Einkaufstourismus

13. Oktober 2014 13:15; Akt: 13.10.2014 13:24 Print

Ein Chip soll den Ausfuhrzettel ersetzen

Die Konstanzer Zollverwaltung denkt über den Ersatz des Ausfuhrzettels durch eine Chipkarte nach. Sie würde den Schweizer Einkaufstouristen das Anstehen am Zoll ersparen.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Schweizer gehen gerne und oft nach Deutschland einkaufen. Das beschert den süddeutschen Zollämtern viel Arbeit. Um die Mehrwertsteuer zurückzuerhalten, muss man sich nach dem Einkauf beim Zoll den Ausfuhrschein abstempeln lassen. Im ersten Halbjahr 2014 stempelten die Grenzwächter an der deutsch-schweizerischen Grenze von Konstanz bis Bad Säckingen über 5,1 Millionen Ausfuhrzettel ab. Vor zehn Jahren waren es erst rund 2,1 Millionen. 20 Minuten hat im September 2014 die Preise im deutschen Detailhandel mit denjenigen von Coop verglichen. Die Resultate sind äusserst interessant, ... ... gerade bei der Zahnpasta. Die ist in Deutschland klar günstiger. Eine Dentagard von Colgate beispielsweise kostet in der Schweiz doppelt so viel wie in Deutschland. Ähnlich sah es bei der Margarine aus (oben links im Bild). Lätta Original in der 250g-Grösse kostet bei Coop 2.60 Franken, bei Rewe umgerechnet 1.44 Franken. Bei den frischen Äpfeln war der Unterschied nicht so gross. 400 g der Sorte Gala kosten bei Rewe 1.21 Franken, bei Coop 1.44 Franken. Coca-Cola ist eigentlich auch klar günstiger. Allerdings erheben deutsche Geschäfte ein Depot von 15 Cent pro 1-Liter-Flasche. Der Vergleich lautet somit: 1.57 Franken (Rewe) zu 1.90 Franken (Coop). Red Bull ist eines der wenigen Produkte, die in der Schweiz günstiger sind. Eine Dose des Energydrinks kostet in Deutschland umgerechnet 2.11 Franken, in der Schweiz 1.70 Franken. Viel günstiger war auch der Gruyère in der Schweiz: 1.87 Franken pro hundert Gramm anstatt 2.29 Franken.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Einkaufen ennet der Grenze bedeutet für Schweizer Konsumenten nicht nur tiefere Preise bei vielen Produkten, sondern auch lange Wartezeiten: Je nach Wochentag kann die Parkplatzsuche, das Anstehen an der Kasse und schliesslich die Ausfuhr der Waren am Zoll eine gefühlte Ewigkeit dauern.

Das Abstempeln der Millionen von Ausfuhrzetteln pro Jahr, mit denen die Schweizer die im Ausland bezahlte Mehrwertsteuer zurückfordern können, bedeutet aber auch für die deutschen Grenzbeamten jede Menge Arbeit – zu viel Arbeit, wie die Zollverwaltung in Konstanz findet. Sie hat dem Handel eine Lösung präsentiert, wie der Zoll durch eine Automatisierung entlastet werden kann. Das schreibt die «SonntagsZeitung».

Das System soll so funktionieren: Der Einkaufstourist bekommt eine Chipkarte mit seinen persönlichen Daten. An der Kasse kann er seine Einkäufe auf dem Chip verbuchen. Bei der Rückreise in die Schweiz kann er mittels der Chipkarte an einem Automaten erfassen, welche Waren er ausführt. Bei seinem nächsten Einkaufstrip nach Deutschland kann sich dann der Konsument die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen.

«Ein weiterer Anreiz»

Das Ganze soll für eine schnellere Abwicklung am Zoll sorgen. Konkret: Das Einkaufen in Deutschland würde für Schweizer noch einfacher. «Das System mit dem Chip könnte für Schweizer Einkaufstouristen durchaus ein weiterer Anreiz sein, noch öfter über die Grenze zu fahren», sagt Konsumpsychologe Christian Fichter von der Kalaidos-Fachhochschule zu 20 Minuten. Der Grund: Konsumenten legten erfahrungsgemäss viel Wert auf Effizienz und Einfachheit.

Dass die Automatisierung der Ausfuhren die Zahl der Einkaufstouristen signifikant in die Höhe schnellen lässt, bezweifelt der Konsumpsychologe aber: «Diejenigen, die gern im Ausland einkaufen, nehmen den Aufwand so oder so in Kauf – auch wenn sie am Zoll lange warten müssen.»

Strenge Zeiten für Zöllner

Andererseits soll das Chip-System auch die Zöllner entlasten. Sie sind von der hohen Zahl der Schweizer Einkaufstouristen regelmässig überfordert. Im ersten Halbjahr 2014 stempelten die Grenzwächter an der deutsch-schweizerischen Grenze von Konstanz bis Bad Säckingen über 5,1 Millionen Ausfuhrzettel ab, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor zehn Jahren mussten die deutschen Zollbeamten erst 2,1 Millionen Ausfuhrscheine bearbeiten.

Um den Ansturm von Schweizer Einkaufstouristen zu bewältigen, mussten die süddeutschen Zollämter sogar Mitarbeiter aus anderen Bereichen an die Grenze beordern. Letztes Jahr waren über 100 Beamte allein für die Ausfuhrzettel verantwortlich.

(vb)