Schweizer Lohntransparenz

17. Juli 2014 05:58; Akt: 28.07.2014 14:55 Print

Erste Firmen schreiben Lohn in Stelleninserate

von Sandro Spaeth - Über Geld spricht man nicht – oder erst ganz am Schluss des Bewerbungsgesprächs. Nun publizieren erste Firmen den Lohn bereits im Stelleninserat. Was bringt diese Transparenz?

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Die Zürcher Verkehrsbetriebe schreiben den Lohn ins Stelleninserat. Das ist im Schweizer Arbeitsmarkt ein Novum. Wie gut Schweizer Jobs bezahlt sind, erfahren Sie auf den folgenden Bildern... Die Lohnangaben stammen aus dem , das 9000 Angaben aus Gesamtarbeitsverträgen und Statistiken von Verbänden und dem Bundesamt für Statistik enthält. : Verdient bis zwei Jahre Berufserfahrung 6692 Franken. Zwischen zwei und fünf Jahren Berufserfahrung 7923 Franken und ab fünf Jahren 8462 Franken. : In einer Bierbrauerei wird im Schnitt 41 Stunden pro Woche gearbeitet. Ein gelernter Brauer verdient 4459 Franken. Nach acht Jahren sind es 4896 Franken. : In einer Confiserie steigt der Lohn mit der Ausbildung. Mit Berufsattest beträgt er 3445 Franken, mit Fähigkeitsausweis 3845 Franken und mit Meisterdiplom als Produktionsleiter 5313 Franken. : Drogisten arbeiten pro Woche 42 Stunden. In wirtschaftlich schwächeren Regionen verdienen sie 3708 Franken, in wirtschaftlich stärkeren Regionen 4225 Franken. Als Geschäftsführer mit höherer Fachschule beträgt der Zahltag sogar 6542 Franken. : Ein Elektroingenieur arbeitet 41,5 Stunden pro Woche. Sein Einstiegslohn beträgt 5959 Franken, mit Erfahrung gibts satte 9285 Franken. : Mitarbeiter ohne Berufslehre erhalten 3407 Franken, Mitarbeiter mit Berufsattest 3707 Franken. Mit Berufslehre gibts 4108 Franken. : Ein Senn verdient trotz der harten körperlichen Arbeit gerade einmal 160 bis 225 Franken pro Tag. : Bis zum 25. Altersjahr verdienen Softwareentwickler 5169 Franken, ab dem 30. Altersjahr 6746 Franken. : Ein Journalist verdient als Volontär durchschnittlich 4099 Franken, als Redaktor 7541 Franken und als Ressortleiter 8310 Franken. : Köche arbeiten 42 Stunden pro Woche und verdienen dafür 4810 Franken. : Lastwagenchauffeure fahren 48 Stunden pro Woche. Ab dem vierten Berufsjahr verdienen sie 4450 Franken, vorher verdienen sie 4250 Franken. : Ein gelenter Mauer verdient 5553 Franken, ein Vorarbeiter 6080 Franken. : Eine Näherin verdient 3420 Franken mit Berufslehre. Nach 3-jähriger Berufspraxis gibts 4360 Franken. : Ein Oberarzt verdient 8506 Franken im Monat. Zum Vergleich: Ein Assistenarzt erhält 7463 Franken, ein Chefarzt 12'824 Franken und der Direktor eines Unispitals gar 14'732 Franken. Eine Arztgehilfin hingegen verdient zwischen 4000 Franken und 5170 Franken. : Laut dem Zürcher Personalgesetz verdienen Aspiranten 5217 Franken, ein Gefreiter 5511 Franken und ein Wachtmeister 6197 Franken. . Er verdient ab dem 24. bis zum 29. Altersjahr 6823 Franken. Für Vierzigjährige gibt es laut dem Lohnbuch 8182 Franken, für Fünfzigjährige sogar 8359 Franken. : Unter 18-jährige Raumpflegerinnen verdienen 3351 Franken, über 18-jährige 4655 Franken oder 25 Franken pro Stunde. : Als Schneesportlehrer lohnt es sich, eine Ausbildung zu machen. Denn mit eidgenössischem Fachausweis verdient ein Lehrer minimal 70 Franken pro Stunde, als Hilfslehrer minimal 30 Franken. Sie verdient bei höchstens 23 Arbeitstagen im Monat einen Nettolohn von 2300 Franken. Die Tagespauschale beträgt 190 Franken. : Uhrmacher werden für ihr Geschick mit dreijähriger Lehre mit 3650 Franken, mit vierjähriger Lehre mit 4000 Franken entlöhnt. : Detailhandelsangestellte arbeiten rund 41 Stunden in der Woche und werden nach einer dreijährigen Lehre dafür mit 3900 Franken entlöhnt. Mit vierjähriger Lehre gibts 200 Franken mehr. : Wäschereimitarbeiterinnen profitieren von einer guten Ausbildung. Mit Berufsattest gibts 3375 Franken, Mit dreijähriger Lehre 4264 Franken. : Sogar dieser ungewöhnliche Beruf wird im Buch aufgeführt. Ein gelernter Yachtbauer verdient 5454 Franken, ab 30 sogar 6729 Franken. : Spezielle Entlöhnungen gibts für Zirkusartisten. Der angegebene Mindestlohn richtet sich nach Können und Bekanntheitsgrad des Künstlers, beträgt aber mindestens 2000 Franken oder 9.20 pro Stunde. Berufsüblich ist eine 50-Stunden-Woche.

