Übernahmen

11. April 2016 16:36; Akt: 11.04.2016 18:11 Print

Diese Schweizer Firmen sind in chinesischer Hand

von D. Vollenweider - Chinesische Investoren kaufen vermehrt Schweizer Firmen. Jüngstes Beispiel ist die Cateringfirma Gategroup. Weshalb die Schweiz für Chinesen so attraktiv ist.

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Die chinesische Unternehmensgruppe HNA Group will den angeschlagenen Schweizer Flugverpfleger Gategroup für 1,4 Milliarden Franken übernehmen. Es ist nicht die erste Schweizer Firma, die in chinesische Hände gegeben wird. Auch der Trinkflaschenhersteller Sigg wurde dieses Jahr für 16 Millionen Franken von Chinesen aufgekauft. Syngenta soll für 43 Milliarden Dollar an den chinesischen Konzern ChemChina übergehen. Der Deal ist jedoch noch nicht unter Dach und Fach. Der Maschinenbauer Netstal gehört seit 2016 ebenfalls ChemChina. Der Verkaufspreis ist nicht bekannt. Auch der Rohstoffhändler Mercuria gehört zum Teil ChemChina. Der Flughafen-Dienstleister Swissport gehört seit 2015 - genauso wie Gategroupe jetzt - HNA. Die chinesische Unternehmensgruppe blätterte damals 2,73 Milliarden Franken hin. Winterthur Gas & Diesel, die einstige Dieselmotorsparte von Sulzer, gehört seit 2015 zu 70 Prozent dem chinesischen Unternehmen CSSC. Die Firma bezahlte damals 46 Millionen Euro. Der Batteriehersteller Leclanché gehört zum Teil dem chinesischen Konzern Golden Partner International. Die Transaktion fand 2015 statt, der Verkaufspreis ist nicht bekannt. Der chinesische Investor Yunfeng Gao kaufte letztes Jahr das Hotel Palace in Luzern. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der ehemalige Schweizer Uhrenkonzern Corum gehört seit 2013 der chinesischen Firma Citychamp. Das Unternehmen bot einen Kaufpreis von 86 Millionen Franken. Der Metallverarbeiter Swissmetal gehört seit 2013 Boashida. Auch Saurer, Hersteller von Textilmaschinen, gehört seit 2012 Jingsheng. Das chinesische Unternehmen bezahlte damals 650 Millionen Franken für die Textilsparte von OC Oerlikon.

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Es ist bereits die fünfte Schweizer Firma, die sich die Chinesen im Jahr 2016 einverleibt haben: Gategroup, ein Filet-Stück aus dem untergegangenen Swissair-Imperium. Für 1,4 Milliarden Franken soll das Catering-Unternehmen nun an die chinesische Unternehmensgruppe HNA verkauft werden. Der Verwaltungsrat hat bereits grünes Licht gegeben, der Transaktionsvertrag ist unterschrieben.

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Gategroup ist nicht das erste Schweizer Unternehmen, das das Interesse von HNA geweckt hat. Im vergangenen Sommer hatten die Chinesen den ebenfalls aus der zusammengebrochenen Swissair hervorgegangenen Bodenabfertiger Swissport gekauft. Der Kaufpreis belief sich damals auf rund 2,7 Milliarden Franken.

China will Know-how importieren

Ebenfalls in chinesischen Händen sind seit diesem Jahr der Trinkflaschenhersteller Sigg, der Agrochemie-Konzern Syngenta, der Maschinenbauer Nestal sowie der Rohstoffhändler Mercura. Welche weiteren Firmen in den vergangenen Jahren von Chinesen aufgekauft wurden, sehen Sie in der Bildstrecke.

Weshalb ist die Schweiz für chinesische Unternehmen und Investoren so attraktiv? «China will sich diversifizieren und in der Wertschöpfungskette einen Sprung nach oben schaffen», sagt Schwellenland-Expertin Christa Janjic, Senior Economist bei Wellershoff und Partner. Denn das Land hat ein Problem: Es ist nicht mehr interessant für die Kleider- und Textilindustrie, da die Löhne im Land inzwischen zu hoch sind. China braucht neue Wachstumsmöglichkeiten. «Die Schweizer Industrie ist diesbezüglich sehr attraktiv für chinesische Unternehmen», so Janjic. Dazu komme, dass China schon immer gern Know-how importiert habe.

