Kapselkrieg

05. Dezember 2012 17:28; Akt: 05.12.2012 17:28 Print

Ethical Coffee Company klagt gegen Nespresso

Ethical Coffee Company (ECC) wirft der Nestlé-Tochter eine Hetzkampagne gegen seine Kaffeekapseln vor. Die Kampagne werde über den Club Nespresso und das Internet geführt.

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Der ehemalige Nespresso-Chef Jean-Paul Gaillard wagt mit einer Nespresso-kompatiblen Kapsel den Markteintritt in Frankreich und wird prompt vom Schweizer Nahrungsmittelmulti Nestlé verklagt. (Im Bild eine Nespresso Boutique) Der US-Hersteller Sara Lee hat sich seit 2005 an Nespresso-kompatiblen Kapseln versucht. Nun verkauft er sie ebenfalls in Frankreich 10 Prozent billiger als das Original unter dem Brand LOr. Doch umgehend reicht Nestlé Klage ein. Denner lanciert mit Nexpod von Alice Allison in der Schweiz ein Konkurrenzprodukt zu Nespresso. Das St. Galler Handelsgericht lässt nur einen Monat später den Verkauf verbieten. Nespresso kriegt aus Südafrika Konkurrenz: Das Unternehmen Cafe Caps mit Sitz in Cape Town verkauft nun ebenfalls Nespresso-kompatible Kaffee-Kapseln. Nestlé reicht eine Klage gegen Sara Lee in Holland ein, nachdem das Unternehmen dort begonnen hat, Nespresso kompatible Kapseln zu verkaufen. Ethical Coffee verkauft seine Produkte bei Media Markt in der Schweiz, woraufhin das Kantonsgericht Waadt postwendend den Verkauf verbieten lässt. Ein Hersteller aus Hong Kong macht Nespresso Konkurrenz. Die wieder auffüllbaren Kapseln von Caps-Cup sollen billiger und umweltschonender sein als das Original. Nestlé verklagt den US-Hersteller Sara Lee in Spanien. Die Nespresso-kompatiblen Kapseln des Brands Marcilla sind 15 Prozent billiger. 65 Millionen Kapseln gingen in nur sechs Monaten über den Ladentisch. Ethical Coffee Company darf in der Schweiz keine Kapseln mehr verkaufen, die in Nespresso-Maschinen passen. Der Lieferant von Saturn und Media Markt möchte dies nicht auf sich sitzen lassen und legt gegen den Beschluss des Waadtländer Kantonsgerichts Rekurs ein. Das Europäische Patentamt (im Bild) hat ein Patent von Nestlé auf dem Nespresso-Kaffeesystem bestätigt. Das Patent wird demnach in 28 europäischen Ländern gültig bleiben. Der US-Konsumgüterhersteller Sara Lee hat zusammen mit dem schweizerischen Kaffeekapselanbieter Ethical Coffee Company, dem französischen Handelskonzern Casino und der belgischen Beyers Coffee das Patent letztes Jahr angefochten. Alle drei Unternehmen stellen Klon-Kapseln her, die in die Nespresso-Maschinen passen. In Deutschland befindet das Landgericht Düsseldorf Anfang Juni, dass der Nespresso-Mitbewerber Ethical Coffee Company keine Patente mit seinen Kapseln verletzt und sie weiter verkaufen darf. Auch Denner in der Schweiz darf weiter verkaufen. Das Handelsgericht hatte das Verkaufsverbot im Januar erlassen, im März aufgrund einer Klage von Denner allerdings wieder aufgehoben. Dagegen hatten Nespresso vor dem Bundesgericht rekurriert und im Juni teilweise Recht bekommen. Damit war der Ball wieder beim Handelsgericht, welches erneut über das Verkaufsverbot entscheiden musste. In der Hauptklage wirft Nespresso Denner vor, Markenrechte zu verletzen, weil der Discounter eigene Kaffeekapseln vertreibt, die mit Nespresso-Kaffeemaschinen kompatibel sind. Nach zwei Tagen hat es sich bei Fust bereits wieder ausgekapselt: Die Kapseln von Caffè Vergnano dürfen in der Schweiz nicht verkauft werden. Nespresso hat sich vor Gericht hierzulande durchgesetzt. Caffè Vergnano siegt demgegenüber in Italien über Nestlé: Vor einem Turiner Gericht ist es dem Kapselhersteller gelungen, eine Patent-Klage von Nestlé abzuwehren. Bei Casa del Caffè Vergnano S.p.A. und ihrer Kapsel-Marke Èspresso 1882 liegt keine Verletzung von Nespresso-Patent- und Markenrechten vor. Die Kapseln werden in Italien und auch in Österreich verkauft. Nestlé hat nun auch Klage gegen die Migros eingereicht. Deren Nespresso-kompatible Kapseln namens Café Royal sollen ebenfalls Patentrechte von Nestlé verletzen. Die Zuger Firma Commotrade kündigt an, bis Ende September zwei Nespresso-kompatible Kapseln zu lancieren. Dem Vernehmen nach sind namhafte Detailhändler aus dem In- und Ausland interessiert. Der Detailhändler Spar nimmt die Pressogno-Kapsel ins Sortiment.

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Der Kaffeekapselkrieg geht in die nächste Runde: Ethical Coffee Company (ECC) hat Nespresso vor dem Pariser Handelsgericht wegen des Vorwurfs des unlauteren Wettbewerbs verklagt. Die Kampange werde einerseits direkt über den Club Nespresso geführt, andererseits indirekt über das Internet und über die Lieferanten von Kaffeemaschinen, beklagte sich Ethical Coffee am Mittwoch in einem Communiqué.

