Kostendruck

23. November 2016 10:54; Akt: 23.11.2016 16:49 Print

Digitalisierung bedroht 100'000 KV-Jobs

von S. Spaeth - Ein Teil der Büroarbeiten wird in Zukunft von Robotern oder günstigen Angestellten im Ausland erledigt. Jede sechste kaufmännische Stelle ist gefährdet.

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Ein Roboter, der beispielsweise das Ablegen von Akten übernimmt, oder ein Algorithmus, der die Bewerbungsdossiers selektioniert: Diese Form der Digitalisierung ist in der Schweiz erst ansatzweise zu sehen, wird die kaufmännischen Berufe aber stark umkrempeln. Hinzu kommt, dass eine Reihe von KV-Jobs noch stärker ins Ausland verlagert werden wird (Offshoring). Die Folge: In der Schweiz sind in den nächsten fünf bis zehn Jahren 30'000 bis 100'000 KV-Jobs gefährdet, so das Fazit aus zwei Studien, die der Kaufmännische Verband in Auftrag gegeben hat.

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«Die Zahl der betroffenen Arbeitsstellen genau vorherzusagen, ist schwierig, da die Digitalisierung das Offshoring verstärkt oder gar ersetzt», so Christian Zünd, CEO beim Kaufmännischen Verband. Von der Verlagerung besonders betroffen sind laut den am Mittwoch präsentierten Studien unter anderem die Bereiche Rechnungswesen, Informatik, Kundenbetreuung und Personalmanagement.

130'000 KV-Leute sollten sich weiterbilden

Dass der Mensch vom Roboter oder einer günstiger arbeitenden Person im Ausland ersetzt wird, ist auf den Kostendruck zurückzuführen. Folglich gehen die Studienautoren davon aus, dass Firmen mit internationaler Ausrichtung und hohem Wettbewerbsdruck eher Jobs verlagern werden. Besonders betroffen sind darum die Branchen Industrie, Finanzen, ICT und das Gesundheitswesen.

Im kaufmännischen Sektor sind in der Schweiz aktuell rund 590'000 Personen tätig, die grösste Gruppe bilden die 81'000 Angestellten der Finanzbranche. Die Studienautoren kommen zum Schluss, dass fünf bis 17 Prozent aller KV-Mitarbeiter beim Thema Jobverlagerungen «exponiert» und weitere 13 bis 16 Prozent «moderat exponiert» sind. Stärker gefährdet seien Mitarbeiter mit lediglich einer Grundausbildung, besser stünden Angestellte mit höherer Ausbildung da.

Die Studienautoren gehen davon aus, dass schätzungsweise 130'000 KV-Angestellte Ausbildungsbedarf haben. Der Verband betont aber explizit, dass nicht die Gesamtzahl der exponierten Jobs über kurz oder lang tatsächlich ausgelagert wird.

Die Digitalisierung bedeutet laut den Studien, dass sich die KV-Berufe zu Querschnittsfunktionen entwickeln, bei denen koordinierende Tätigkeiten immer wichtiger, Routineaufgaben hingegen automatisiert werden. Neu seien Menschen gefragt, die über hohe Sozialkompetenzen verfügten, mit neuen Technologien und Kunden umgehen könnten und sich in einem Fachgebiet spezialisiert hätten. «Die Spezialisierung findet dabei innerhalb von Funktionen und nicht mehr entlang von Branchen statt, da die Bedeutung von Branchen aufgrund der Digitalisierung schwindet», so das Fazit.

Vom Sachbearbeiter zum Vermittler

Die Studienautoren sehen die Umwälzungen in der Branche aber nicht nur negativ. Ein Vorteil: Angestellte würden in Zukunft öfter projektbasiert beschäftigt. Die Teams würden deswegen immer wieder neu zusammengesetzt. Kaufmännische Angestellte müssten sich von Sacharbeitenden zu Vermittlern und Managern entwickeln,», sagt Sybille Sachs, Studienverantwortliche und Professorin für Management an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Die Arbeit werde interessant, kreativ und weniger repetitiv.

Was Lernende und der CEO vom Kaufmännischen Verband zu den Entwicklungen in der Branche sagen, sehen und lesen sie später auf 20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 23.11.2016 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Menschlichkeit

    Zuerst die KV Berufe, danach Juristen, Service angestellte, Detailhandel usw. alles soll schneller und billiger werden, dabei sind wir schon die roboter...

