Frei gewordene Zeit

16. April 2018 10:48; Akt: 16.04.2018 10:48 Print

Facebook und Netflix wollen ins autonome Auto

Dank dem autonomen Auto haben Konsumenten mehr Zeit, um die die Autobauer mit Facebook und Co. kämpfen. Den Vorteil haben die Tech-Unternehmen.

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Autobauer und Medienunternehmen sind auf die durch selbstfahrende Autos gesparte Zeit scharf. «Jährlich – jeder Content-Hersteller kennt diese Zahl», so Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an HSG. Der Experte spricht von einem «». Ein Beispiel dafür sei, dass Autohersteller versuchen, mit ihren eigenen Lösungen den Ortungsdienst von Google Maps zu übertrumpfen. Die Fahrzeughersteller scheinen allerdings zu sein, was die Aufmerksamkeit der Insassen des autonomen Autos betrifft: «Wer will schon Renault-, Toyota- oder Volkswagen-TV sehen?», fragt der Experte von der HSG. Die Passagiere würden Netflix oder Facebook im Fahrzeug wollen und via Google im Internet surfen. Den Herstellern bleibe nur übrig, eine Art ins Fahrzeug zu bauen, die es ihnen ermöglicht, für die Bereitstellung von Diensten einen Anteil von Anbietern wie etwa Netflix zu kassieren. Doch auch das dürfte schwierig werden. Für den Zugriff auf Facebook und Co. braucht es das Auto selbst schliesslich gar nicht: «Ich kann ja schon heute », so Herrmann. Autobauer hätten zudem den Nachteil, dass sie. Eine Möglichkeit wäre, dass Hersteller ihre Autos systematisch abriegeln, sodass auf Dienste zugegriffen werden kann. Herrmann glaubt jedoch nicht, dass sich das durchsetzen wird. An der Smartsuisse fand am Donnerstag eine Konferenz zum autonomen Fahren statt. (Im Bild: der Microlino an der Smartsuisse) Ökonom André Müller von Ecoplan präsentierte an der Smartsuisse einige Ergebnisse einer Ecoplan-Studie vorab: «Klar ist, dass automatisches Fahren einen riesigen volkswirtschaftlichen Nutzen bringt», so Müller. Zahlen wollte Müller keine nennen. Aus den Unterlagen des Ökonomen geht aber hervor, dass allein durch optimierte Stauvermeidung jährlich Milliarden von Franken gespart werden können. Zu den Referenten gehörten Vertreter verschiedener europäischer Länder. Ein Sprecher von da sich das Unternehmen wohl wegen des tödlichen Unfalls in Arizona Ende März lieber nicht zu autonomen Autos äussern wolle, wie Jörg Beckmann (im Bild), Direktor der Mobilitätsakademie des TCS, am Anfang der Veranstaltung sagte. «In acht bis zehn Jahren dürfte das automatische Fahren aus der Testphase herauskommen», schätzt Michael Nikowitz vom österreichischen Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Es sei schwierig, einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, da die neue Technologie so viele Facetten habe, dass auch simple Fragen schnell mal vergessen gehen – etwa: «Wer stellt beim selbstfahrenden Auto das Pannendreieck auf?» (Im Bild: der Shuttle von Postauto an der Smartsuisse) Nikowitz betont, dass gerade aufgrund der komplexen Zusammenhänge die. Vertreter zahlreicher Schweizer Unternehmen und Organisationen unterschrieben die von der Mobilitätsakademie des TCS lancierte Charta Automaticar. (Im Bild: Jürg Röthlisberger (r.), Direktor der Bundesamts für Strassen, unterzeichnet das Dokument. Neben ihm steht Jörg Beckmann, Direktor der Mobilitätsakademie.) Das Dokument formuliert die Grundsätze, nach denen das autonome Fahren vorangetrieben werden soll. Das sind die Unterzeichner der Charta Automaticar.

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Jedes Jahr verbringen Menschen weltweit etwa 400 Milliarden Stunden am Steuer. «Das ist eine gigantische Zahl und eine enorme Zeitverschwendung», sagt Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen (HSG). Wenn Autos lernen, selber zu fahren, wird somit eine riesige Menge Zeit frei, die den Menschen zur Verfügung steht. Um diese Zeit streiten sich Medienunternehmen, Autobauer, Internetfirmen und viele andere, ist Herrmann überzeugt.

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Der Grund für das Interesse der Unternehmen: Wenn man den Wert einer Stunde mit 5 Franken bewertet, ergibt sich ein Gesamtwert für diese Zeit am Steuer von 2 Billionen Franken weltweit. Das entspreche in etwa dem Umsatz, den alle Automobilunternehmen weltweit derzeit mit dem Verkauf von Autos machen.

Diese Summe gelte es nun, neu zu verteilen: «400 Milliarden Stunden – jeder Content-Hersteller kennt diese Zahl», so Herrmann. Die Autohersteller hätten aber auch gerne was davon, denn ihre Technologie ist es ja, die die freie Zeit überhaupt schafft.

Autobauer versuchen, Google zu übertrumpfen

Der Experte spricht von einem «Kampf um die Hoheit bei der Kommunikation und Navigation». Ein Beispiel dafür sei, dass Autohersteller versuchen, mit ihren eigenen Lösungen den Ortungsdienst von Google Maps zu übertrumpfen.

