Swatch verklagt UBS

02. September 2010 16:33; Akt: 02.09.2010 16:33 Print

Ein Schauprozess liegt in der LuftEin Schauprozess liegt in der Luft

von Othmar Bamert - Die Swatch Group verklagt die UBS wegen Millionenverlusten. «Sehr ungewöhnlich», so der Experte, am Schluss dürften beide verlieren. Will sich Swatch als Kleinanleger-Winkelried profilieren?

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«Wir werden auf unserem Recht beharren»: Swatch-CEO Nick Hayek. (Bild: Keystone)

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Die Swatch Group macht die UBS dafür verantwortlich, dass sie mit Finanzprodukten der Grossbank Millionenverluste erlitten hat. Der Uhrenkonzern hat nun Klage eingereicht. CEO Nick Hayek meint gegenüber 20 Minuten Online: «Nachdem die UBS keinerlei Anstalten zur Lösung des Problems zeigte, haben wir Klage gegen sie eingereicht. Wir werden auf unserem Rechte beharren.» Vertreten wird der Uhrenkonzern laut Branchenkennern vom Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer. Dieser hatte bereits mehrfach Anleger in Verfahren gegen die UBS vertreten und mit harten Verhandlungen aussergerichtlich Vergleiche erwirkt.

Keine aussergerichtliche Einigung

Gestritten wird um sogenannte Absolute-Return-Anlagen; Finanzprodukte, die in jeder Marktsituation positive Renditen erzielen sollen, was sie für die Swatch Group in der Wirtschaftskrise und viele andere Anleger nicht taten. Der Streit ist nicht neu: Bereits im April 2009 hatte die Swatch Group gegen die Grossbank eine Betreibung eingereicht, wie viele andere geprellte UBS-Anleger. Forderung der Swatch Group: 30 Millionen Franken (siehe Auszug aus dem Betreibungsregister). Darauf erhob die UBS Rechtsvorschlag, was die Beweislast umkehrt. Nun musste die Swatch ihren Schaden und die Schuld der UBS beweisen. Damals hiess es bei der Swatch Group noch, man sei «in Diskussion mit der UBS». Offenbar haben die Gespräch bis heute zu keiner Einigung geführt.

Dass mit der gerichtlichen Klage die beiden Parteien ihren Streit nun auf öffentlichem Parkett austragen, erstaunt den Experten. Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern: «Ich bin überrascht, dass es tatsächlich zu einem Prozess kommen könnte». Solche Angelegenheiten würden zwischen Grossfirmen in den allermeisten Fällen aussergerichtlich beigelegt, um keinen Staub aufzuwirbeln.

Image-Schaden für beide Seiten

Denn unabhängig vom Ausgang des Prozesses ist ein öffentliches Verfahren für beide Parteien höchst unangenehm. Die Klage eines solch renommierten Unternehmens wie der Swatch Group kratzt weiter am Image der UBS. Aber auch für die Swatch Group sei die Klage kein Ruhmesblatt, so Kunz. Schliesslich sei der Uhrengigant kein unwissender Kleininvestor. «Ein qualifizierter Anleger kann sich nicht einfach zurücklehnen und die ganze Verantwortung der Bank überlassen», so Kunz.

Winkelried für Kleinanleger?

Möglicherweise will die Swatch Group eine Lanze brechen für die vielen um ihr Geld gebrachten Kleinanleger und sie ermuntern, ebenfalls auf gerichtlichem Weg gegen die Grossbank vorzugehen. Die Aussage von Nick Hayek lässt dies vermuten: «Es kann sein, dass sie [die UBS-Manager, Anm.] Angst haben zuzugeben, dass uns gegenüber Fehler gemacht wurden, denn dann müssten sie dies wahrscheinlich auch bei anderen tun». Eine Betreibung gegen die Grossbank reicht nicht. Gewöhnlich legt die Bank Rechtsvorschlag ein, und der Geschädigte muss, wenn er Geld sehen will, Klage einreichen und seine Forderung vor Gericht beweisen. Vor diesem Schritt scheuen die allermeisten Privatanleger zurück. Dabei ginge es um viel Geld: Seit Anfang 2008 sind Forderungen im Gesamtwert von rund 3,5 Milliarden Franken gegenüber der UBS eingegangen.

Das Erbe des Patron

Die Abneigung gegen die mächtigen Banker liegt in der Familie Hayek. Auch der kürzlich verstorbene Uhrenpatron Nicolas Hayek setzte sich 2009 in einem geschichtsträchtigen Schulterschluss mit der SP und SVP für die Verkleinerung der Grossbanken ein. Kurz vor seinem Tod brachte er in einem Interview nochmals seine Abneigung gegen Banker zu Ausdruck: «Geldmenschen schöpfen keinen Wert.»

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