Bei Anruf Terror

29. November 2012 14:32; Akt: 29.11.2012 17:12 Print

Ein Kästchen gegen Telefonverkäufer

Jetzt geht es den unseriösen Telefonverkäufern an den Kragen. Der Westschweizer Konsumentenschutz hat ein System entwickelt, das über 4000 Telefonnummern blockiert.

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Das 10-Zentimeter-Gehäuse wird mit dem Festnetz-Telefon verbunden und blockiert nach zweimaligem Läuten eingehende Anrufe von registrierten Nummern. (Bild: http://www.frc.ch)

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Ein kleines Kästchen soll künftig vor nervender Telefonwerbung schützen. Es enthält tausende Telefonnummern von Telefonverkäufern, blockiert diese und informiert die anrufende Person, dass ihr Anruf unerwünscht ist. Erhältlich ist das Kästchen ab Februar.

Entwickelt wurde das Gerät vom Westschweizer Konsumentenschutz, der Fédération romande des consommateurs (FRC) und einer Waadtländer Datenverarbeitungs-Firma, wie der FRC am Donnerstag mitteilte. Das 10-Zentimeter-Gehäuse wird mit dem Festnetz-Telefon verbunden und blockiert nach zweimaligem Läuten eingehende Anrufe von registrierten Nummern.

Über 4000 Telefonnummern gesammelt

Die Nummern wurden über die vergangenen Monate hinweg unter anderem von den drei Schweizer Konsumentenorganisationen gesammelt. Seit April ist das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb (UWG) in Kraft. Das geänderte UWG verbietet Lockvogelangebote und erschwert Adressbuchschwindel.

Damit das Gesetz nicht nur toter Buchstabe bleibt, bietet die Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen seither eine Online-Beschwerdemöglichkeit an. Damit hat sie über 4000 Telefonnummern gesammelt. Zusätzlich hat sie in rund 20 Fällen von unlauteren Geschäftspraktiken Strafanzeigen eingereicht.

Einfache, aber teure Lösung

Das Kästchen ergänze die juristischen Schritte und biete eine einfache Lösung gegen die telefonischen Belästigungen, erklärte FRC-Juristin Valérie Muster der Nachrichtenagentur SDA. Es soll ab Februar 2013 auf den Markt kommen und 119 Franken kosten. Die FRC plant eine Sammelbestellung, um das Gerät günstiger abgeben zu können.

Die Sperr-Nummern werden gemäss FRC regelmässig aufdatiert. Die Nutzer des Kästchens sollen auch andere Nummern hinzufügen oder unterdrückte Nummern sperren können. Auch Nummern von Umfrageinstituten können blockiert werden.

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) macht beim Kästchen und dessen Vertrieb nicht mit, sondern plant ein Merkblatt dazu. Darin würden auch Alternativen aufgezeigt, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

UWG schränkt Telefonmarketing ein

Das UWG verlangt, dass in Offerten für einen Eintrag in ein Adressbuch - etwa ein Firmenregister - die Kostenpflicht immer in Grossschrift angegeben sein muss. Zudem wurden Massnahmen getroffen, um gegen Gewinnversprechen vorzugehen, die an Werbefahrten oder einen Kaufzwang gebunden sind.

Das UWG schränkt auch das Telefonmarketing ein. So handeln Firmen unlauter, wenn sie eine Person zu Werbezwecken anrufen, die im Telefonbuch mit einem Sternchen angibt, dass sie keine Werbung wünscht. Neu im UWG findet sich auch das Verbot für Schneeballsysteme.

Juristische Ahndung schwierig

Die juristische Ahndung der Vergehen ist jedoch schwierig. Erst jüngst wurde auf eine Strafanzeige nicht eingetreten, weil die Untersuchungsbehörden die Telefonzentrale nicht eruieren konnten, von wo aus die missbräuchlichen Anrufe getätigt wurden. Die Telefonverkäufer nutzten die Nummer eines Unternehmens, das vor Monaten aufgelöst worden war.

Im Waadtland wird Mitte Dezember ein erstes Urteil erwartet. Laut Muster haben die Strafanzeigen eine abschreckende Wirkung. Da die Telefonverkäufer aber oft falsche Angaben machten, sei es schwierig, sie zur Verantwortung zu ziehen.

Bevor die Konsumentenorganisationen eine weitere Verschärfung des Gesetzes verlangen, wollen sie die entsprechenden Urteile abwarten. Laut FRC wäre es ideal, wenn die Telefonwerbung klar erkennbar gemacht wird, damit die Konsumenten bei einem Rückruf verlangen können, dass ihre Daten gelöscht werden.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Gasser am 29.11.2012 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch so einfach

    Anrufe mit mir unbekannten Nummern nehme ich meist gar nicht erst ab. Und wenn doch mal, dann hänge ich ohne ein Wort zu sagen gleich wieder auf wenn ich erkenne, dass da ein Verkäufer am anderen Ende der Leitung ist. Käme mir nicht in den Sinn, über 100 Franken für so ein Gerät auszugeben. Sperrliste? So ein Unsinn, diese Telefonwerber wählen mit beiliebig veränderbaren Nummern. Diese Liste müsste sehr viel länger sein...

  • rolf leiser am 29.11.2012 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Unatraktiv machen

    bei werbung für KK frage ich ob ich obwol ich MS habe wechseln könne, bei sonstigen Verkäufen frage ich ob ich obwohl mehrere Betreibungen laufen etwas bestellen darf. Die Anrufe haben sich auf 1 - 2 Anrufe im Jahr dezimiert

  • Marc Elser am 29.11.2012 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee aber verbesserungswürdig

    Wirklich eine super Idee nur das Läuten stört. Noch besser gehts nur wenn man zu Hause "asterisk + freepbx" als Telefonzentrale einsetzt und ne Sperrliste importiert. Dann kann man z.B. auch das läuten unterdrücken oder mehrere Telefonlinien sperren, usw.

  • Nym Ano am 29.11.2012 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Eintrag in Telefonbüchern...

    keine unerwünschten Werbeanrufe. Habe jedenfalls seit über einem Jahr keinen Anruf mehr bekommen.

  • Berta Meyer am 29.11.2012 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wer soll das bezahlen?

    Die Idee ist wunderbar, was aber gar nicht geht, dass die Kosten auf die Konsumenten übertragen wird!