6 Charaktere

09. März 2018 11:37; Akt: 09.03.2018 14:41 Print

Diese Typen trifft man noch am Postschalter

von V. Blank - Ja, es gibt sie noch: Menschen, die ihre Postgeschäfte ganz retro am Schalter erledigen. So ticken sie.

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Das Schaltergeschäft der Post serbelt vor sich hin. Der Geschäftsbericht für 2017 zeigt die stetige Abwärtstendenz: Die Schweizer haben 7 Prozent weniger Briefe verschickt als im Vorjahr und 6,5 Prozent weniger Zahlungen an den Schaltern erledigt.

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Und welcher Typ sind Sie?

Und trotzdem setzen noch immer viele Kunden auf den traditionellen Schalter. Wie viele das pro Jahr sind, will die Post auf Anfrage von 20 Minuten nicht verraten. Wer sind diese Menschen – und warum nutzen sie nicht einfach E-Mail oder E-Banking? Eine Typologie:

1. Der Poststellen-Retter
Mit Besorgnis verfolgt er seit Jahren, wie die Post eine Filiale nach der anderen schliesst – und es stellt ihm die Haare auf, wenn er in der Zeitung liest, wie viele weitere Poststellen noch sterben werden. Absichtlich trägt er darum seine Briefe und Päckli gewissenhaft zur lokalen Post. So demonstriert er: Es gibt noch Kunden, die einen persönlich bedienten Schalter wollen.

2. Der Zalando-Junkie
Im Gegensatz zu Typ 1 ist sie gern digital unterwegs. Kleider oder Elektronik bestellt sie nur noch online – und das en masse. Umso mehr ärgert es sie, wenn ihr Zalando-Päckli zu gross für den Milchkasten ist – und sie dann zähneknirschend zur lokalen Post fahren muss, um die sechs Paar Schuhe in Empfang zu nehmen.

Lieben Sie den Besuch am Postschalter – oder hassen Sie ihn? Erzählen Sie uns, wie Sie zum Besuch bei der Post stehen: Horror oder ein Stück heile Welt?

3. Der «Verdammt noch mal, die haben nicht einmal alle Schalter geöffnet!»-Kunde
Auch er würde sich nicht freiwillig in einer Postfiliale blicken lassen. Aber der eingeschriebene Brief, den er morgens verpasst hat, verlangt nun mal seine persönliche Präsenz. Zum Glück ist das Schreiben bei einer grossen Poststelle mit vielen Schaltern deponiert – dann geht es sicher schnell. Fehlanzeige: Zum Entsetzen dieses Kunden sind nur zwei von fünf Schaltern geöffnet und sein Ärger entsprechend lautstark.

4. Die «Ich brauche soziale Kontakte»-Seniorin
Im Gegensatz dazu bringen ein paar geschlossene Schalter diese Kundin nicht aus der Ruhe. Im Gegenteil: Eine lange Schlange in der Poststelle ihres Vertrauens lässt ihr Herz höherschlagen. Wenn viele Leute gelangweilt in der Schlange stehen, erhöhen sich ihre Chancen auf ein Schwätzchen mit der Vorderfrau oder dem Kunden dahinter.

5. Die Ticket-Verschwenderin
An solchen Banalitäten hat die Post-Kundin dieses Typs keinerlei Interesse. Sie hat nur ein Ziel: möglichst schnell rein, möglichst schnell raus aus dem Schalterraum. Strategisch klug wählt sie darum die grosse Poststelle gerade neben ihrem Arbeitsplatz. Doch falsch geplant: Trotz Ticketsystem geht es einfach nicht vorwärts. Wenn dann endlich die Nummer aufleuchtet, hat sich diese Kundin längst unverrichteter Dinge vom Acker gemacht.