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In Inseraten hat gewöhnlich jeder Artikel seinen Preis: vom Auto bis zur Zigarettenpackung. Nur in Schweizer Stelleninseraten findet sich der Preis für einen Monat Arbeit nie. Warum? Weil es schon immer so war. In der Schweiz herrscht in Sachen Lohn höchste Diskretion.

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Doch genau dies scheint sich nun zu ändern. Wer im Internet ein Inserat der Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ) anschaut, erfährt: Der Jahreslohn für einen derzeit gesuchten Bahningenieur liegt zwischen 105‘000 und 140‘000 Franken. Und für den unter dreissigjährigen Busfahrer sind es monatlich 5455 Franken. «Die Bewerber geben alles von sich preis, darum machen wir das auch», sagt VBZ-Personalchef Jörg Buckmann im Gespräch mit 20 Minuten. Die VBZ – sie beschäftigt 2600 Mitarbeiter – wolle ein Vorbild in Sachen Transparenz sein.

Lohn als Anreiz Nummer 1

Noch sind die VBZ aber nahezu allein auf weiter Flur. 20 Minuten weiss jedoch, dass ein Regionalspital in der Region Zürich Ähnliches plant. Der Vorteil der Lohntransparenz: Der Bewerber weiss sofort, wo er mit dem neuen Job in finanzieller Hinsicht steht. «Es spart viel Zeit, wenn wir uns nur mit jenen Kandidaten näher auseinandersetzen, deren Lohnvorstellungen sich mit unseren decken», sagt Buckmann. Bis jetzt hätte man mit der Transparenz nur gute Erfahrungen gemacht.

Natürlich ruft die Transparenz auch Warner auf den Plan. Angaben zum Monatssalär würden jene Leute anziehen, die sich vor allem über den Lohn und nicht über den Arbeitsinhalt motivieren liessen, heisst es in Recruiter-Kreisen. Zudem schliesst die Lohntransparenz sozusagen aus, dass eine Firma auch jemanden gefunden hätte, der den Job für weniger Geld genauso gut erledigt hätte.

Keine Angst vor Lohntransparenz

Ein Befürworter der Lohntransparenz ist Matthias Mölleney, Leiter des Bereichs Human Resources Management an der Hochschule für Wirtschaft Zürich: «Hat eine Firma ein definiertes, faires Lohnsystem, gibt es keinen Spielraum für Verhandlungen und die Frage nach den Lohnvorstellungen ist überflüssig», sagt der ehemalige Personalchef von Swissair zu 20 Minuten. Mölleney geht davon aus, dass die Lohntransparenz in Stelleninseraten weiter zunehmen wird: «Die nächste Generation, die jetzt auf den Arbeitsmarkt kommt, hat viel weniger ein Problem damit, wenn andere über den eigenen Lohn Bescheid wissen.»

Fragt man die Bewerber, was sie in einem Stelleninserat vermissen, scheinen die VBZ mit der Offensive richtig zu liegen. So nennen 74 Prozent der Kandidaten Angaben zum Lohn, wie eine Ende 2013 durchgeführte Studie der Job-Börse Stepstone ergeben hat. Weitere 40 Prozent wünschen sich zudem Informationen über «zusätzliche Leistungen des Arbeitgebers», sprich Lohnnebenleistungen wie Firmenwagen, Mobiltelefon oder Bahn-Abos.

