Kampf um Berufseinsteiger

18. April 2017 21:12; Akt: 18.04.2017 21:12 Print

Firmen jagen auf Snapchat nach jungen Talenten

von P. Michel - Schweizer Unternehmen werben mit Videos von sogenannten Influencern für ihre Stellen. Andere Firmen rekrutieren gar direkt via Snapchat.

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Ein kreatives Job-Inserat reicht heute nicht mehr, um die Jungen bei der Stellensuche abzuholen. Firmen buhlen darum auch im Internet um junge Berufseinsteiger. Login, der Berufsbildungspartner für Verkehrsberufe, bewirbt seine Lehrstellen etwa in Videos, in denen sich der beliebte Schweizer Youtuber Rash Junior als Zugbegleiter oder Automatiker probiert – und diese Posts als sogenannter Influencer dann mit seinen knapp 83'000 Fans auf Instagram teilt. Janine Abt von Login ist überzeugt, dass es künftig noch wichtiger wird, bei der Rekrutierung von Lernenden auf Social Media zu setzen. «Wir müssen dort präsent sein, wo die Jungen ihre Zeit verbringen.» Auch die Firma Localsearch setzt auf Social Media, um ihre Stellen zu besetzen. Letzten Herbst schrieb sie eine Stelle als Mediamatiker per Snapchat aus. Bewerber konnten sich mit kurzen Videos vorstellen und erklären, warum sie die Stelle möchten. «Da gute Mediamatiker auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind, ist es anspruchsvoll, Top-Kandidaten zu finden», erklärt Personalchefin Michaela Trelle. Snapchat sei darum besonders attraktiv, um junge Leute mit diesem Profil zu erreichen. Ein weiterer Vorteil in den Snapchat-Vorstellungsvideos ist für Trelle die Vorauswahl. «Auf die Mediamatiker-Stelle erhielten wir über Snapchat zwar nur drei Bewerbungen, dafür qualitativ hochwertige.» Das sei wertvoller als hundert Bewerbungen nach einer Annonce auf einer Online-Job-Plattform, von denen in der Regel viele nicht dem Stellenprofil entsprächen.

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Der Kampf um talentierte Berufseinsteiger oder angehende Lehrlinge ist gross. Doch während bisher ein kreatives Job-Inserat oder der Lehrstellen-Infotag reichte, um potenzielle Bewerber abzuholen, rekrutieren Firmen ihre Mitarbeiter jetzt zunehmend in den sozialen Medien. Der deutsche Lebensmittelhändler Rewe etwa buhlt auf Snapchat um junge Bewerber für seine Lehrstellen, beim australischen Ableger von McDonald's können sich neue Mitarbeiter in einem kurzen Snapchat-Video vorstellen.

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Auch Schweizer Firmen sind auf den sozialen Plattformen aktiv: Login, der Berufsbildungspartner für Verkehrsberufe, bewirbt seine Lehrstellen auf diversen Kanälen. Dabei sind etwa Videos, in denen sich der Schweizer Youtuber Rash Junior als Zugbegleiter oder Automatiker versucht – und diese Posts als sogenannter Influencer dann mit seinen knapp 83'000 Fans auf Instagram teilt.

Login setzt auf junge Influencer

«Wir haben Rash gewählt, weil er bei unserer Zielgruppe der unter 20-Jährigen als sehr authentisch rüberkommt und eine hohe Präsenz geniesst», erklärt Janine Abt, Sprecherin von Login, auf Anfrage von 20 Minuten.

Zwar habe es bisher keine Bewerbungen gegeben, die konkret zu den Social-Media-Aktivitäten Bezug genommen hätten. Trotzdem ist man bei Login überzeugt, dass es künftig noch wichtiger wird, bei der Rekrutierung von Lernenden auf Social Media zu setzen. «Wir müssen dort präsent sein, wo die Jungen ihre Zeit verbringen», so Abt.

Auch Simon Künzler von der Social-Media-Agentur Xeit verweist auf das Potenzial der Rekrutierung via soziale Medien: «Die Generation Z informiert sich kaum mehr durch Inserate über mögliche Karrieren oder offene Stellen.»

Social-Media als Lösung für den Lehrlingsmangel?

Besonders bei Berufen, die bei den Schulabgängern zurzeit weniger gefragt sind, könnte die Werbung in den sozialen Medien wirken. «Bei Gleisbauern oder Netzelektrikern haben wir teils Mühe, die Lehrstellen zu besetzen», sagt Janine Abt. Da könne es eine Chance sein, via Social-Media-Botschafter auf das Potenzial dieser Berufe hinzuweisen.

