Auszug aus Amerika

11. Dezember 2012 15:41; Akt: 11.12.2012 15:52 Print

Doppelbürger geben ihre US-Pässe zurück

von Lukas Hässig - Eine Liste der US-Steuerbehörde zeigt die Dimension der Amerikaner, die ihrer Heimat definitiv den Rücken kehren. Allein von Juli bis September gaben 240 US-Bürger ihren Pass zurück.

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In den 3 Monaten von Anfang Juli bis Ende September sind insgesamt 240 Amerikaner aufgelistet, die ihren US-Pass zurückgegeben haben. (Bild: Keystone)

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Weitgehend unbemerkt publiziert der Internal Revenue Service IRS - das ist die amerikanische Steuerbehörde - jedes Quartal eine brisante Liste. Darauf sind die Namen von amerikanischen Bürgern aufgelistet, die «Goodbye America» sagen. Sie geben ihren Pass mit dem Adler auf dem Cover ab und kehren ihrer Heimat für immer den Rücken.

«Quarterly Publication of Individuals, Who Have Chosen To Expatriate» heisst die Liste offiziell, also: Personen, die sich für die Auswanderung entschieden haben. Die Liste wird länger und länger. In den 3 Monaten von Anfang Juli bis Ende September sind insgesamt 240 Amerikaner aufgelistet.

Auch Schweiz-Amerikaner verzichten auf die US-Staatsbürgerschaft

Typisch amerikanisch, sind alle Personen mit Vor- und Nachnamen einsichtbar. Von A bis Z ziehen sich die Ausgewanderten über anderthalb Telefonbuch-Seiten hinweg. Unter den solcherart Aufgelisteten finden sich auch einige, die in der Schweiz Wohnsitz haben, wie Stichproben zum Vorschein bringen.

Ausuferndes US-Steuerrecht

Einer der Gründe für die Verabschiedung von der Heimat dürften die Steuern sein. Die USA pflegen als Ausnahme das Prinzip, dass ihre Bürger einen Obolus beisteuern müssen, unabhängig von ihrem aktuellen Wohnort. Einmal Amerikaner, immer steuerpflichtig - so das US-Motto bei den Steuern. Einziger Ausweg ist die endgültige Auswanderung und Rückgabe des Passes.

Es sind aber nicht nur die Steuern, welche die Amerikaner Reissaus nehmen lassen. Wie der «Tages-Anzeiger» am Montag berichtete, sind emigrierte Amerikaner auch auf ihrem Karriereweg immer öfters behindert. Laut der Zeitung zwingen die US-Offenlegungsvorschriften die Manager nicht nur zur Meldung der eigenen Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Vielmehr müssen sie auch Informationen über Konten ihrer Firmen nach Übersee melden, wenn sie dafür verantwortlich sind.

Washington schaut weg - noch

Die Abmeldungen der eigenen Bürger hat die US-Politik bisher kalt gelassen. Das könnte damit zu tun haben, dass noch kein bekannter Politiker es gewagt hat, seine Staatsbürgerschaft zum Thema zu machen. Das würde kaum gut ankommen. Als ein Aushängeschild der Tea-Party-Bewegung einen Schweizer Pass neben ihrem amerikanischen beantragte, gabs einen Sturm der Entrüstung. Schliesslich musste die Frau, die mit einem Schweizer verheiratet ist, ihrer Zweit-Bürgerschaft in Helvetien unter öffentlichen Treuebezeugungen für Uncle Sam abschwören.

Ob das Schweigen in Washington noch lange anhält, muss sich weisen. Denn der Trend der Passrückgaben dürfte weitergehen. Die Krise drückt auf die Einkommen, was die Bereitschaft der Amerikaner vermutlich senken wird, im Wohn- und im Herkunftsland Steuern zu leisten. Kommt hinzu, dass die amerikanische Erbschaftssteuer nahe bei der Enteignung liegt. Über die Hälfte des Vermögens landet bei einem Erbgang beim Staat. Dahinter steckt die uramerikanische Mentalität, dass jeder sein Glück selbst versuchen soll – ohne goldene Löffel seiner Herkunft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizer-Meinung am 12.12.2012 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    CH-DOPPEL-BÜRGER ABSCHAFFEN

    Entweder man ist Schweizer oder Aûsländer, aber beides darf nicht mehr stattfinden. Eine Aufenthalts- mit Arbeits-Bewilligung für Ausländer genügt vollkomme - weniger ist mehr.

  • Walti C. am 12.12.2012 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Was zählt?

    Welche Zahl ist wohl wichtiger, jene der auswanderungswilligen oder der damit verbundene Abzug von Kapital? Die Rückgabe der US-Staatsbürgerschaft macht doch nur Sinn, wenn man viel Steuern abliefern müsste!

  • manuela w. am 12.12.2012 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    entwurzelung

    auch wenn die zahl verschwindend klein ist, finde ich es sehr tragisch, dass amerikanische staatsbürger ihre wurzeln leugnen müssen, weil es finanziell einfach nicht tragbar ist! stellt euch vor, ihr seid schweizer und wandert aus, müsstet aber immer noch steuern in der schweiz zahlen und bei einem erbe bekommt ihr in etwa nichts mehr! oder ihr erbt ein familienunternehmen und könnt dann gleich konkurs anmelden, weil die firma mehr oder weniger an die schweiz übergeht! um das zu vermeiden, gebt ihr den schweizer pass, eure wurzeln, ab. tut nicht so, als ob euch das nicht kalt lassen würde!

  • Kurt Nehmer am 12.12.2012 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Flüchtlinge ... na dann los!

    Staune, wieviele sich hier für das Auswandern nach USA anmelden. Wohl bekomm's und wieso nicht gleich?

  • Christophe am 12.12.2012 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wer will denn bitte nach Europa?

    Auf jeden Fall wollen jährlich um ein Vielfaches mehr Leute in die USA einwandern als in Europa. Verständlich, aus meiner Sicht. Ich finde an Europa gar nichts. Ich ziehe das Land, die Leute und die Politik in den USA auch derjenigen in Eurpoa vor. Europa ist eine kalte, kleinbürgerliche Festung.

    • Costello am 12.12.2012 16:59 Report Diesen Beitrag melden

      Hirnipicker ?

      Offensichtlich warst du noch nie in den USA.

    • Eur Opa am 12.12.2012 17:44 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch Christophe

      Wieviele wandern nur schon in die kleine Schweiz? Die Einwanderung nach Europa ist riesig - aber leider kommen (wie in die USA) die Falschen!

    • thurgovia am 12.12.2012 18:38 Report Diesen Beitrag melden

      Oh mann^^

      Na, dann wander doch in die USA aus, bin gespannt wann du wieder nach Europa zurückgekrochen kommst ;)

    • Christophe am 12.12.2012 23:15 Report Diesen Beitrag melden

      @costello

      Ich war schon über 20 Mal in den USA. Ich mache fast ausschliesslich da Urlaub.

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