Deals aus der Nachkriegszeit

Woher kommt eigentlich das Schweizer Tabu, in Stelleninseraten den Lohn zu erwähnen? Wer zu diesem Thema recherchiert, findet die Information zu Übereinkünften aus der Nachkriegszeit. Während des Wirtschaftsaufschwungs hätten die Arbeitgeber vereinbart, in Stelleninseraten die Summen aus Angst vor Lohntreiberei nicht zu nennen.

«Es ist gut möglich, dass es solche Übereinkünfte gab. In den späten Fünfziger- und den Sechzigerjahren waren die effektiven Löhne aufgrund des Wirtschaftsaufschwungs höher als die Löhne in den Gesamtarbeitsverträgen», sagt Wirtschaftshistoriker Bernard Degen von der Universität Basel zu 20 Minuten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rolf mündig am 17.07.2014 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    na bitte.....

    finde ich super, ich frage übrigens schon seit längerer Zeit bei Bewerbungen direkt nach den Lohnzahlungen. Denn es kann ja nicht im Interesse des Betriebes und einem selber sein, dass man den ganzen Eiertanz der Vorstellungsgespräche durchgeht, um dann festzustellen, dass es zwar passt, es aber beim Lohn scheitern wird.

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  • maler Pinsel am 17.07.2014 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Maler im Kanton Zug

    5 Jahre Berufserfahrung, 100 Prozent Angestellt, 13 mal 6400 Fr. 4 Wochen Ferien

  • Dejan am 17.07.2014 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit sparen

    Absolut richtig es sollte immer das mininum angegeben werden. Hätte mir einige Bewerbungsgespräche sparen können.

Die neusten Leser-Kommentare

  • .....$$....... am 17.07.2014 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zufriedenheit

    Man(n) sollte einfach mal zufrieden sein mit dem was man hat, ich habe freunde die verdiene das doppelte von mir und haben ende monat weniger auf der seite, und warum, weil bei einem höheren einkommen automatisch der lebensstandart steigt (teurere wohung, teures leasing u.s.w. Ich verdiene brutto 4800.- und mir gehts super, hab ne super freundin, ne super tolle wohnung, ne harley davidson(cash bez.) nen caddillac (cash bez.) und nen kleinwagen für die arbeit! Klar dürfts mehr lohn sein, aber das will jeder, jemand der 10k verdient möchte dann auch plötzlich wegen dem neuen geleasten porsche;-)

  • Roger am 17.07.2014 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz so neu

    Bei Stellenausschreibungen vom Bund wurde die Lohklasse schon immer angegeben. Da es über 30 Lohnklassen gibt, war die Angabe ziemlich genau. Wäre aber schön, wenn sich das allgemein durchsetzt. Dann könnte man auf der Jobsuche viel Mühe mit unnötigen Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen sich ersparen!

  • xuxu am 17.07.2014 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fair?

    nehmt doch mal die löhne in der pharma branche unter die lupe.... absolute frechheit..... wäre etws für den kassensturz

  • Koch am 17.07.2014 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    4800 Fr. als Koch...??? ist mir neu

    Habe 2 Monate auf meinen neuen Vertrag für die Beförderung gewartet und als ich ihn bekommen hab kon te ich nur Lachen, da er nicht im geringsten dem Marktwert entspricht. Und 4800 Fr. sind das noch lange nicht. Da sie nicht verhandeln, giebts nur eins, künden und weg! Schade für meine Super Mitarbeiter.

  • hase am 17.07.2014 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wohlfühlen

    habe 6jahre auf meinem beruf gearbeitet. wurde in dieser zeit staendig unterdrueckt und fertiggemacht, weil ich zu wenig selbstvertrauen hatte. nachdem ich in das gesicht geschlagen wurde, habe ich meine stelle gekuendigt. jetzt habe ich einen supertollen arbeitsgeber, tolles team, sehr viel verantwortung, unterstuezung in weiterbildungen und 5200.- viele verdienen mehr, aber ich bin viel lieber glücklich und darf mich nun mit kleinen privaten problemen beschaeftigen, weil das grosse problem "arbeit" weg ist. geld ist wichtig, aber ein gutes gewissen und eine reine seele viel wertvoller...