EU droht mit Vergeltung

01. März 2018 23:04; Akt: 02.03.2018 06:52 Print

Jetzt wächst die Sorge vor einem Handelskrieg

Der US-Präsident hat angekündigt, Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen. Der Entscheid belastet Japans Börse.

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Nach der Ankündigung von Strafzöllen auf Importe von Stahl und Aluminium durch US-Präsident Donald Trump wächst die Sorge vor einem Handelskrieg. Wie der Präsident am Donnerstag mitteilte, sollen die Strafzölle für Stahl bei 25 Prozent und für Aluminium bei zehn Prozent liegen.

Diese Ankündigung belastet Japans Börse. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index fiel im Vormittagshandel um 2,9 Prozent auf 21.101 Punkte. Der breiter gefasste Topix gab 2,2 Prozent auf 1701 Zähler nach. Insbesondere Aktien von Stahlfirmen, Aluminiumkonzernen und Autobauern standen auf den Verkaufszetteln der Händler.

An der US-Börse fiel der Leitindex Dow nach Trumps Ankündigung um 2,3 Prozent - aus Sorge vor einer höheren Inflation wegen Strafzöllen und möglichen Vergeltungsmassnahmen von Handelspartnern. Er schloss bei 24.610 Punkten mit 1,7 Prozent im Minus. Zu den Verlierern gehörten exportorientierte Unternehmen wie Boeing und General Motors sowie Technologiekonzerne wie Apple und Cisco Systems. Zu den Gewinnern gehörten die Firmen Century Aluminium und US Steel.

EU droht mit Vergeltung

Die EU kündigte eine «entschlossene» Reaktion an und drohte mit Vergeltungsmassnahmen. «Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Massnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden», kündigte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Donnerstagabend in Brüssel an.

Die EU bedauere diesen US-Entscheid sehr. Die Kommission werde in den kommenden Tagen einen Vorschlag mit Gegenmassnahmen präsentieren, im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO). Damit solle die Situation wieder ausgeglichen werden, sagte Juncker als Reaktion auf eine Ankündigung Trumps vom gleichen Tag.

Entscheid sei «inakzeptabel»

Eine scharfe Reaktion kam auch aus Kanada: Handelsminister François-Philippe Champagne nannte mögliche US-Strafzölle für Stahl oder Aluminium aus Kanada «inakzeptabel». Aussenministerin Chrystia Freeland betonte, Kanada kaufe mehr Stahl aus den USA als jedes andere Land der Welt.

Besorgt sind auch Brasilien und Mexiko: «Sollte sich das bestätigen, würde das einen Effekt auf die Exporte in beiden Sektoren haben», teilte die brasilianische Regierung am Donnerstag mit. «Die brasilianische Regierung schliesst nicht aus, ergänzende Massnahmen auf multilateraler oder bilateraler Ebene zu ergreifen.» Brasilien ist der zweitwichtigste Stahlimporteur in die USA.

Höhere Autopreise in den USA

Der mexikanische Verband der Stahlindustrie erklärte seinerseits, er erwarte sofortige Gegenmassnahmen, sollten die Vereinigten Staaten Stahlimporte aus Mexiko tatsächlich mit einem Zoll in Höhe von 25 Prozent belegen. Mexiko steht gemeinsam mir Russland an vierter Stelle der grössten Stahlimporteure in die USA. Allerdings exportieren die Vereinigten Staaten mehr Stahl nach Mexiko als umgekehrt.

Der japanische Autobauer Toyota hat inzwischen vor höheren Autopreisen in den USA gewarnt. Die Entscheidung werde die Autobauer, die Autozulieferbranche und die Verbraucher benachteiligen, teilte Toyota am Freitag mit. Durch die höheren Produktionskosten würden auch die Preise steigen. 90 Prozent des benötigten Stahls und Aluminiums für in den USA produzierte Fahrzeuge kämen allerdings auch aus dem Land, ergänzte der japanische Autobauer.

«USA unfair behandelt»

Die Stahl-Politik ist elementarer Teil der «America first»-Politik der Trump-Administration. Die Zölle sollen für «eine lange Zeitspanne» gelten. «Wir werden neue Jobs bekommen und pulsierende Unternehmen», sagte Trump. Zudem machte er auf Twitter noch einmal seine Meinung zum Thema deutlich. «Unsere Stahl- und Aluminiumbranche sowie viele andere wurden jahrzehntelang durch unfairen Handel und schlechte Politik mit vielen Ländern der Welt dezimiert», schrieb Trump.

Es gehe darum, die heimische Produktion vor ausländischer Billigkonkurrenz zu schützen, sagte Trump bei einem Treffen mit US-Branchenvertretern. Einzelheiten zu den Strafzöllen nannte Trump nicht. So blieb unklar, ob diese sich generell gegen sämtliche Stahl- und Aluminiumexporte richten oder bestimmte Handelspartner davon ausgenommen werden sollen.

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen.

Besonders im Visier hat Trump China. Dieses überschwemmt aufgrund einer gigantischen Überproduktion an Stahl und Aluminium den Weltmarkt mit Billigexporten. Pauschale Strafzölle könnten aber auch Länder wie Deutschland treffen.

Drei Optionen

Handelsminister Wilbur Ross hatte dem Präsidenten zuvor einen Katalog mit drei Handlungsoptionen vorgelegt. Dieser sah vor, entweder Strafzölle für alle Länder einzuführen oder höhere Zölle für einige Länder.

Dritte Option wäre der Verzicht auf Zölle, stattdessen eine Quotenregelung gewesen. Ross war in seiner Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, dass das Thema Fragen der Nationalen Sicherheit berühre.

