Hufschmied-Lehre

19. Dezember 2017 20:34; Akt: 19.12.2017 20:34 Print

Ein abgehackter Pferdefuss gehört zum Job

von R. Knecht - Felix Graf lernt Hufschmied – eine Lehre, die in der Schweiz sonst fast niemand macht. 20 Minuten hat ihn beim Hofbesuch begleitet.

Felix muss nicht nur Hufe beschlagen, sondern auch Eisen schmieden können. (Video: 20 Minuten/rkn)
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In einer Schmiede in Bütschwil heizt der 20-jährige Felix Graf morgens um 7 Uhr den Ofen an. Felix ist im vierten und letzten Jahr seiner Lehre als Hufschmied beim Toggenburger Betrieb Hasler Hufschmied. Beim Besuch von 20 Minuten demonstriert er einen seiner Lieblingsaspekte der Lehre, das eigentliche Schmieden.

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Dabei geht es ganz schön laut zu und her. Zudem raucht und zischt es gewaltig. Im Video sehen Sie den ganzen Prozess.

Schmieden fürs Alteisen

Wirklich benötigt werden Felix' selbst geschmiedete Hufeisen jedoch nicht: «Was ich selbst mache, kommt am Schluss ins Alteisen», erklärt Felix. Für das Beschlagen der Pferde werden Fabrik-Eisen bestellt. «An der Lehrabschlussprüfung muss man aber trotzdem schmieden können.»

Dass Felix fürs Alteisen schmiedet, stört ihn aber kaum. Es sei eine gute Übung und das Eisen werde schliesslich wiederverwertet, erklärt er.

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Viel unterwegs

Nachdem Felix in der Werkstatt sein Können gezeigt hat, fährt er zum Rest seines Teams auf einen Hof in Wattwil. Für einen Hufschmied sei es wichtig, Tiere gern zu haben. Auch zimperlich darf man nicht sein: «Für den Job muss man gern draussen arbeiten und auch bereit sein, mal dreckig oder nass zu werden», sagt der Hufschmied-Lehrling.

In Zweier-Teams werden auf dem Vorplatz gleichzeitig zwei Tiere beschlagen. Felix arbeitet mit dem Chef der Schmiede, während seine Kollegin aus dem zweiten Lehrjahr mit dem Werkstattleiter einem zweiten Pferd die Eisen ersetzt. Wenn sich eines der Tiere mal sträubt oder wenn es nervös wird, braucht es eine dritte Person, die es etwas beruhigt.

Üben an Pferdefuss aus der Metzg

Die Lernenden selbst kommen aber eher selten zum Nageln, weil es bei den erfahrenen Hufschmieden nicht nur schneller geht, sondern auch sicherer ist. Lehrlinge nageln höchstens mal bei einem weniger teuren Pferd, wo es nicht so schlimm wäre, wenn etwas schiefgehen würde.

Felix übt stattdessen in der Werkstatt. Fürs Training gibt es eine Vorrichtung, in die ein Pferdefuss aus der Metzg eingespannt wird. Das sei nicht der schönste Anblick, aber man gewöhne sich daran, so Felix. Und ein künstlicher Pferdefuss eigne sich fürs Training weniger gut als ein echter.

Beim Beschlagen auf dem Hof haben die Schmiede stets einen Lieferwagen mit Hufeisen aller Grössen und der nötigen Ausrüstung dabei. Zudem befindet sich ein gasbetriebener mobiler Ofen im Laderaum: Dort erhitzen die Handwerker die Hufeisen vor Ort und passen sie so optimal an die Hufe der Tiere an.

Hufschmied per Zufall

Für seine Lehre entschied sich Felix per Zufall. Nachdem ihm die Ausbildung als Zimmermann nicht zugesagt hatte, ging er bei seinem jetzigen Lehrbetrieb schnuppern, weil da gerade eine Lehrstelle frei war: «Da hat es mich gepackt.»

Etwa 18 Menschen beginnen laut Felix hierzulande pro Jahr eine Lehre als Hufschmied. In allen vier Lehrjahren sind es schweizweit zurzeit 58 Lehrlinge, sagt Christian Krieg vom Fachverband der Hufschmiede Farriertec Suisse zu 20 Minuten. Insgesamt gebe es in der Schweiz schätzungsweise 300 Hufschmiede.

Da die Berufsgruppe sehr klein ist, kenne man sich in der Schweiz gegenseitig, sagt Felix. Darum sei es recht einfach, über Beziehungen nach der Lehre eine Stelle in einem Betrieb zu finden, der nicht voll ausgelastet ist.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hirsch am 19.12.2017 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Hans

    Der Titel ist ja wider einmal sehr pasend.

  • Bürohengst am 19.12.2017 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Vorfahren waren alle Hufschmiede

    Meine Vorfahren waren alle Hufschmiede, aber ich bin im Büro gelandet. Mir wäre manchmal lieber die Welt wäre 1900 stehen geblieben...

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  • Tom am 19.12.2017 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nir Werbung

    Macht doch mal Werbung für z.B. Anlagen-und Apparatebauer! Von denen gibt es auch viel zu wenige Lehrnende...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lehre suchen am 21.12.2017 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Raritaet ......

    Das gleiche wie Bootsbauer ; das ist auch so ein Exote !

  • Tribal-Cat am 21.12.2017 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ein guter Hifschmied...

    ...ist Gold wert! Vor allem fürs Pferd. Denn jeder Pferdehalter will den besten Beschlag für sein Pferd! Nicht nur die Besitzer von teuren Pferden, sondern jeder Pferdebesitzer, der um das Wohl seines Tieres bemüht ist!

  • Bürochef am 20.12.2017 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Fürs Altpapier schreiben stört mich kaum

    Ich schreibe Berichte fürs Altpapier. Es ist aber eine gute Übung und das Papier wird wiederverwertet. Alles Geschriebene wird vom Internet kopiert, deshalb braucht es die selber geschriebenen Berichte gar nicht mehr.

  • Müller 20.12.2017 am 20.12.2017 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Gut Gemacht Hans

    meine Vorfahren echte Müller, die Mühle in Neuenkirch LU wurde Abgerissen, man kann Googlen

  • Schlumpf am 20.12.2017 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Maschinenschlosser

    Schmidt macht schon Spass und braucht viel Übung und Talent. Ich habe Maschinenschlosser gelernt, 4 Jahre. Ein sehr guter Beruf, man lernt alles und mit sehr vielen Materialien. Doch man schaffte den Beruf ab obwohl er eine sehr gute Grundlage ist für viele Berufe. Ich habe jedoch den Beruf nach der Lehre an den Nagel gehängt. Heute gehöre ich zu den besten in meinem Beruf und hätte ich damals die Möglichkeit gehabt zu studieren wäre ich heute vielleicht was ganz anderes. Doch da wir kein Geld hatten und andere Probleme musste ich eine Lehre machen um das Überleben der Familie zu gewährleisten