US-Professor

18. Juli 2015 14:51; Akt: 18.07.2015 14:51 Print

Finanzforschung soll Hokuspokus sein

Die Finanzforschung an Unis ist ein Schwindel – eher Glückssache als Wissenschaft. Mit dieser Aussage provoziert ein amerikanischer Professor.

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Ausgerechnet ein Finanzprofessor kritisiert die Finanzforschung: Campbell Harvey. (Bild: twitter.com)

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Wenn man viel versucht, klappt irgendetwas rein zufällig: Auf diese Wahrscheinlichkeitsaussage sollen sich auch Wissenschaftler im Bereich der akademischen Finanzforschung verlassen. Laut Campbell Harvey, Finanzprofessor an der amerikanischen Duke University in Durham, sind nämlich die meisten Forschungsartikel zu Finanzmarktfragen fehlerhaft, wie er zur «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» sagt. Viele der in den Forschungsergebnissen behaupteten Zusammenhänge seien rein zufällig zustande gekommen. Dies erkläre auch, warum manche aufgrund dieser Resultate geschaffenen und glorifizierten Finanzprodukte am Ende die Erwartungen nicht erfüllen.

Unbegründet lässt der US-Professor seine Behauptung nicht. Von 296 Erkenntnissen aus der Finanzwissenschaft seit 1964 hätten höchstens drei Viertel, eher nur die Hälfte Bestand. Gebe man nämlich 10'000 Anlegern eine Indexprognose, würde die eine Hälfte steigende Kurse prophezeien, die andere hingegen fallende. Die, die schliesslich das Richtige gesagt haben, würden schnell als allwissende Gurus gelten – ohne dass sie auch nur den Hauch einer Ahnung hätten.

Auch medizinische Forschungen beruhen auf Glück

Aber nicht nur in der Finanzbranche kennt man solche Probleme. In der Physik oder der Biomedizin hat man – um sich auf keine Zufallsergebnisse mehr abstützen zu müssen – die Testschranken deutlich erhöht. In der Finanzforschung ist dies momentan noch nicht der Fall. Würde es nach Professor Harvey gehen, müssten auch hier die Schranken erhöht werden: «Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es einen Unterschied zwischen der natur- und der finanzwissenschaftlichen Forschung gibt», wird Harvey zitiert.

Wie soll man den wissenschaftlichen Artikeln nun noch trauen? Harvey, der nicht nur Professor ist, sondern auch den Hedgefonds-Anbieter Man Group in der Investmentstrategie berät, hat Ratschläge bereit. Professionelle Investoren sollten in Qualität investieren, meint er. Ausserdem sollten sie Portfoliomanager wählen, die grössere Hürden bei der Auswahl ihrer Investmentstrategie anlegen. Privatanleger sollten sich ein diversifiziertes global aufgestelltes Depot zulegen und damit zufriedengeben, was der Markt hergibt, so Harvey zur «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Logiker am 18.07.2015 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Müssten finanzforscher nicht alle multimilliardäre sein, wenn sie sich so gut auskennen?

    einklappen einklappen
  • TenioLatev am 18.07.2015 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich spricht einer das aus, was unter insider schon seit jahrzehten bekannt ist.

  • Albert am 18.07.2015 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glücksspielprinzip

    Sehe ich auch so, Finanzforschung ist eher als Bestätigung zur Chaostheorie zu betrachten!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Unknown am 20.07.2015 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hat Recht!

    Es tut mir auch leid, aber der gute Mann hat Recht. Finanzforschung ist die Clown-Disziplin unter den Wissenschaften. Nichts ist so abstrakt und unwillkürlich wie diese Branche. Ich habe viele Jahre lang IT Systeme für die Finanzbranche entwickelt und weiss von was ich schreibe. Alles Hokuspokus.

  • Tina am 19.07.2015 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrödinger's cat

    Es ist bekannt, dass in der Finanzwelt eine These oder Idee nur kurz hält, da wenn erfolgreich, sofort kopiert und so die Ausgangslage und Erfolg ändert. somit hat er recht und unrecht und das weiss jeder professionelle Investor. Das heisst aber nicht, das Forschung nichts bringt, sondern nur, dass die Verhaltenszenarien besser eingebunden werden müssten.

  • georgos am 19.07.2015 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oups!?!

    Hat denn schon irgendjemand behauptet, dass wirtschaftliche Abläufe wissenschaftlich erfassbar wären. Adam Smith hat da genauso Schiffbruch erlitten wie Karl Marx. Nur die BWLer glauben noch daran.

  • Peter(TOO) am 19.07.2015 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Herbeireden ...

    Es gibt an der Börse zwei Probleme: 1. Ein Versuch lässt sich grundsätzlich nicht wiederholen. Wenn ich z.B. Aktie A beobachte, kann ich nicht alles wieder auf Anfang setzen und sehen ob es beim 2ten mal gleich verläuft. 2. Wenn irgend ein Guru behauptet, dass Aktie B steigen wird, steigt diese auch! Nicht aus tatsächlichen gründen, sondern nur weil dessen Anhänger dann diese Aktie kaufen ....

  • Tim X. am 19.07.2015 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Finanzforscher

    kommen aus Griechenland. Dass kann ja kein Zufall sein??