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30. März 2018 20:05; Akt: 30.03.2018 20:05 Print

Monikas Lehrlingslohn ist null Franken

von R. Knecht - Sie ist eine von 27 Menschen, die den Beruf Holzbildhauer lernen. Lohn gibts selten. Zudem sagt Monika: Die nächsten Jahre werde sie kaum vom Job leben können.

20 Minuten schaute der angehenden Holzbildhauerin über die Schulter. (Video: rkn)
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Monika (19) besucht die Schule für Holzbildhauerei in Brienz, beinahe der einzige Ort in der Schweiz, wo man diesen Beruf erlernen kann. Ausser den 25 Lernenden an der Schule gibt es derzeit nur 2 Lehrlinge, die die Ausbildung in einem Lehrbetrieb machen, wie Schulleiter Markus Flück sagt.

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Monika befindet sich im letzten Lehrjahr und hat im Laufe ihrer Ausbildung gelernt, mit Hunderten von verschiedenen Schnitzmeisseln und anderen Werkzeugen ihre Kunstwerke umzusetzen. Das «wunderschöne Material» Holz als Grundlage für ihre Arbeit schätze sie besonders. Wie es bei Monika in der Werkstatt aussieht, sehen Sie im Video.

Bei der Berufswahl war sich Monika lange unschlüssig. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich Holzbildhauerin werde», sagt sie. Doch ihre Eltern hätten immer gesagt, sie solle ein Handwerk lernen, weil sie das gut könne. Also habe sie die Schule in Brienz einmal besucht und gemerkt, dass die Holzbildhauerei das Richtige für sie sei.

Kein Lehrlingslohn

Speziell an der Lehre ist, dass die 25 Lernenden überhaupt nicht in Lehrbetrieben arbeiten, sondern von Montag bis Freitag in der Schule sind und somit auch praktische Bestandteile der Ausbildung an diesem Ort lernen. Einen Lehrlingslohn erhalten die Auszubildenden nicht.

Einen finanziellen Zustupf bekommen sie dafür, wenn sie Auftragsarbeiten erledigen. Dabei handelt es sich oft um Fertigungen nach Wunsch oder Restaurationsarbeiten. Die Lernenden erhalten solche Aufträge entweder über die Schule oder sie suchen sie sich bereits selbst. Auch Monika hat schon öfter solche Arbeiten gemacht.

Sie erhält zudem Unterstützung vom Kanton Bern, da sie sich in der Erstausbildung befindet. «Ich bekomme so viel, dass ich meine Miete, Materialrechnungen, Verpflegung, Reisekosten und Ähnliches bezahlen kann», sagt Monika. Sie sei froh um diese Unterstützung: «Wenn das Schulgeld nicht bezahlt würde, könnte ich die Ausbildung wahrscheinlich nicht machen.»

Viele Eigenkreationen

Für die junge Künstlerin ist Kreativität der wichtigste Aspekt ihres Jobs. «Ich bin froh, dass ich so einen speziellen Beruf ausüben darf», so Monika. Sie schnitzt nicht nur an Schulprojekten oder Auftragsarbeiten, sondern verwirklicht auch viele Eigenkreationen, wenn sie die nötige Inspiration findet.

Machst auch du eine Lehre, die nicht viele andere in der Schweiz machen? Erzähl uns davon! Wir besuchen dich vor Ort, begleiten dich einen Tag lang bei der Arbeit und machen ein Video über deinen speziellen Job.

Monikas grosses Ziel wird es nach der im Sommer endenden Lehre sein, sich selbstständig zu machen. Dabei macht sie sich aber keine Illusionen: «In den nächsten fünf bis zehn Jahren werde ich wahrscheinlich nicht von der Holzbildhauerei leben können.» Darum werde sie vorerst versuchen, in einer Schreinerei zu arbeiten, um ihr Geld zu verdienen.

Auch ein 20-Minuten-Redaktor durfte sich beim Besuch in Brienz an einer Holzgravur versuchen. Wie gut ihm dies gelang, sehen Sie im Video.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maria85 am 30.03.2018 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Finde ich toll, dass es immer wieder junge Leute gibt, die diesen und andere seltene Berufe erlernen.

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  • max62 am 30.03.2018 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt.

    Aber keine Angst, wenn es dann ums Steuerzahlen geht ist der Staat dann schon da.

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  • Paul am 30.03.2018 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    OjeMine

    Der Beruf soll Spass machen. Aber die Existenzsicherung ist ein Hauptaspekt. Wurde ihr auch erzählt, dass die anderen Arbeiter 0815-Jobs haben, und 8h nur am Fliessband sitzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Scrat am 31.03.2018 23:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wie heisst es immer?

    Lebe Deinen Traum... Chapeau und ganz viel Erfolg dieser jungen Frau. Ich wünsche Ihr, dass sie dereinst mit ihren unbestrittenen Talenten glücklich sein wird und eine Basis für den Lebensunterhalt halt. Wirklich mutig, sich auf eine solch ungewisse Zukunft zu fokussieren!

  • Sandra am 31.03.2018 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Geigenbauer

    Schade dass die Geigenbauschule die am selben Standort ist nicht vom Staat finanziert wird. Jene Lernenden haben auch keinen Lehrlingslohn und sitzen auch noch auf den Schulkosten. Dabei ist das Geigenbau Handwerk noch deutlich gefragter und wäre eher eine förderung wert.

    • Spiritualist am 31.03.2018 21:20 Report Diesen Beitrag melden

      Geige oder Bilderrahmen?

      Ihr habt beide mein Mitgefühl. Auch andere Künstler haben noch NIE den Lohn bekommen den sie verdienen. Und als als kleiner Rat. WER wichtiger ist, ob Bildhauer oder Geigenbauer, ist NICHT wichtig! Wir Künstler und Kunsthandwerker sind nicht an der Olympiade.

    • Anthroposophische Eurythmie am 31.03.2018 21:49 Report Diesen Beitrag melden

      Finkel Bogenwerkstätte

      Geigenbogen wollen auch erwähnt werden.

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  • Pete am 31.03.2018 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    Schön und schlimm zugleich

    Wir zahlen halt lieber den Asylsuchenden, Kriminellen, und Sozialhilfebetrüger, etc. viel Geld als wertvolle Berufsgruppen mit Unterstützungsgeldern zu erhalten...

  • vivian am 31.03.2018 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    haben die Eltern sie animiert einen Handwerklichen Beruf zu erlernen. Meistens wollen sie dass die Kids Studieren. Sie ist Phantastisch, ich hoffe sie kann davon Leben.

    • Ueli am 31.03.2018 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @vivian , naja

      Das ist eher ein künstlerischer Beruf.

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  • Rolf Müller am 31.03.2018 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Maskenbildner

    Meine Tochter hat Coiffeuse und danach Maskenbildnerin gelernt. Leider in der CH kein anerkannter Beruf. Aber was wäre ein Film ohne Maskenbildner? Hauptsache es macht ihr Freude und sie ist glücklich dabei.