Freiburg

31. August 2010 08:47; Akt: 31.08.2010 18:51 Print

Feldschlösschen macht Cardinal dichtFeldschlösschen macht Cardinal dicht

Der traditionsreichen Brauerei wird per Juni 2011 der Hahn zugedreht. Das gleichnamige Bier wird aber weiterhin produziert – im Aargau. Die Reaktionen bleiben nicht aus.

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Wie Feldschlösschen zum Bier-Riesen wurde: 1876 wurde in Rheinfelden AG erstmals Feldschlösschen-Bier gebraut. Bereits in der Anfangszeit schlossen sich ihr laut offizieller Firmengeschichte diverse Kleinstbrauereien an. 1970 übernahm Feldschlösschen die Brauerei Gurten in Wabern BE. 1972 folgte Walliser Bier in Sitten VS. 1988 kaufte die Aargauer Brauerei den Bierproduzenten Warteck in Basel. Im gleichen Jahr kam auch die Luzerner Brauerei Hochdorf unter die Fittiche von Feldschlösschen. Der Hochdorf-Brauereibetrieb wurde 1991 eingestellt. 1991 übernahm Feldschlösschen die Freiburger Sibra (Cardinal), damals die Nummer zwei in der Schweiz. Am 14. Mai 1996 fusionierte Feldschlösschen mit Hürlimann zum Schweizer Biergiganten mit einem Marktanteil von 54 Prozent. Die Brauerei Hürlimann hatte ihrerseits 1984 die Zürcher Löwenbräu übernommen. Im Herbst 1996 kommt es zur grossen Brauereischliessungswelle. Feldschlösschen gibt das Produktionsende von Hürlimann in Zürich ... ... Gurten in Wabern ... ... und Cardinal in Freiburg bekannt. Das liessen sich die Angestellten von Cardinal nicht gefallen und gingen mit viel Unterstützung der lokalen Politik auf die Strasse. Mit Erfolg. 1998 einigte man sich auf eine reduzierte Weiterführung der Produktion von Cardinal-Bier. Dies feierten die Cardinal-Mitarbeiter, zusammen mit der Geschäftsleitung und Vertretern der Freiburger Behörden am 8. Mai 1998 mit einem grossen Fest. Dann wurde Feldschlösschen 2000 vom viertgrössten Bierkonzern der Welt, der dänischen Carlsberg, übernommen. Die Konzernleitung in Kopenhagen hatte kein Erbarmen mehr mit dem Standort Freiburg. Am 31. August 2010 wurde das endgültige Ende der dortigen Cardinal-Produktion kommuniziert. Damit braut die Feldschlösschen-Gruppe, die seit ihrer Gründung 36 Brauereien übernommen hat, noch an zwei Standorten Bier: Im Stammhaus in Rheinfelden und in Sitten, wo unter anderem die Walliser Biermarke Blonde 25 hergestellt wird.

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57 der Angestellten in Freiburg erhalten von der Feldschlösschen- Gruppe, zu der Cardinal gehört, in den nächsten Tagen ein Angebot für eine neue Stelle. Die übrigen 18 werden vorzeitig pensioniert, wie Feldschlösschen-Chef Thomas Metzger am Dienstag in Freiburg vor den Medien bekanntgab. Nach der Schliessung will Feldschlösschen das Areal in Freiburg verkaufen.

Folge eines dänischen Entscheids

Feldschlösschen begründet den Entscheid mit einem Beschluss der Carlsberg-Gruppe, zu der die Schweizer Nummer 1 im Biergeschäft seit 2000 gehört. Das dänische Mutterhaus habe entschieden, die bisher in Rheinfelden angesiedelte Produktion von alkoholfreiem Exportbier ins Elsass zu Kronenbourg zu verlagern.

Hinter diesem Entscheid stehen laut Metzger die Globalisierung des Handels, der damit steigende Druck auf die Profitabilität, der rückläufige Bier-Konsum in Westeuropa und Überkapazitäten in diesem Gebiet. Kronenbourg könne zudem billiger produzieren als Feldschlösschen, sagte Metzger auch.

Dazu kommt, dass bei Cardinal in den letzten Jahren die Anlagen nur zu 40 Prozent ausgelastet waren.

In dieser Situation habe es betriebswirtschaftlich gesehen nichts anderes gegeben, als die Bierproduktion in Rheinfelden zu konzentrieren, so Metzger. Die ins Elsass ausgelagerte Bierproduktion entspricht etwa der bisher in Freiburg gebrauten Menge.

