Neue Regeln

15. Januar 2014 03:18; Akt: 15.01.2014 14:41 Print

EU will Tempo an der Börse reduzieren

Die EU hat sich auf strengere Regeln für den Hochfrequenzhandel und die Rohstoffmärkte geeinigt. Die neuen Vorschriften sollen mehr Transparenz schaffen und Börsenturbulenzen abmildern.

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(Bild: Keystone/Arne Dedert)

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«Wir haben ein Abkommen», sagte die britische Europaabgeordnete Sharon Bowles nach einem fast achtstündigen Treffen der Unterhändler von EU-Parlament, Mitgliedsländern und EU-Kommission in der Nacht zum Mittwoch.

Die Überarbeitung der bestehenden EU-Richtlinie (Mifid) trägt dem technologischen Fortschritt Rechnung, da immer mehr Geschäfte in Sekundenbruchteilen getätigt werden. Die EU-Politiker beschlossen zudem Positionslimits im Handel mit Rohstoffen, die starke Schwankungen bei Lebensmittel- und Energiepreisen verhindern sollen.

«Nahrungsmittel- und Rohstoffspekulation werden in Zukunft harte Grenzen gesetzt», erklärte der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold. «Exzessive Liquidität auf Europas Finanzmärkten kann künftig nicht mehr die Preise von Nahrungsmitteln treiben.»

Weniger weit als Kommission

Einer der Knackpunkte bei den Verhandlungen war bis zuletzt die Frage, ob Derivate auf bestimmte Rohstoffe wie Gas, Öl oder Kohle der Mifid-Richtlinie unterliegen sollen oder nicht. Vor allem Grossbritannien wollte hier Ausnahmen - um die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes London nicht zu beschneiden. Die Einigung geht denn auch nicht so weit, wie die EU-Kommission vorgeschlagen hat.

Im November hatte man sich darauf geeinigt, dass Geschäfte auf undurchsichtigen Handelsplattformen - sogenannten «Dark Pools» - nur noch in geringem Umfang möglich sein sollten. Auch Regeln über eine Mindesthaltedauer von Wertpapieren waren in trockenen Tüchern.

Daneben werden neue Plattformen (OTF - Organised Trading Facility) eingeführt, die den rund 640 Billionen Dollar schweren ausserbörslichen Handel (OTC) transparenter machen sollen.

Schweiz muss nachziehen

Da die EU auf ihren Finanzmärkten nur Finanzinstitute dulden will, welche die Mifid-II-Regeln befolgen, haben die strengeren Vorschriften auch für Schweizer Banken Auswirkungen. Diese fürchten für ihr grenzüberschreitendes Geschäft um den Zugang zum grossen EU-Markt.

Nach Angaben des EU-Wettbewerbskommissars Michel Barnier beschlossen die Unterhändler, dass die EU-Kommission ausländische Bestimmungen auf ihre Übereinstimmung mit Mifid II prüfen wird. Vorgesehen ist eine dreijährige Übergangszeit. Entscheidend dürften indes die Ausführungsbestimmungen sein.

Die Schweiz hat in Antizipation auf Mifid II bereits Gesetze für einen ausgebauten Anlegerschutz angepasst, andere sind in Vorbereitung.

Der Bundesrat setzt zudem auch politisch Druck auf: So beschloss er im Dezember, der von der EU gewünschten Ausdehnung des Zinsbesteuerungsabkommens zuzustimmen, falls der Marktzugang geregelt wird. «Es braucht keine Zinsbesteuerung, wenn wir keinen Marktzugang haben», sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf. Die Verhandlungen dürften bald beginnen.

Parlament und Staaten müssen zustimmen

Die Unterhändler standen bei den Verhandlungen unter Zeitdruck, denn die Richtlinie soll noch vom EU-Parlament abgesegnet werden, bevor dieses Ende Mai neu gewählt wird. Der nun gefundene Kompromiss muss noch vom Strassburger Plenum und den Mitgliedsstaaten im EU-Rat abgesegnet werden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TC68 am 15.01.2014 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragezeichen

    Für mich gilt folgendes. Richtlinien, welche so schnell durchgewunken werden, taugen in der Regel nicht viel. Bei so wenig Gegenwehr werde ich hellhörig. Zudem sind die Investmentbanker sehr, sehr kreativ. Dies hat die jüngste Vergangenheit immer wieder gezeigt.

  • B. Cosandey am 15.01.2014 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da bleibt ein ungutes Bauchgefühl..

    Verschiedene Ungereimtheiten: -HFT: die Trader sind sehr viel kreativer als die Regulatoren und werden blizschnell aus dem Regelwerk zulasten der Marktabhängigen echten Lieferanten u. Kaeufer am jeweiligen Commodity neue Methoden entwickeln -OTC: Enrgegen der Annahme des 20min. Autors sind es nicht Banken, die bei OTC Geschäften die Hauptakteure beim Trading sind, sondern Nestle, eon und xstrata und Konsorten. In diesem unglaublich vielfältigen Segment werden die Damen(?)/Herren Unterhändler wohl kaum eine Stimme finden, die diese "Branche vertritt" und sich nach gemachtem Berordnungsbrei wohl über die Reaktionen Betroffener die Augen reiben..

