Helvetische Software

09. Dezember 2012 19:19; Akt: 09.12.2012 19:24 Print

Es boomt im alpinen Silicon Valley

Wachstum wie in China: Die Schweizer Software-Industrie legt seit Jahren rasant zu. 2012 ging es steil aufwärts. 2013 soll es nochmals besser laufen. Sorgen bereitet einzig der Nachwuchs.

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Software Programmieren ist immer noch eine Männerdomäne. (Bild: Keystone)

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Die Schweizer Software-Unternehmen laufen wie geschmiert: Im ersten Halbjahr 2012 konnten sie ihren Umsatz im Durchschnitt um 7 Prozent steigern. Das zeigt der «Swiss Software Industry Index» des Beratungsunternehmens Sieber & Partners und des Fachportals Inside-IT.ch erhoben wird. Der Index beruht auf einer Umfrage bei 140 Unternehmen. Aushängeschilder der Branche sind beispielsweise Avaloq oder Citrix oder Netcetera.

In der zweiten Jahreshälfte dürfte es in ähnlichem Ausmass weitergegangen sein, das zeigt des Auftragsbestand der Branche. Und höre man sich in der Szene herum, so seien die Aussichten fürs kommende Jahr sogar noch besser, schreibt Inside-IT. Kundenentscheide fielen weniger zögerlich aus als noch vor einem Jahr, heisst es.

Kleiner Tiger

Damit erweist sich das Schweizer Software-Business seit Jahren als Krisenresistent: Seit 2009 ist die Branche nie unter 7 Prozent gewachsen, im zweiten Halbjahr 2010, als die Finanzkrise so richtig tobte, betrug das Umsatzwachstum sogar 11,3 Prozent.

Die Schweizer Software-Industrie ist also ein kleiner Tiger. Die Wertschöpfung des Sektors Informations und Kommunikationstechnologie (ICT) hierzulande beläuft sich laut Branchenangaben auf gut 27,3 Milliarden Franken. Damit liegt der Bereich mit der Bauwirtschaft (28,3 Milliarden Franken) gleich auf. Zudem ist der Sektor hochproduktiv. Nur vier Prozent der Erwerbstätigen – sprich 177 000 Personen – erwirtschaften einen Anteil von 5,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Laut MSM Research werden dieses Jahr in der Schweiz 16,1 Milliarden Franken für Informatik-Leistungen ausgegeben. Davon macht Software 17,3 Prozent aus (52,3 Prozent Serviceleistungen, 17,8 Prozent Hardware, 12,6 Prozent Kommunikation).

Dunkle Wolken

Die Branche steht allerdings vor gravierenden Problemen. So fehlen laut der ICT-Berufsbildung Schweiz bis im Jahr 2020 72 500 Arbeitskräfte in der ICT. Die derzeitigen Ausbildungsangebote würden demgegenüber bloss zu einem Zuwachs von 48 000 Personen führen, warnen die Autoren vom Branchenbericht «Swiss made Software». Es droht also ein Engpass von 25 000 Fachkräften.

Am gravierendsten ist der Rekrutierungsbedarf bei den Entwicklern und Analytikern von Software. Der Berufsverband warnt deshalb vor der Gefahr, dass ganze ICT-Dienstleistungszweige ins Ausland verlagert werden könnten und fordert, dass gerade bei Mädchen das Interesse an ICT schon in der Volksschule stärker geweckt werden müsse. Der Frauenanteil der ICT-Beschäftigten in der Schweiz liegt derzeit nämlich erst bei 13 Prozent, wogegen Frauen im Ausland gut 30 Prozent ausmachen.

(ahi)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Lerne Applikationsentwickler, die Zukunft meines Berufs sieht gut aus! Ich werde hoffentlich mal ein gefragter Mann sein. Schade gibt es nicht mehr Frauen in der IT. Ich verstehe nicht warum? Eigentlich wäre doch ein Job in der IT perfekt für eine Frau. Als Informatiker hat man definitiv zu wenig Kontakt mit dem andern Geschlecht! – simon b.

Ich finde es gut, dass der Berufsverband die Ausbildung fördern will. Aber was ich überhaupt nicht gut finde das der Berufsverband nur Mädchen fördern will. Was habt ihr gegen die Buben? Gleichberechtigung gleich Null. Schwache Leistung! Beide Seiten sollten gefördert werden! – Thomas

Ich bin mit der aktuellen Situation ziemlich zufrieden. Den Arbeitgeber kann man sich praktisch aussuchen, man ist überall sehr gefragt. Die Situation, dass in unserer Branche praktisch nur Männer arbeiten ist für mich klar. Der Beruf "Informatiker" (egal ob Applikationsentwicklung oder Systemtechnik) ist in den Köpfen immer noch der Typ, welcher den ganzen Tag auf der Tastatur rumhackt. Welche spannende Aspekte dieser Beruf beinhaltet ist den meisten Leuten gar nicht bewusst. Meine aktuelle Tätigkeit als Entwickler einer Business Lösung für KMU bereitet mir riesig Freude und sehr vielseitig. – T. R.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Russe am 10.12.2012 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich kenne anders

    Nach ETH Studium 2009 lagen gleich 3 Angebote vor mir . Der tiefte war von ABB und war mit 85kSFr im Jahr dotiert. Ich hatte mich für einen Mittelständler entschieden. Ab und Zu melden sich auch Headhunters bei mir. Also Kinder geht doch studieren!

  • Kevin am 10.12.2012 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kurze Frage

    An alle die bescheid wissen. Werde bald meine Ausbildung als ICT Supporter inkl Netzwerkassisstent in der Abendschule machen, ist es nacher auch möglich in den Bereich Software entwicklung fuss zu fassen da mich dieser bereich sehr interessiert? danke für die Antworten

  • Mart am 10.12.2012 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Java, das Unheilmittel der heutigen Zeit

    Viele "Entwickler" schreiben Java und nur Java! Kein Wunder klappts nicht! Ich u.a kenne keinen C (C++, C#) oder Cobol Entwickler wo sich über keine Arbeit beschwert - im Gegenteil. Setzt auf's richtige Pferd, dann klappts auch . . .

  • Netik am 10.12.2012 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Lohn: Ja, Paradies: Nein!

    Völliger Quatsch! Wenn man tagsüber im Zug in der ersten Klasse sitzt, ist jeder zweite Informatiker. Die Anzahl offenen Stellen stagniert seit Jahren. Selbst als gut ausgebildeter Informatiker (28 Jahre alt, FH & MAS, diverse MS Zertifikate) findet man zwar immer einen Job - bei wirklich interessanten, grossen Firmen und anspruchsvollen Stellen ist man jedoch chancenlos. Wenn man sich als Programmierer in eine andere Richtung wie z.B. System Engineering bewegen will, findet man mit Mühe und Not eine schlecht bezahlte Stelle als Junior.

  • Enkido am 10.12.2012 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Lehre/Uni

    Die Lehre als Informatiker ist ein Witz. Man lernt, wie man mittels Java Käfer steuert, viel mehr nicht. Andererseits ist Informatik an der Uni (mache ich momentan in teilzeit) extrem hart, da man Mathematik in den ersten Semester zusammen mit den Mathematikern hat. Bringt allerdings nur dem eigenen Konto etwas, denn in der Informatik allgemein zählt fast nur die Erfahrung, die Theorie ist ganz klar zweitrangig. Den Mangel an Fachkräften ist übrigens übertrieben. Wenn man sieht, wie viele Firmen und IT-Abteilungen überbelegt sind....