Auch die Firma Localsearch setzt auf Social Media, um ihre Stellen zu besetzen. Letzten Herbst schrieb sie eine Stelle als Mediamatiker per Snapchat aus. Bewerber konnten sich mit kurzen Videos vorstellen und erklären, warum sie die Stelle möchten.

«Da gute Mediamatiker auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind, ist es anspruchsvoll, Top-Kandidaten zu finden», erklärt Personalchefin Michaela Trelle. Snapchat sei darum besonders attraktiv, um junge Leute mit diesem Profil zu erreichen. Zudem könne sich die Firma ihrerseits als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Localsearch etwa zeigte im Snapchat-Aufruf ihre Cafeteria mit Tischfussball.

«Snapchat-Video ist wertvoller als hundert normale Bewerbungen»

Ein weiterer Vorteil in den kurzen Snapchat-Vorstellungsvideos ist für Personalchefin Trelle die Vorauswahl. «Auf die Mediamatiker-Stelle erhielten wir über Snapchat zwar nur drei Bewerbungen, dafür qualitativ hochwertige.» Das sei wertvoller als hundert Bewerbungen nach einer Annonce auf einer Online-Job-Plattform, von denen in der Regel viele nicht dem Stellenprofil entsprächen.

Schliesslich stellte Localsearch eine der drei Snapchat-Bewerber letzten Oktober ein. Und aufgrund des Erfolgs plant die Firma weiterhin, Stellen auf diesem Weg und in anderen Social-Media-Kanälen auszuschreiben. «Gerade bei Berufen, bei denen die qualifizierten Fachkräfte schwer zu finden sind und digitales Know-how gefragt ist, werden wir künftig auf Snapchat rekrutieren.» Trelle ist überzeugt: «Als innovative Firma kann man es sich künftig nicht mehr leisten, auf Social Media bei der Personalsuche zu verzichten.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Crazy am 19.04.2017 01:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie langsam peinlich

    Alle machen auf jung, gibt einem dass Gefühl wie die Eltern cool sein wollen, aber letztendlich nur sich und alle beteiligte blamiert.

  • Andreas Dietrich am 18.04.2017 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Und was tun die dann?

    Von den 8.5 Stunden Arbeitszeit verbringen die hochgelobten Talente dann 3.5 Std. privat auf Snapchat, 1 Std. auf Twitter, 2 Stunden mit ihrer Freizeitorganisation auf WhatsApp und 1.5 auf Facebook. Ach ja und der Rest ist Arbeitspause.

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  • Jürg n am 19.04.2017 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte welt

    Eigentlich müssten sich doch die jungen um eine lehrstelle bemühen und nicht die lehrbetriebe um lehrlinge. Ich verstehe die jugend schon jetzt nicht mehr und bin gerade mal 30 :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pierre am 19.04.2017 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    versnopter Blödsinn

    Es braucht motivierte und lernwillige junge Leute, die anpacken können und wollen. Talent ist nicht das Wichtigste.

  • Fraz am 19.04.2017 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was will man eigentlich?

    Schon seltsam. In den Schulen werden alle gleichgeschaltet, ungeachtet ihrer Talente und nach der Schule will man plötzlich Talente haben? Was läuft da gewaltig schief? Talentierte hätte es mehr als genug aber zur Kenntnis nehmen will man sie dann doch nicht. Ausser sie haben das Glück und genügen dem Einheitsbrei in unseren Schulen. Tja, individuell fördern dort wo das Talent liegt, das ist die Lösung.

  • Martin am 19.04.2017 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ähm

    Und was ist mit Menschen, die vielleicht nicht hochbegabt sind und einen IQ von 200 haben? Für die normalen Menschen? Man tut so als wäre Arbeit nur für Supermenschen vorbestimmt! Kommt mir so vor wie "A brave new world".

  • Vo de Neue Medie am 19.04.2017 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Falsch.

    Mediamatiker? Gesucht?? Wo??? Und welche? Die bei der Bank gelernt haben oder - so wie ich - in der Werbung? Und wieso fragen die Personaler noch immer, was das sei, wenn ich mich als Mediamatiker bewerbe?

  • Manu am 19.04.2017 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Normalos

    Nur zur Erinnerung: Es brauchen nicht nur sogenannte "Talente" eine Arbeitsstelle, sondern auch die ganz "normalen".

    • TheRealSchnauz am 19.04.2017 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manu

      Tja die Welt ebtwickelt sich in diese Richtung. Frage mich was in Zukunft mit den weniger Intelligenten passiert?

    • Lucky Luciano am 19.04.2017 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @TheRealSchnauz

      Sehr wahrscheinlich dass gleiche wie mit Louis XVI und Marie Antoinette, irgendwann werden sich die normalen Leute kein Brot mehr leisten können und dann wird halt wieder ausgemistet haha.

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