«Schlechte Deals»

Bei einer kurzfristig einberufenen Expertenrunde mit Stahl-Unternehmern sagte Trump am Donnerstag in Washington, die USA würden aus anderen Ländern mit massivem Dumping unter Druck gesetzt. «Es bringt unsere Unternehmen um.»

Die USA seien auch in diesem Bereich extrem unfair behandelt worden. Vertreter der Stahlindustrie äusserten sich in der Gesprächsrunde mit Trump angetan und begeistert von der Ankündigung Trumps.

«Ich mache den anderen Ländern keinen Vorwurf», sagte Trump. Sie hätten sich im Rahmen der beschlossenen Deals verhalten. «Wer diese Deals abgeschlossen hat, sollte sich schämen», sagte Trump an die Adresse früherer US-Regierungen.

(oli/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Selbstbewusstsein am 01.03.2018 23:01 Report Diesen Beitrag melden

    Sturm im Wasserglas

    die Chinesen lachen über den amerikanischen Stahl-Protektionismus weil die Qualität der amerikanischen Stahlerzeugnisse die anderer Prodzenten nicht erreicht. So ist der amerikanische Stahl z.B. für die Produktion von Pipelines nicht geeignet. Schwedischer Stahl gilt als einer der hochwertigsten. Bisher hat die Zusammenarbeit der Industrienationen ausgezeichnet funktioniert. Jeder konnte seine Talente einbringen.

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  • Kralle am 02.03.2018 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrung

    Ich komme aus der Stahl Branche. Wir haben einmal Stahlprodukte aus Italien gekauft, weil es billiger war. Der Stahl der schon bearbeiteten Teile war poröse und sogar löchrig. Die Teile aus der Schweiz waren perfekt. Wo nun der Stahl effektiv wirklich produziert wurde, kann ich nicht sagen. Aber die krassen Unterschiede wurden mir erst seither bewusst. Also mach ich mir auch nicht so sorgen. Billig ist nicht immer auch gleichwertig!

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  • Fritz am 01.03.2018 23:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fu

    Wer genau hat Juncker gewählt oder die Kommission? Niemand. #notinmyname

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Simi am 02.03.2018 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Man lernt nie dazu

    Genau dasselbe hat Präsident Bush Jr. im Jahr 2002 schon einmal versucht. Als Reaktion drohte die EU mit Strafzöllen auf Autos aus Michigan und Orangen aus Florida (zwei Staaten, die bei der Präsidentenwahl essenziell sind). Ausserdem wurden die USA vor der WTO verklagt und verurteilt, worauf die Zölle wieder aufgehoben wurden. Studien haben errechnet, dass in der kurzen Zeit, in der die Zölle auf Stahl und Aluminium erhoben wurden, mehr als 200'000 Jobs in den USA verloren gingen.

  • Kurt am 02.03.2018 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Immer noch nicht verstanden?

    Wieso wohl wurde die Ukraine von den USA destabilisiert und dient jetzt als Mauer zwischen Europa und Russland? Russland sollte zum Haupt Handelspartner werden. Nicht die USA.

    • Jorge am 02.03.2018 09:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt

      Und was hat denn Russland so Tolles zu bieten an hochwertigen Produkten ?

    • Ueli am 02.03.2018 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt, naja

      Die Ukrainer sehen aber das ganz anders. Die Europäer, die jetzt wirtschaftlich mit den USA im Clinch liegen, übrigens auch.

    • Marco am 02.03.2018 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ueli

      Welche Ukrainer? Die von den USA eingesetzten Marjonettenpolitiker? Das Volk sieht das anders als die USA und deren Marjonetten!

    • Mk am 02.03.2018 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jorge

      Russland ist reich an Ressourcen! Der US Regierungsberater und Chef eines einflussreichen US Think Tank George Friedman hat es so formuliert:( Ziel der US Aussenpolitik ist seit Jahrzehnten, eine Zusammenarbeit Deutschlands und Russland zu verhindern, denn das deutsche Know how mit den Ressourcen Russlands wäre die grösste Wirtschaftsmacht"

    • Ueli am 02.03.2018 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marco, nö

      Die Mehrheit kritisiert zwar die Korruption in ihrer Regierung, will aber nicht zu Russland zurück sondern eher der EU beitreten.

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  • Markus am 02.03.2018 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wischen vor der eigenen Tür

    Wenn aber die EU Strafzölle gegen andere, z.B. China, Vietnam usw. verhängt, dann geht das in Ordnung ? Was für eine verlogene Diktatur diese EU doch ist.

  • Jawoll am 02.03.2018 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Vernunft

    Es kann doch nicht sein, dass Mexiko Stahl in die USA liefert und im Gegenzug die USA Stahl nach Mexiko ausliefert. Das nenne ich alles andere als Natur- und Umweltschutz. Durchaus richtig, dass die USA zuerst ihre eigenen Bodenschätze verwerten für die eigene Produktion.

  • Patriot am 02.03.2018 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird überall getrickst

    Nehmen wir nur die Standortwerbung deutscher Kommunen. Da werden interessierten Firmen grosse Industrieareale für den symbolischen Preis von 1 EURO angeboten, die Gemeinde erlässt dem neuen Arbeitgeber für viele Jahre die kommunalen Abgaben. Oder die ernergieintensive Aluminium-Verhüttung erhält so günstige Stromtarife das die Energielieferanten draufzahlen und das als Verlust steuerlich geltend machen. Das sind alles Verstösse gegen die WTO-Verträge.