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  • non sense am 23.11.2016 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine konsumenten

    irgendwann wird die wirtschaft erkennen, das roboter und computer nichts konsumieren und kaufen. an wen werden dann die produkte verkauft.

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  • Thomas M am 23.11.2016 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur im KV Bereich

    Betroffen sein werden auch: Lageristen, Banker, Detailhandel, Verkäufer und und und. Bis zu 50% der Jobs bis in 20 Jahren. Beispiel Foxconn (Stellt iphones her) hat angekündigkt 2/3 der Mitarbeiter (3 Millionen) zu entlassen und duch Roboter zu ersetzen. An einem Grundeinkommen führt kein Weg meh vorbei ohne den Anschluss zu verlieren. Und desto mehr man rechts wählt desto schlimmer wird es uns gehen. Weil die rechten immernoch den Flüchtlingen die Schule geben und das Problem noch nicht mal auf dem Schirm haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Aldous Huxley am 25.11.2016 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Neue Welt

    Die Frage ist was ist schnell oder andersrum, was heisst nicht so schnell...? 10, 20, 30, 40, 50 ,60 ... Jahre Eine, Zwei, Drei Generationen Das haben wir als Gesellschaft scheinbar leider noch nicht erkannt. Es sind unserer Kinder die dann die Folgen tragen müssen oder geniessen dürfen.

  • dede069 am 25.11.2016 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll daran schlecht sein

    Dass es so kommen wir, ist klar. Eher schneller als wir annehmen. Wer das Gegenteil behauptet, ist nicht informiert. Was soll jetzt aber schlecht daran sein? Die Frage ist doch, wie das erwirtschaftete Geld verteilt wird. Genau an diesem Punkt müssen wir ansetzen. Hört sich Links an, ist aber existenziell.

    • S. K. am 25.11.2016 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @dede069

      Was mit dem geld passiert? Die reichen werden bald so teich sein, denen ist unser leben egal. Siehe ja all die kriege seit dem 1 wk, wo es nir um macht und geld geht. Das mit der demokratie und so, das ist nur ein vorhängeschild, auf dem draufsteht, reingefallen.

    • S. K. am 25.11.2016 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @dede069

      Wenn, dann müssten wir unsere regierung kippen, die lonbisten haftieren und unser land von grund auf wieder aufbauen, was mir am liebsten wäre. So könnte man viiiieles retten.

    • dede069 am 25.11.2016 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S. K.

      Eben nicht. Wir haben es in der Hand. Resp. wir hatten es schon in der Hand. Das bedingungslose Grundeinkommen muss und wird kommen. Denn Konsumenten wird es brauchen. Und die brauchen ein Einkommen. Reiche werden immer wie reicher. Mag sein. Das ist aber eine andres Thema. Setzt dich ein um die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen

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  • Visionär am 25.11.2016 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Klarer Fall

    Seit der Einführung der PFZ sind diese und andere Themen fast an der Tagesordnung und haben nur zum Teil mit der Digitalisierung zu tun...

  • Jungbürger am 25.11.2016 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    KV - Berufserfahrung - Digitalisierung

    Habe selber die KV-Lehre absolviert. Anschliessend eine gewisse Zeit als Sachbearbeiter gearbeitet. Darauffolgend eine berufsbezogene Weiterbildung. Als ich wieder einsteigen wollte, bekam ich leider Absagen, da ich zuwenig Berufserfahrung habe, dabei bin ich richtig motiviert. Nun habe ich eine andere Weiterbildung begonnen und arbeite Teilzeit in einem anderen Bereich. Die Digitalisierung beschäftigt mich schon, gleichzeitig bin ich der Meinung, dass nicht alle Arbeitnehmer studieren können und wollen. Dies wird langfristig nicht aufgehen. Wichtig sind vorallem Sprachen, EN, FR, und weitere!

  • Annette am 25.11.2016 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Unaufhaltsame Entwicklung

    Roboter werden uns nicht so schnell ersetzen, heisst es inder Ueberschrift. Aber dies wird schneller geschehen, als uns lieb ist und ist unaufhaltsam. Denn die Arbeitgeber kriegen nie genug Gewinne und begrüssen die Automation und Repoter-Entwicklung. Was passiert nun mit der immer grösser werdenden Anzahl Menschen?