An der Marke Cardinal - der Nummer 2 in der Schweiz - will Feldschlösschen nicht rütteln: Cardinal bleibe «ein wichtiger Pfeiler im umfassenden Bierportfolio», teilte das Aargauer Unternehmen mit. Die zahlreichen Sponsoringverträge von Cardinal würden weitergeführt.

Um in Freiburg Entlassungen zu vermeiden, werde es auch an anderen Unternehmensstandorten in der Schweiz zu vorzeitigen Pensionierungen kommen. Kündigungen könnten vermieden werden, wenn die Freiburger Angestellten die Jobangebote in Rheinfelden und an anderen Standorten annänhmen.

Schockiert

Der Freiburger Staatsrat reagierte überrascht und schockiert. Die Kantonsregierung wird die Geschäftsleitung von Feldschlösschen auffordern, auf die Schliessung der Brauerei Cardinal per Juni 2011 zu verzichten, wie Staatsratspräsident Beat Vonlanthen am Dienstag bekanntgab.

Auch die Freiburger Stadtregierung wollte den Entscheid noch am Dienstag besprechen und rasch mit Vertretern von Feldschlösschen zusammensitzen. Der Freiburger Stadtammann Pierre-Alain Clément (SP) führte den Entscheid in einer ersten Stellungnahme auf die Globalisierung zurück. Er hoffe, dass es zu keinen Kündigungen komme, sagte Clément der Nachrichtenagentur SDA.

Der Freiburger Gemeinderat drückte den Angestellten von Cardinal seine Anteilnahme über den «unvermeidlichen Entscheid» aus.

Das Personal der Brauerei Cardinal ist laut der Gewerkschaft Unia «schockiert». Die Mehrheit der Angestellten traf sich am Dienstagnachmittag zu einer Aussprache. Kampfmassnahmen wurden nicht beschlossen.

Hingegen fordere die Belegschaft Feldschlösschen auf, wie bei einer Massenentlassung das Personal zu konsultieren, sagte der Unia- Gewerkschaftssekretär Armand Jaquier. Das bedeutet, dass die Cardinal-Belegschaft das Recht haben will, bis in vier Wochen Feldschlösschen Alternativen zur Schliessung vorlegen zu können.

Auf Facebook bildete sich umgehend eine Gruppe «Cardinal gehört Freiburg», die am Dienstagabend bereits 500 Mitglieder hatte.

Schon 1996 drohte Cardinal Schliessung

Im Vergleich zu 1996, als Feldschlösschen - damals noch als Feldschlösschen-Hürlimann-Holding - schon einmal Cardinal schliessen wollte, hätten sich die Verhältnisse geändert, sagte der Freiburger Stadtamman Clément weiter. Dies, da Feldschlösschen nun seinerseits eine Tochtergesellschaft sei.

1996 war bei Cardinal der Abbau von 200 der damals 300 Stellen geplant. Kurze Zeit später protestierten in der Saanestadt 10'000 Menschen auf der Strasse gegen den Entscheid. 80'000 unterzeichneten eine Petition an Feldschlösschen. Danach nahm das Aargauer Unternehmen den Beschluss zurück.

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(Video: Keystone)

(sda)

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  • Fritz Meyer am 01.09.2010 01:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt das GEN-Bier Cardinal aus der EU

    Das ist typisch Globalisierung. Kaufe eine gut laufende Marke auf (Konkurenz) und lege sie nach ein paar Jahren still. Aussderdem wird es möglich Bier mit Gen-manipulierten Weizen in der EU zu brauen (nein, das ist keine Verletzung des Reinheitgebots.) Dazu kommt, dass das Bier jetzt in die Schweiz gekarrt werden muss. Für mich ist klar: Kein Cardinal Bier mehr! Ist nicht wichtig, denn es gibt viele gute lokale Biere, die es zu entdecken gilt. Interessant wird, an wen die Brauerei verkauft wird.

  • Othmar Röösli am 01.09.2010 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    Cardinal

    ab 2011 kommt kein Cardinal mehr in mein Einkaufswagen

    • Daniel am 01.09.2010 20:30 Report Diesen Beitrag melden

      na und?

      was bringt das? Das ist Carlsberg völlig egal. Umsatz und Rendite zählt, alles andere ist unwichtig. Das ist leider die traurige Wahrheit.

    einklappen einklappen
  • R.Gg am 31.08.2010 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder

    Ich wahr 1996 als ehemaliger Hürlimann Mitarbeiter auch betroffen. Ich hoffe die Cardinal Mitarbeiter finden schnell eine neue Stelle!

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