Sparen beim Totengräber

29. April 2009 16:48; Akt: 29.04.2009 16:48 Print

Discount-Bestatter im Kommen

Mehr als je zuvor beherrscht in der Krise die «Geiz ist geil»-Stimmung Deutschland. Nördlich des Rheins boomen Bestattungsfirmen, die für 499 Euro die Verstorbenen unter die Erde bringen. Kommt die «Lidl-Beerdigung» bald in die Schweiz?

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Die Bestattungsbranche galt eigentlich als krisenfest: Denn gestorben wird immer. Doch durch die wirtschaftlichen Probleme werden Discount-Bestatter attraktiv. Die Branche expandiert rasant. Die günstigste Bestattung in Deutschland kostet bei der Firma «Aarau Bestattungen» gerade mal 499 Euro. «Verwendet wird ein einfacher unbehandelter Sarg. Die Angehörigen können den Sarg mit Blumen verschönern», empfiehlt Klaus Schneider, Bestatter bei «Aarau Bestattungen». Bei traditionellen Bestattungsunternehmen kostet bereits ein Vielfaches. Der Preis einer dort üblichen Beerdigung liegt bei etwa 2500 Euro, kann aber rasch bis auf 12 000 Euro steigen, berichtet «Spiegel TV».

«Trauer hat nichts mit Geld zu tun»

Die Begeisterung der Konkurrenz hält sich in Grenzen: Laut Udo Diers, von der Bestatter-Innung Berlin, ist es schade, dass die «ex-und-hopp» Gesellschaft auch bei Beerdigungen Einzug hält. Weiter kritisiert Diers, dass die Discount-Anbieter zwar ein günstiges Grundangebot hätten, doch sobald wenig mehr als das Minimum gewünscht werde, die Preise höher seien, als beim etablierten Bestatter.

Der «Discount-Totengräber» hält dagegen: «Trauer hat nichts mit Geld zu tun». Wenn jemand nur wenig Geld für eine Bestattung ausgeben will oder kann, bedeute das nicht, dass er dadurch weniger trauere. Trauer sei etwas persönliches und spiele sich im Innern der Menschen ab. Der Tods sei nicht mit materiellen Dingen verbunden.

In der Deutschschweiz stirbt sichs billiger

Die Schweiz ist für Discount-Bestatter eher uninteressant. «Die Kosten für eine Beisetzung in Deutschland und in der Schweiz kann man nicht miteinander vergleichen. Sie sind bei uns deutlich tiefer als bei unseren Nachbarn», erklärt Silvan Striby vom «Basler Bestattungsinstitut» in Aesch BL. Weiter Richtung Süden steigen die Preise jedoch wieder. Der Grund: Im Tessin oder in Italien herrscht eine andere Bestattungskultur. Striby dazu: «Es werden fast immer Erdbestattungen gewünscht». Einige Städte und Gemeinden bieten gar kostenfreie Bestattungen an. Laut Striby übernehmen in einigen Städten oder Gemeinden die Behörden die anfallenden Kosten oder ein Teil davon. Geregelt ist dies im Bestattungsreglement der jeweiligen Gemeinde. Die genauen Kosten für eine Bestattung erfährt man beim Bestatter.

(scc/zac)