Unternehmen in der Schweiz

19. September 2017 18:52; Akt: 19.09.2017 18:53 Print

Entlassungswelle – über 1500 Jobs betroffen

Gleich zwei Unternehmen mit Schweizer Standort haben einen Abbau von rund 500 Stellen angekündigt. Beim Seco ist man dennoch optimistisch.

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Standort in Horw: Eingang des Unternehmens Edwards Lifesciences. (Bild: Google Maps)

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Die Welle der Massenentlassungen hat am Dienstag weitere 500 Angestellte erfasst. Mit dem Abbau bei Edward Lifesciences in Horw LU und der Rockwell Automation in Aarau wurde in den letzten zwei Monaten die Streichung von über 1500 Jobs bekannt.

Die global tätige Edwards Lifesciences begründet die Schliessung ihrer Produktion in Horw LU mit der Konzentration der Produktion im Ausland. Dadurch gehen bis Mitte 2018 250 Vollzeitstellen in der Herzklappenproduktion verloren, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Entlassungen per Januar 2018

Die Fabrik in der Luzerner Vorortgemeinde werde den Anforderungen einer modernen Medizinaltechanlage nicht länger gerecht. Die Mehrheit der Mitarbeitenden würden die Firma bereits Ende Januar 2018 verlassen.

Eine Hiobsbotschaft erhielten am Dienstag auch die Angestellten des US-Unternehmens Rockwell Automation, das in der Schweiz 500 Angestellte beschäftigt. Gemäss dem Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz plant das Automationsunternehmen ab Mitte 2018 rund 250 Arbeitsplätze abzubauen – in erster Linie in der Produktion in Aarau.

Aufgrund einer neuen Produktionsstrategie und als Sparmassnahme könnte ein Teil der Jobs nach Polen, respektive China verlagert werden.

Weitere Fabriken verschwinden

Dass sie per Ende Jahr ihren Job verlieren werden, haben anfangs Monat auch 100 Mitarbeitende der Glasfabrik AGC VIM in Moutier BE erfahren. Laut der Besitzerin, der japanischen Glasherstellerin AGC, war die Fabrik seit Jahren chronisch defizitär. Zudem leidet der Konzern unter dem Nachfragerückgang.

Wie der Kanton Jura am Dienstag bekannt gab, können die Jurassier, die von der Schliessung betroffen sind, auf die Unterstützung des Kantons Jura zählen. Drei Tage zuvor hatte bereits der Industrie- und Rüstungskonzern Ruag 39 Entlassungen bestätigt. Sie arbeiteten bisher an den Standorten Thun, Bern und Zürich. Ruag sprach von «diversen Einzelmassnahmen» und nicht von einer Massenentlassung.

Überraschend kam Ende August der geplante Radikalabbau von Nestlé im solothurnischen Egerkingen. Nestlé will die Produktion der Tochter Nestlé Skin Health schliessen und ins Ausland verlegen. 190 Mitarbeitern der einstigen Spirig-Fabrik droht die Kündigung.

Papier und Detailhandel

Ihren Job verlieren auch 200 Angestellte der Papierfabrik Utzenstorf BE. Sie stellt die Produktion Ende Jahr ein, wie Ende Juli bekannt wurde. Der starke Franken hatte der Fabrik stark zugesetzt.

Weitere Industriearbeitsplätze gehen beim Küchenbauer Bruno Piatti verloren. Seit August befindet sich die einstige AFP Küchen AG in Nachlassstundung. Die Jobs von 300 Mitarbeitenden sind gefährdet.

Massenentlassungen stehen nicht nur in der Industrie an, sondern wurden nach den Sommerferien auch im Detailhandel publik. Manor will am Hauptsitz in Basel bis zu 200 Stellen abbauen. Wegen Neustrukturierung fallen auch bei Globus 30 Stellen weg.

Seco bleibt optimistisch

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) könne zu den einzelnen Massenentlassungen der letzten Wochen nichts sagen, sagte Seco-Sprecher Fabian Maienfisch. Tatsächlich befinde sich aber die Schweizer Wirtschaft in einem Strukturwandel.

Das zeigt sich laut Maienfisch darin, dass es in verschiedenen Branchen zu Restrukturierungen kommt und Unternehmen, deren Produkte nicht mehr nachgefragt werden, sich dem Markt anpassen müssen.