Das sei nicht das erste Mal, dass dieses Unternehmen solche und ähnliche Behauptungen formuliere, konterte Nespresso. Die Behauptungen seien nach einem Muster verfasst, dass sich immer wiederhole.

Nestlé wehrt sich

«Unsere Internetaktivitäten stehen im Einklang mit Vorschriften und Gesetzen», schreibt die Nestlé-Tochter: «Wir verwahren uns strengstens gegen die unbegründeten Aussagen.»

Die beiden Firmen kreuzen sich bereits seit einiger Zeit vor der Justiz die Klingen. Nespresso hat Klagen gegen ECC und andere Kaffeekapselhersteller eingereicht, um den Exklusivitätsanspruch seiner Kaffeekapseln gegen kompatible Produkte der Konkurrenz zu verteidigen. Nestlé sieht Markenrechte und Patente verletzt.

Im Juli hat allerdings das Bundesgericht in einem Fall das vorläufige Verkaufsverbot der Waadtländer Justiz für die Nespresso-kompatiblen Kaffeekapseln von ECC aufgehoben. Die Sache wurde ans Waadtländer Kantonsgericht zurückgeschickt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • root am 06.12.2012 00:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ethical Coffee in Kapseln?

    Ethik schliesst bei mir Umweltschutz mit ein und da versagen alle Kapsel, egal ob recyclet oder nicht. Kapseln sind zwar praktisch, ich bevorzuge aber den frisch gemahlenen Kaffee aus der (Kolben) Espressomaschine. Das gibt etwas mehr Aufwand, ein guter Espresso ist mir das aber allemal wert. Bei den Kapseln wäre es super wenn sich die Hersteller mal auf ein Format einigen könnten und Kaffee und Maschine unabhängig gekauft werden könnten, bei vielen anderen Sachen funktioniert das ja auch. ps: ich weiss schon das die Maschinen durch die Kapsel subventioniert werden, das müsste man halt ändern.

  • Carmine Padelli am 05.12.2012 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kaffee als Religion

    Lustig, wenn die ganzen "Nordländer" so von Kaffeekultur schwadronieren - was man hierzulande als Kultur bezeichnet, löst in Italien, Türkei oder Lateinamerika ein müdes lächeln aus! Kaffee muss in erster Linie schmecken und keine Ideologie sein - die Leute sind in der Schweiz viel zu verkrampft. Wenn man das Kapselzeugs mag und praktisch findet, gut dann halt. Früher regten sich die Leute über das "Ende der Kochkultur" auf, als die Mikrowelle aufkam. Die Zeiten ändern sich halt und in Italien trinken eh nur Touristen und Frauen nach 9 Uhr morgens etwas anderes als eine Espresso!

  • Roadrunner am 06.12.2012 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Es will sich mir nach wie vor nicht erschliessen, was man mit diesen Kapsel/Padsystemen will... im Endeffekt bekommt man da irgendeinen Kaffee und den hat man einfach zu nehmen - dafür kostets auch noch mehr. Im Endeffekt hat man selbst mit einem der profansten Vollautomaten besseren Kaffee für weniger Geld bei kaum höherem Aufwand, selbst dann wenn man nur 2 Tassen Kaffee am Tag trinkt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roadrunner am 06.12.2012 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Es will sich mir nach wie vor nicht erschliessen, was man mit diesen Kapsel/Padsystemen will... im Endeffekt bekommt man da irgendeinen Kaffee und den hat man einfach zu nehmen - dafür kostets auch noch mehr. Im Endeffekt hat man selbst mit einem der profansten Vollautomaten besseren Kaffee für weniger Geld bei kaum höherem Aufwand, selbst dann wenn man nur 2 Tassen Kaffee am Tag trinkt.

  • André Müller am 06.12.2012 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kaffeekultur? Lächelich

    Jeder Kaffeeröster, Kaffeebauer wird bestätigen, das man mit 5 Gramm Kaffeebohnen/Pulver keinen trinkbaren Kaffee machen kann. Nespresso oder besser gesagt Nestlè kann das. Warum wohl? Ich werde diese überbezahlte Chemiemischung ganz bestimmt nicht trinken. Kaffeekultur hat absolut nichts mit Nespresso zu tun!!

  • roman Thailand am 06.12.2012 03:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nespresso ist Genial

    ich habe in Thailand eine Maschine und auch die Kapseln kann ich immer gut mitnehmen von der Schweiz was ich nicht so toll finde sind Die Aroganten Verkäufer im Nespresso Shop in Luzern

  • root am 06.12.2012 00:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ethical Coffee in Kapseln?

    Ethik schliesst bei mir Umweltschutz mit ein und da versagen alle Kapsel, egal ob recyclet oder nicht. Kapseln sind zwar praktisch, ich bevorzuge aber den frisch gemahlenen Kaffee aus der (Kolben) Espressomaschine. Das gibt etwas mehr Aufwand, ein guter Espresso ist mir das aber allemal wert. Bei den Kapseln wäre es super wenn sich die Hersteller mal auf ein Format einigen könnten und Kaffee und Maschine unabhängig gekauft werden könnten, bei vielen anderen Sachen funktioniert das ja auch. ps: ich weiss schon das die Maschinen durch die Kapsel subventioniert werden, das müsste man halt ändern.

  • Higghens am 06.12.2012 00:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nestle ihr seid selbstschuld

    Ich kann die Nespresso Maschinen im Laden kaufen, hab ich auch gemacht, doch Kaffee von Nespresso nicht. Ich muss es mühsam bestellen im Club. Na was wurde mir empfohlen. Gehen sie doch zum Denner oder Migros die haben das. Also Nestle euer Vertriebssytem ist krank. Such doch mal den Grund zuerst bei euch