6. Der Nostalgiker
Ein Ticketsystem gibt es in der Lieblings-Poststelle des Nostalgikers nicht. Generell pflegt er ein gesundes Misstrauen gegenüber allem Elektronischen und Digitalen. E-Mail und E-Banking? Nein, danke. Lieber schreibt der Nostalgiker seine Briefe noch auf Papier und pilgert damit zur Post. Am Schalter zückt er dann noch sein gelbes Büchlein, um seine Einzahlungen quittieren zu lassen. Den Hinweis des Schalterbeamten, dass das elektronisch schneller ginge, ignoriert er geflissentlich und murmelt höchstens: «So ein modernes Zeug brauche ich nicht.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lemon_H4Z3 am 09.03.2018 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    RFID lässt grüssen

    ich bin 18 jahre alt und bezahle meine rechnungen am schalter weil ich nicht zu der zukunft gehören will die wir alle erschaffen

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  • Kurt werner am 09.03.2018 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Auch ich gehe zur Post, machen sogar noch meine Zahlungen dort, Frage mich was passiert wenn das nicht mehr geht, dann reklamieren alle und finden es eine Frechheit.

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  • Minnie am 09.03.2018 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Post

    Schön, dass wir so eine gute Post haben. Anstatt zu meckern vergleicht mal mit Nachbarländern und freut euch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Flo am 10.03.2018 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    Öffnungszeiten

    Die Post bei uns im Ort hat unter der Woche am morgen drei stunden offen, dann zwei stunden mittagspause und dann nochmals drei stunden offen. Wer normale arbeitszeiten hat, hat keine chance auf die post zu gehen um etwas abzuholen oder abzugeben, weil die öffnungszeiten so blöd liegen. Ich muss also gezwungenermassen alles online machen, was möglich ist. Die grossen Poststellen haben bessere öffnungszeiten, sind aber ein hotspot für institutionen, die ihre stände aufbauen und jeden aufdringlichst anquatschen. Wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, mach ich einen bogen drum. Selber schuld

  • Ratmal Werwol am 10.03.2018 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Sammlertyp

    ich sammle die Warte-Nümmerli und ziehe immer gleich 20-30 Stück für meine Sammlung. Und verschaffe den Schalterangestellten so eine kleine Verschnaufpause, bis wieder eine Kundennummer "belegt" ist.....

  • Gibbon am 10.03.2018 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    S gibt noch mehr

    Der Schüler wurde vergessen. Bewerbungen müssen per Post ab geschickt werden.

  • Mandrlo iz Splita am 10.03.2018 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wegen IT-EDV-Kenntnissen...

    weiss ich leider was machbar seitens der Gaunerseite ist. Daher kurz anstehen, die schöne Dame am Schalter angucken oder die attraktive wartende Lady "geniessen" und den Stempel - kann per Fax oder Foto via Mail bei Fehlverbuchung zugestellt werden - kassieren und gut ist. Was ein Mensch errichtet hat kann ein anderer Mensch bei genügend Aufwand auch knacken.

    • unwahrscheinlich am 10.03.2018 18:07 Report Diesen Beitrag melden

      Sprachs und

      stellte entsetzt fest, dass der Dieb mit den soeben abgehobenen 3000.- eben um die Ecke verschwunden war...

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  • Marco am 10.03.2018 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    von mir aus

    Die Post möchte alle Poststellen schliessen ok. Aber dann sollen sie aber auch die 1000fr Limite pro Tag aufheben. Kann nicht sein wenn ich um 22:00 3000fr brauche sie nicht abheben kann.

    • Merryl am 10.03.2018 16:16 Report Diesen Beitrag melden

      Kto. Stand massgebend

      Die Limite hat immer etwas mit dem Kontosaldo zu tun. Mehr Geld auf dem Kto. dann gibt es höhere Limitie

    • Spyy83 am 10.03.2018 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Marco

      naja, ich weiss zwar nicht, wieso man um 22uhr auf die schnelle 3000 stutz braucht, aber auch wenn es postellen gibt, haben die um 22 uhr geschlossen.

    • Lotti am 10.03.2018 17:03 Report Diesen Beitrag melden

      um diese Zeit?

      wer braucht nachts um 23.00 3000 fr. ? ?? Soviel Geld trage ich Nachts sicher nicht herum.

    • Heinz Maier am 10.03.2018 17:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Lotti

      eine rhetorische frage... natürlich gibt es menschen, welche in der nacht plötzlich 3000 benötigen. nur weil sie dies nicht brauchen, heisst es noch lange nicht, dass dies für die allgemeinheit gilt.

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