Gemäss den Seco-Zahlen geht es dem grössten Teil der Schweizer Wirtschaft grundsätzlich gut. Sie entwickle sich stabil und die Exportindustrie scheine die Frankenaufwertung zu überwinden, sagte Maienfisch weiter. Die Arbeitslosenzahlen seien im Gegensatz zu den Vorjahren rückläufig und zwar nicht nur saisonbedingt - und das auch in der Industrie.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ruth am 19.09.2017 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    etwas unternehmen

    wacht mal auf ihr politikern noch mehr arbeitslose und ihr wollt dass wir bis 65 jahren arbeiten müssen es muss mal endlich was geschehen für was verdient ihr eigentlich unsere steuergelder um zu zuschauen wie es mit uns berg ab geht oder sollen wir mal keine steuern mehr zahlen bis ihr etwas unternehmt seid nicht mal fähig eine lösung zu finden nur einkasieren

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  • Eliot am 19.09.2017 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh

    Schön zu wissen, darum kam auf Schnupperbewerbung keine Antwort...

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  • AndyV am 19.09.2017 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ja genau so geht es

    Leider immer mehr Realität. Wenn ich hier lese, kauft doch in China, dort ist alles günstiger, oder wenn ich sehe wie Schweizer am Weekend die Läden in DE stürmen. Wann merkt Ihr das genau das der Tod für unsere Wirtschaft ist? Bestellt weiter bei Zalando und Alibaba, bringt Euer Geld ins Ausland, wundert Euch einfach nicht, wenn es in der Schweiz immer mehr bergab geht. Unsere Infrastruktur und Sozialen Einrichtungen kosten viel Geld, Geld das bald nicht mehr vorhanden sein wird. Der Markt ist wie die Natur - GNADENLOS

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ausgesteuerte am 21.09.2017 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke für das Sozialwesen

    Ich bin als 45 jährige Langzeitarbeitslose unendlich dankbar dafür, dass ich nicht mehr um einen Arbeitsplatz fürchten muss! Ich erhalte immer mein Sozialgeld und muss mich am Morgen nicht durch das Gewühl im Berufsverkehr kämpfen. Das ist ein Geschenk, welches ich überhaupt nicht als selbstverständlich erachte, auch wenn ich zu den Bürgerinnen gehöre, die dies in Anspruch nehmen können. Liebe Mitbürgerinnen, einfach auch mal ein Dankeschön Euch allen für Eure Hilfe!

  • xy am 20.09.2017 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    liebe spirig, oh jetzt nestle

    ja wenn daylong nicht mehr in der schweiz produziert wird, kann ich auch für den halben preis eine andere ausländische sonnencrème kaufen! Mittlerweilen gibt es viele gute konkurrenzprodukte. ... und so geht ein kunde, vielleicht auch mehrere verloren.

  • J.B. am 20.09.2017 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Nacht

    Wenn der Detailhandel noch mehr Läden verliert dann gute Nacht Schweiz, und gute Nacht Detailhandel.

  • Django am 20.09.2017 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenzgänger und

    Kollegen aus den benachbarten EU-Ländern können nun wieder in ihrer Heimat nach Arbeit suchen. Wie ihr seht, in der so schönen Schweiz gibt es bald keine Stellen mehr.

    • Tell am 22.09.2017 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      Sozialtopf CH = Top und bald leer

      Zuerst kassieren sie aber zwei Jahre Arbeitslosengeld. Das ist massiv viel höher als in irgend einem anderen Land. Wenn Sie dann Soz beziehen müssen, fahren sie hier immer noch besser als irgendwo. Darum werden die meisten in CH bleiben. Den Rest kann man sich denken. Ich weiss nicht wie viele Arbeitende es sein müssen um einen Rentner zu finanzieren. Mich würde aber allerdings auch interessieren, wieviele Arbeitenden es braucht um Sozialhilfebezüger und Asylbewerber zu finanzieren.

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  • Thomas am 20.09.2017 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Immer weiter bergab

    Und wieviel dieser in der CH ansässigen Unternehmen sind vom Ausland gekauft und runtergewirtschaftet? Die haben nicht umsonst so komisch englische Namen....