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Sibirische Kälte
10. Februar 2012 09:26; Akt: 10.02.2012 09:57 Print
Eiszeit auf den Schweizer Baustellen
von Elisabeth Rizzi - Die klirrende Kälte legt Baustellen lahm. Bei manchen Bauunternehmen sind 80 Prozent der Baustellen stillgelegt. Die Arbeiter liegen jetzt an der Sonne – wie jedes Jahr.

Auf vielen Baustellen in der Schweiz stehen derzeit die Maschinen still.
Zweistellige Minustemperaturen gibt es alle paar Jahre in der Schweiz. «Die jetzige sibirische Kälte ist jedoch speziell, weil sie länger dauert und die Temperaturen tiefer sind als sonst», sagt Unia-Sprecher Tom Cassee. Genau deshalb schlägt die Gewerkschaft jetzt Alarm. Die Arbeiter werden nämlich entweder ohne Geld nachhause geschickt oder bekommen bloss 80 Prozent des Lohns, weil ihre Arbeitgeber bei der Arbeitslosenversicherung eine Schlechtwetterentschädigung anmelden (vgl. Box), klagt die Unia. «Für Bauarbeiter mit Familien ist das eine empfindliche Lohneinbusse», so Cassee.
Bildstrecken Alle Welt kennt Versoix GEErste Seen frieren zu Infografik Frostige Zeiten SchlechtwetterentschädigungDie Schlechtwetterentschädigung ist eine Leistung der Arbeitslosenversicherung. Wenn wegen der Wetterbedingungen Arbeiten nicht ausgeführt werden können und der Arbeitsausfall mindestens einen halben Tag dauert, kann ein Arbeitgeber eine Schlechtwetterentschädigung beantragen. Die Entschädigung ist begrenzt auf die Baubranche, das Transportgewerbe und einzelne weitere Wirtschaftszweige. Die Schlechtwetterentschädigung garantiert den Arbeitnehmenden eine Auszahlung von 80 Prozent des Verdienstausfalls.
Beim Bauunternehmen Walo Bertschinger ist es tatsächlich so, dass wegen der Kälte zeitweise 80 Prozent der Baustellen eingestellt werden mussten. Und auch Implenia meldet, in den Bereichen Rohbau und Tiefbau sei eine beträchtliche Zahl der Baustellen stillgelegt worden. Der Baumeisterverband schätzt, dass derzeit auf der Hälfte bis zwei Drittel aller Baustellen nicht gearbeitet wird.
Ferien statt Unterbezahlung
Bei Implenia kommt laut Sprecher Philipp Bircher in der Tat die staatliche Schlechtwetterregelung mit einer 80-Prozent-Lohnentschädigung zum Zug. In vielen Fällen schlagen sich die Angestellten allerdings nicht deprimiert und unterbezahlt die Tage um die Ohren. «Unsere Mitarbeiter kompensieren in erster Linie ihre Überzeit aus dem Vorjahr und beziehen noch die alten Ferien von 2011», so Walo-Sprecher Kurt Glanzmann.
Auch bei der Marti Holding werden die Wintermonate jedes Jahr für Ferien genutzt. «Schliesslich muss man insbesondere bei Gebirgsbaustellen auch ohne sibirische Kälte mit Minustemperaturen umgehen», sagt Sprecherin Barbara Tschenett. Entsprechend würden kalte Tage und die Schliessung von Baustellen in die Bauplanung einbezogen. Schlechtwetterentschädigung melde man jetzt nicht an.
Auch die Generalunternehmer kalkulieren eisige Tage in die Bauplanung mit ein - jedes Jahr. «In unseren Zeitplänen sind witterungsbedingte Unterbrüche auf Basis von langjährigen Erfahrungswerten einkalkuliert», meint Sprecher Matthias Meier. So stehen zwar derzeit bei den meisten Rohbau-Projekten der Allreal die Maschinen still. Sofern sich die Kältewelle nicht über viele Wochen oder Monate erstrecke, entstünden aber keine Kosten neben den bereits einkalkulierten.
Hohe Kosten aus Holland erwartet
Kosten verursacht die Kälte allerdings sehr wohl: «Für die Walo Bertschinger bewegen sich die Kosten für einen Eistag, an dem nicht gearbeitet werden kann, schnell in einer hohen fünf- bis sechsstelligen Zahl», so Walo-Sprecher Kurt Glanzmann.
Das kriegen jene zu spüren, die mit Bauunternehmen zu tun haben, welche nicht so gut auf Eis und Schnee vorbereitet sind wie die Schweizer Baubranche. Das Schweizer Unternehmen Celsius Pro etwa bietet in ganz Europa Schlechtwetterversicherungen an, bei denen gegen eine entsprechende Prämie nicht bloss 80 Prozent der Lohnkosten vergütet werden, sondern der tatsächliche Schaden.
Allen voran hat Celsius Pro eine Partnerschaft mit dem britischen, dem irischen und dem niederländischen Baumeisterverband abgeschlossen. «Wir rechnen wegen der Kälte insbesondere in den Niederlanden mit einer überdurchschnittlichen Schadenquote», sagt Geschäftsführer Mark Rüegg. Hier habe der Versicherer mehrere hundert Kunden.
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Alle 41 Kommentare
































Beton ...... eine gerissene Bauweise ... !!!
Bei diesen Temperaturen kann nicht betoniert werden ....! Sonst bindet der Beton nicht ab .... und dann ist "dicke Luft" ... alles klar ?
Ich arbeite trotzdem
Schön für die leute, ich muss trotzdem auf der baustelle Arbeiten (als Elektriker) und ja, es ist arschkalt :(
Berufssrisiko 2.0
Wie einer meiner Vorredner schon so schön gesagt hat nennt sich dies einfach Berufsrisiko. Wenn man auf dem Bau arbeitet bzw arbeiten lässt da muss man sich solchen Dingen einfach bewusst sein. Manche Dinge sind nun mal witterungsabhängig und ausserdem nützen kranke Bauarbeiter keinem Arbeitgeber. Lieber gemeinsam eine Lösung suchen. Wer im Verkauf arbeitet muss sich genau so bewusst sein dass er an den meisten Feiertagen abeiten muss. Ein Tierpfleger kennt überhaupt keine Feiertage. Und wer kellnert muss damit rechnen dass das Restaurant dann geschlossen hat wenn es einem privat nicht passt..