Die Fahrzeughersteller scheinen allerdings im Hintertreffen zu sein, was die Aufmerksamkeit der Insassen des autonomen Autos betrifft: «Wer will schon Renault-, Toyota- oder Volkswagen-TV sehen?», fragt der Experte von der HSG. Die Passagiere würden Netflix oder Facebook im Fahrzeug wollen und via Google im Internet surfen.

Hersteller wollen Anteil von Netflix und Co.

Der Markt für Unterhaltung sei bereits unter den Firmen verteilt. Den Autoherstellern bleibe nur übrig, eine Art virtuelle Tür ins Fahrzeug zu bauen, die es ihnen ermögliche, für die Bereitstellung von Diensten einen Anteil von Anbietern wie etwa Netflix zu kassieren.

Doch auch das dürfte schwierig werden. Für den Zugriff auf Facebook und Co. braucht es das Auto selbst schliesslich gar nicht: «Ich kann ja schon heute einfach mein Smartphone ins Auto mitnehmen – da kann der Hersteller überhaupt nichts dagegen unternehmen», so Herrmann. Der Experte sieht keine Chance, dass das smarte Angebot des Autos jemals besser sein könnte als das Smartphone selbst.

Die Erfahrung fehlt

Autobauer hätten zudem den Nachteil, dass sie gar keine Erfahrung mit Unterhaltungsprodukten haben. Firmen wie Netflix, die bereits heute darauf spezialisiert sind, hätten hier einen nahezu unüberwindlichen Vorsprung und können vom neuen Zeitkapital der Fahrzeuginsassen somit viel besser profitieren.

Eine Möglichkeit wäre, dass Hersteller ihre Autos systematisch abriegeln, sodass nur über das Fahrzeug selbst auf Dienste zugegriffen werden kann. Herrmann glaubt jedoch nicht, dass es ihnen gelingen wird, das Einfallstor der Medien ins Fahrzeug derart zu beherrschen und Bezahlmodelle durchzusetzen. Dafür wäre der Druck vom Markt zu gross: «Niemand würde ein Auto wollen, in dem man nicht auf Whatsapp kann», so Herrmann.

Manche Fahrzeughersteller arbeiten mit den Techunternehmen in gewissen Bereichen zusammen. So sind die Systeme vieler Autohersteller, darunter BMW, Ford und Volvo, mit Diensten wie Spotify kompatibel. Hersteller profitieren, wenn Kunden den Datenplan des Herstellers nutzen.


Selbstfahrende Autos sollen nicht nur der Bequemlichkeit dienen, sondern auch die Armut in Grossstädten lindern. (Video: SDA)

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sven E. am 16.04.2018 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    400 Mia. Stunden am Steuer moegen

    sehr wohl eine "enorme Zeitverschwendung" sein. Diese Zeit mit Facebook zu verbringen, allerdings noch sehr viel mehr.

  • Max Payne am 16.04.2018 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Verschwendete Zeit?

    Eigentlich möchte ich im Auto autofahren. Auf mich wirkt das sehr beruhigend. Hat etwas meditatives für mich. Klar für Pendler oder Termingestresste ist es weniger toll. Aber ich lebe das Autofahren richtiggehend, mir gibt es viel, am liebsten beim sogennannten Scenic Driving. Und na klar kommt das autonome Auto. Aber im Ernst. Da ist es doch nur eine Frage der Zeit bis man dann arbeiten sollte in dieser Zeit und zwischendurch konsumieren. Naja also noch mehr Stress bei den gestressten. Und dabei noch schön überwacht werden. Ist es das was wir wollen oder ist es das was die Wirtschaft will?

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  • Maler50 am 16.04.2018 11:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na klar

    Klar, wollen diese Firmen dies dann für sich nutzen.Wenns soweit ist wird der "Autofahrer" diese Zeit für verschiedensten Aktivitäten nutzen,je nach Bedürfnis.Dazu gehört auch z.B. sich die Landschaft zu betrachten usw.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Phoenix 007 am 17.04.2018 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit fahren Geld verdienen

    Alle Handwerker,Buschaffeur,Taxichaffeur, etc. verdienen unteranderem so ihre Brötchen. Grössere Firmen haben Chaffeure, glaub nicht das der Chef nur mit fährt und nichts tut.

  • Barbel label am 17.04.2018 01:44 Report Diesen Beitrag melden

    I want Money

    Ich werde der erste sein, der sich hinter einer ecke versteckt und auf so ein auto wartet damit ich angefahren werde.

  • Marc am 16.04.2018 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur langsam

    Ich hoffe doch das es noch lange dauert, wir ssind noch weit davon entfernt. Da ich mir aber onehin kein neues auto leisten kann habe ich wohl noch lange zeit. aktuell fühle ich mich ziemlich unwohl dem auto die kontrolle zu geben. ich habe aktuell noch nicht mal spurassistenz und distanzkontrolle und will es auch nicht.

  • AEB am 16.04.2018 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweiräder?

    Wie sieht es eigentlich mit Motorrädern und rollern aus? Sind die in der Sklaven Welt noch zugelassen? Wird schwieriger diese selbstfahrend zu machen und wären für mich eine Option um noch ein wenig Freiheit zu haben.....

  • Dani am 16.04.2018 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz tolle Idee

    In dieser Umfrage fehlt eine Antwort: den Verkehr beobachten und nötigenfalls eingreifen falls die Technik versagen sollte.

    • marko 33 am 16.04.2018 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Krass

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