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Diskriminierung bei Novartis
19. Mai 2010 18:39; Akt: 20.05.2010 08:40 Print
Ein Urteil mit «weltweiter Signalwirkung»
von Othmar Bamert - Novartis muss 250 Millionen Dollar Busse zahlen wegen der Diskriminierung von Frauen im Unternehmen. Das Gerichtsurteil bewegt auch Schweizer Frauenorganisationen.

Frauen knöpfen der Novartis 250 Millionen Dollar ab. (Bild: Keystone)
Es war die grösste Klage wegen Diskriminierung der Frauen in den USA. Ein Gericht in New York befand die US-Tochter des Schweizer Pharmamultis Novartis in allen drei Anklagepunkten für schuldig: Das Unternehmen hat Frauen für gleiche Arbeit nicht denselben Lohn wie Männern bezahlt, bei Beförderungen übergangen und bei Schwangerschaften schikaniert.
Die Richterin wird nun festlegen, wie viel der Konzern den Frauen zahlen muss, die der Sammelklage beitreten werden. 5600 Novartis-Mitarbeiterinnen, die zwischen 2002 und 2007 bei dem Betrieb Anstellung fanden, können sich per Gerichtsbeschluss der Klage anschliessen, falls sie sich als Opfer von Diskriminierung sehen.
«Gift für die Reputation»
Zum finanziellen Schaden kommt der Image-Verlust. «Eine Klage wegen Diskriminierung der Frauen ist Gift für die Reputation einer Firma», sagt Sabine Schmelzer, Zentralpräsidentin des Verband berufstätiger Frauen Business Professional Women Switzerland (BPW). «In den USA werden gesellschaftliche Fortschritte oder Veränderungen häufiger als bei uns durch Gerichtsverfahren erzielt und haben dann oft weltweite Signalwirkung».
Lohnschere öffnet sich wieder
Die Frauenorganisation hofft, dass die Signale auch die Schweiz erreichen. Denn immer noch verdienen Frauen auch hierzulande deutlich weniger als die Männer. Die Lohnschere hat sich in den letzten Jahren sogar wieder geöffnet. Gemäss Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) verdienten Frauen 2008 19,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen; 2006 lag der Unterschied bei 18,9 Prozent. Das BFS führt die Lohndiskrepanz auch auf strukturelle Faktoren zurück. Insbesondere sind Frauen in anforderungsreichen Positionen und in Kaderstellen untervertreten und arbeiten eher in Niedriglohnbranchen. Ebenfalls eine Rolle spielt die Unternehmensgrösse: bei Grossfirmen, in denen die Kaderstellen meist in Männerhand sind, sind die Lohnunterschiede ausgeprägter.
WEF als Vorbild
Die Gleichstellung von Mann und Frau kann hierzulande wegen des schweizerischen Rechtssystems nicht so schauprozessartig erzwungen werden wie in den USA. Umso mehr appelliert BPW an freiwilliges Umdenken in den Unternehmen. So fordert Schmelzer, Novartis solle sich am Lohngleichheitsdialog beteiligen, welchen Bundesrat und Sozialpartner in Gang gesetzt haben. Zudem gebe es die Zertifizierung Equal Salary. Diesem habe sich auch das World Economic Forum (WEF) unterzogen. «Wir stellen unser Wissen zur Gleichstellung auch gerne zur Verfügung», so Schmelzer.
Novartis nicht schuldbewusst
Novartis zeigt sich enttäuscht über den Entscheid des Gerichts. Der Basler Pharma-Konzern hält die Klage für unbegründet und verweist darauf, dass Novartis «von externen Fachgremien in verschiedenen Ratings immer wieder als führendes Unternehmen im Bereich Chancengleichheit für Frauen ausgezeichnet wurde», heisst es im offiziellen Statement. Das Urteil soll weiter gezogen werden.



























