jedes Jahr Gewinne machten. Aber diese waren für so eine Bank zu klein», sagt Gisel.

Was hat der Verkauf mit Pierin Vincenz zu tun?
Unter dem damaligen Chef Pierin Vincenz kaufte die Raiffeisen 2012 die wegen des US-Steuerstreits in Schieflage geratene Privatbank Wegelin für 577 Millionen. Diese wurde daraufhin in Notenstein umbenannt. 2015 erwarb die Raiffeisen zusätzlich die Basler Privatbank La Roche, die in Notenstein integriert wurde. Den Kauf der Wegelin bezeichnet der Wirtschaftsblog «Inside Paradeplatz» als «Mutter aller Vincenz-Deals».

Demontiert Gisel das Erbe von Pierin Vicenz?
Zwar belastet der Fall Vincenz die Raiffeisen nach wie vor. Dass man sich nun von Notenstein trennt, soll offenbar nichts mit Vincenz zu tun haben. «Pierin Vincenz hat bei dieser Transaktion überhaupt keine Rolle gespielt – auch nicht mental», sagt Gisel. Er betont, dass es bei den Beteiligungen keine Unregelmässigkeiten gebe. «Rechtsrisiken sind für Vontobel auszuschliessen», so Gisel.

Hat sich der Notenstein-Verkauf abgezeichnet?
Nicht wirklich. Zwar hat Raiffeisen schon zuvor bestimmte Geschäftsbereiche an Vontobel abgestossen. Dass Vontobel Notenstein ganz übernimmt, kommt überrasschend. Raiffeisen-Chef Patrik Gisel hat stets betont, Notenstein stehe nicht zum Verkauf. Warum nun der Meinungswechsel? «Wir haben den Strategiewechsel diskutiert, da wir Kundengelder verloren haben», sagt Gisel. Das habe zu Verkaufsüberlegungen geführt. Man sei dann erstaunt gewesen, welch hohe Preise sich auf dem Markt für Notenstein ergeben hätten, so Gisel. «Das alles hat dazu geführt, dass wir uns für einen Verkauf entschieden haben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • heinz fritschi am 24.05.2018 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ballast abstossen

    Raiffeisen ist eine "normale" Bank, das soll sie wieder werden. Finanz-Gangster-Geschäfte passen nicht dazu

    einklappen einklappen
  • Rob am 24.05.2018 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raiff

    Pierrins Imperium verfällt Hochmut kommt vor dem Fall Raiffeisen soll wieder überschaubar sein

    einklappen einklappen
  • Alexander65 am 24.05.2018 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wetten, dass...

    Ach ja, und wessen Anlagefonds verkauft Raiffeisen???

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • M M am 25.05.2018 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Raiffeisen

    Längers je mehr wird Raiffeisen. Ich war früher Raiffeisen ich merkte in den letzten Jahren immer mehr das es nicht mehr stimmt. Früher war es eine einfache Dorf Bank und jetzt ist sie in der ganzen Region als eine Bank Mittgliederbeitrag Anteilschein war mit 200.- gut nach der letzten grossen zusammen Führung 3 er Banken ging der Anteilschein auf 500.- hoch und Mann dürfte nur noch 1er besitzen. Ich bin nicht mehr einverstanden mit der Bank. Ich bin nicht mehr dabei und werde es bleiben

  • Desmodus am 25.05.2018 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inhaerents Risk's (Risiko von innen)

    Heute erhielt ich Post mit einem gelben Kleber mit Hinweisen zur Verhinderung von Betrug. Ein Hohn, wenn ich den Fall vom einstigen Raiffeisenkasse Chef lese. Offenbar kann man sich gegegen aussen schützen, aber gegen innen nicht. Es ist wie mit der Politik. Wir werden von innen, belogen.

  • Franz Blasius am 24.05.2018 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    RB, noch zu retten

    Raiffeisen hat sich einen Platz in der Geschichte des Banking auf nationaler Ebene gesichert, nämlich absolutes Versagen des Managements und des Verwaltungrates. Jeder Viertklässler hätte das besser gemacht. Und das Pünktchen auf's i , Gisel ist immer noch dabei. Schade für eine einst tolle Schweizer Bank mit sehr gutem Entwicklungspotential.

  • rakete am 24.05.2018 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Kurven fahren kann jeder

    Gestern noch hat Raiffeisen alles gehypt, heute schon alles verteufelt. Erinnert mich an Swissair, und die Frage muss sein, wofür verdienen diese Leute eigentlich ihr Geld?

  • Smiile Baby am 24.05.2018 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Nanu Nana - man lernt doch nie aus

    Die erste Adresse, wenn's um Krumme Geschäfte geht!