Renditemöglichkeiten sinken

Ein weiterer Grund für die sich häufenden Übernahmen sei das rückläufige Wirtschaftswachstum Chinas. Derzeit beträgt es noch rund 6,5 Prozent, in zehn Jahren wird es gemäss Schätzung von Wellershof und Partner auf 4 Prozent zurückgehen. «Und das heisst eben auch: Die Renditemöglichkeiten im eigenen Land sinken», so Janjic.

Die Schwellenland-Expertin glaubt, der Trend werde sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Es dürften also noch einige Schweizer Firmen von chinesischen Unternehmen aufgekauft werden. Dieser Meinung ist auch China-Experte Stephan Oehen, Managing Direktor von Investinswitzerland. Er berät chinesische Firmen auf ihrem Weg in die Schweiz. «Wir gehen davon aus, dass das erst der Anfang ist. Die Strategie der chinesischen Regierung ist es, Innovationsfähigkeit und neue Märkte mit Ausland-Akquisitionen zu stärken.» Und Schweizer Unternehmen, so Oehen, seien dafür verantwortlich, dass die Schweiz weltweit verschiedenste Innovationsratings anführt. Dies habe man in China längst erkannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 11.04.2016 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH wird deindustralisiert und?

    Es findet eine Abwanderung der CH Firmen statt. Darauf folgt in naher Zukunft ein Verlust von Arbeitsplätzen. Unsere Produkte werden bald in China oder irgendwo sonst produziert. Damit wird die CH ausgehölt und deindustrialisiert. Das scheint offenbar niemanden unserer Regierungen zu interessieren. Viele verdienen dabei eine dicke Scheibe mit. Sie werden sich im geklauten Reichtum suhlen können. Während dem geht alles den Bach runter.

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  • Geissenpeter am 11.04.2016 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz wird von allen Seiten gepackt

    von einer Seite zerstören die Amis unseren Finanzplatz und übernehmen das Geld. Von der zweiten Seite spaltet uns die EU bezüglich Demokratie und Integration. Und von der Dritten kaufen uns die Chinesen auf. Ich gebe der Schweiz noch max. 10 Jahre dann gibt es hier weder Direkte Demokratie, noch Schweizer noch einen Finanzplatz noch Schweizer Firmen.

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  • De Chinees am 11.04.2016 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    JSA-Freihandelsabkommen

    Jetzt wird klar, wohin die Reise geht. Die Schweiz verkommt zum Selbstbedienungsladen der Chinesen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rodjo am 11.04.2016 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beängstigend

    Ich hoffe einfach sie halten sich ans schweizer arbeitsrecht!!! aber wahrscheinlicher werden die meisten firmen eh ins ausland ausgelagert. schade, schade.....

  • Elvis.in.Action am 11.04.2016 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    China Weltmacht

    Sehr schade wie sich die Welt und vorallem die Schweiz von den Chinesen abkaufen lässt. Glauben Sie mir, bald kommt die Zeit in der man Chinesisch und nicht Englisch lernen muss weil die Chinesen die Weltmacht übernehmen. Und unsere Löhne werden um vieles kleiner sein als jetzt.

    • Realist am 11.04.2016 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Elvis.in.Action

      Eines ist klar: in einigen Jahren ist China die Weltmacht Nummer eins. Amerika hat das Nachsehen, ob sie dies auch einsehen werden ist fraglich.

    • Ikiarbeitiaufbaustell am 11.04.2016 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Elvis.in.Action

      Na dann gute Nacht. Die Weltmacht mit einer Geburtenrate von 0.75....

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  • allright am 11.04.2016 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit zum handeln

    Vielleicht wird es Zeit für Gesetze, wie in Thailand, wo Firmen nur den eigene Bürgern gehören dürfen. Scheint denen ja nicht geschadet zu haben, wenn ich die riesige Festplatten-Industrie sehe.

    • Luchs am 11.04.2016 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @allright

      Da fängt doch der Sozialismuss an, oder ??

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  • Sven Niklas am 11.04.2016 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    That's life

    Und wieviele Unternehmen hat die Schweiz gekauft? Wie viele Unternehmen wurde in die Schweiz durch "steuervorteile" gelockt? Es ist und bleibt ein Freier Wirtschaft .

  • Wilma Franco am 11.04.2016 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gier

    Geld regiert die Welt. Die Schweiz verkauft Stück um Stück ihrer Seele.