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  • Anthony Smith am 15.01.2014 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    hmmm

    Man soll aufhören ständig den Handel zu unterbinden. Dies führt auf lange Sicht hin immer zu Marktverzerrungen und unfairen Preisen. Was ist schon richtig, gerecht? Die EU zeigt mir einfach einmal mehr, dass wir ausserhalb der EU gut aufgehoben sind. Zum Glück regulieren die sich selber zu Tode, so dass wir von dem Profitieren können..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto am 15.01.2014 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    der Markt soll sich selbst regeln

    Bin absolut dafür dass man Banken verbieten soll Metallwarenhäuser zu unterhalten. Die Lieferzeiten an der LME sind ja himmelschreiend. Von all dem Rest sollen die Regulatoren jedoch die Finger lassen! Markt soll Markt bleiben, basta!

    • Supermario am 17.01.2014 13:05 Report Diesen Beitrag melden

      Kleine Lehrstunde

      HF-Handel gibts nicht nur bei Commodities, mein Lieber. Hier gehts einzig darum die Handelspraktiken mit Computerunterstützung einzuschränken. Dies bezieht sich auf alle Finanzanlagen, also auch Währungen, Aktien und Obligationen.

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  • Kack D. Rauf am 15.01.2014 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen und Bodenständigkeit

    Der Hochfrequenzhandel gehört verboten und aus den Börsen verbannt. Dabei handelt es sich um virtuelle Geschäfte, welche einerseits durch fehlerhafte Programme aber auch durch bewusste Manipulation die Kurse über Mass beeinflussen. Der Handel sollte sich wieder in der Realen Welt und mit realem Tempo ablaufen. Nur so kann Transparenz geschaffen werden. Alles andere wird auf Dauer das heutige Wirtschafssystem in den Abgrund führen!

    • Supermario am 17.01.2014 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      Blödsinn

      Auch HF-Trades müssen beliefert und bezahlt werden. Wo da der Unterschied zu "realem" Handel liegt, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Auch Positionen welche aus HF-Handel stammen beinhalten die identischen Gewinn- und Verlustrisiken wie gewöhnliche Börsenkäufe.

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  • Anthony Smith am 15.01.2014 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    hmmm

    Man soll aufhören ständig den Handel zu unterbinden. Dies führt auf lange Sicht hin immer zu Marktverzerrungen und unfairen Preisen. Was ist schon richtig, gerecht? Die EU zeigt mir einfach einmal mehr, dass wir ausserhalb der EU gut aufgehoben sind. Zum Glück regulieren die sich selber zu Tode, so dass wir von dem Profitieren können..

    • Supermario am 17.01.2014 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      Nur...

      Nur möchten auch die meisten Schweizer (Banken) Zugang auch zum europäischen Markt. Ist der zu reguliert ist es schlicht und einfach nicht interessant.

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  • TC68 am 15.01.2014 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragezeichen

    Für mich gilt folgendes. Richtlinien, welche so schnell durchgewunken werden, taugen in der Regel nicht viel. Bei so wenig Gegenwehr werde ich hellhörig. Zudem sind die Investmentbanker sehr, sehr kreativ. Dies hat die jüngste Vergangenheit immer wieder gezeigt.

  • B. Cosandey am 15.01.2014 05:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da bleibt ein ungutes Bauchgefühl..

    Verschiedene Ungereimtheiten: -HFT: die Trader sind sehr viel kreativer als die Regulatoren und werden blizschnell aus dem Regelwerk zulasten der Marktabhängigen echten Lieferanten u. Kaeufer am jeweiligen Commodity neue Methoden entwickeln -OTC: Enrgegen der Annahme des 20min. Autors sind es nicht Banken, die bei OTC Geschäften die Hauptakteure beim Trading sind, sondern Nestle, eon und xstrata und Konsorten. In diesem unglaublich vielfältigen Segment werden die Damen(?)/Herren Unterhändler wohl kaum eine Stimme finden, die diese "Branche vertritt" und sich nach gemachtem Berordnungsbrei wohl über die Reaktionen Betroffener die Augen reiben..

    • z.m. am 15.01.2014 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      kompliziert

      Falsch, die Physischen Trader wie Xtrata etc. waren immer da. Die Banken sind auf die Hedges aufgesprungen und heute traden die 1000 mal mehr Ware als Physisch vorhanden sind. Ergo giltes es diese Papiergeschäfte zu dämmen. Die sind eh nur am Geld interssiert (Ihr Beruf) und nicht am Wohl des Produzenten. Die Nachhaltigkeit ist denen nicht wichtig.

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