Schlechte Zahlungsmoral

06. Dezember 2012 07:08; Akt: 06.12.2012 10:14 Print

Firmen lassen Rechnungen lange liegen

Schweizer Unternehmen zahlen selten pünktlich. Fast die Hälfte der Rechnungen werden nach Ablauf der Zahlungsfrist beglichen. Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur.

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Die Schweiz ist ein reiches Land mit einer starken Wirtschaft. Erfahren Sie in der Bildstrecke das wichtigste über die Helvetische Ökonomie. In der Schweiz arbeiten gut 4,7 Millionen Menschen oder fast 60 Prozent der Wohnbevölkerung. Die Einwohner werden laut Hochrechnungen in den kommenden Tagen die 8-Millionen-Grenze knacken. Fast 23 Prozent der Wohnbevölkerung oder rund 1,8 Millionen sind Ausländer. Von den etwas mehr als 4,7 Millionen Erwerbstätigen arbeitet die grosse Mehrheit im Dienstleistungssektor: 73,7 Prozent oder etwa 3,5 Millionen Menschen erbringen Dienstleistungen. Die meisten von ihnen sind im Handel tätig, gefolgt von Banken und Versicherungen sowie der Gastronomie und Hotellerie. Im Dienstleistungssektor inbegriffen sind auch die knapp 200 000 Menschen, die in der öffentlichen Verwaltung arbeiten. Das sind 4,2 Prozent der Erwerbstätigen. Mittlerweile arbeiten nur noch 167 000 Einwohner der Schweiz in der Landwirtschaft. Das sind 3,5 Prozent. Es arbeiten also mehr Leute für den Bund als auf unseren Äckern. Im zweiten Sektor, also der Industrie und dem Gewerbe, arbeiten etwas mehr als eine Million Menschen oder 22,8 Prozent der Erwerbstätigen. Fast ein Drittel davon sind Bauarbeiter, und je etwa 10 Prozent arbeiten in der Uhrenmanufaktur, der Metallverarbeitung sowie in der Maschinen- und Fahrzeugindustrie. 6,5 Prozent halten die lukrative Pharma- und Chemiebranche am Laufen. Stimmt, die sollen nicht vergessen gehen: In der Bankindustrie und bei Versicherungen arbeiten etwa 258 000 Menschen, also etwa jeder zwanzigste Erwerbstätige. Die gut 4,7 Millionen Arbeitstätigen erwirtschafteten 2011 ein Bruttoinlandprodukt von 564,8 Milliarden Franken. Jeder Erwerbstätige trug also im Durchschnitt rund 120 000 Franken zur Schweizer Wirtschaftsleistung bei! Das Bruttonationaleinkommen also die Summe des Wertes des von den Schweizern im In- und Ausland erzielte Einkommen aus Arbeit und Kapital belief sich 2011 auf 601 Milliarden Franken. Darin mit einberechnet sind die Einkommen der Schweizer im Ausland (119,6 Milliarden), abgezogen werden dagegen die Einkommen der Ausländer in der Schweiz (82,2 Milliarden). Der private Konsum der Schweiz belief sich 2011 auf 323,6 Milliarden Franken. Jeder der damals 7,95 Millionen Einwohner gab also im Durchschnitt etwas mehr als 40 000 Franken aus. Der öffentliche Konsum (also die Ausgaben des Bundes für die Reinigung von Strassen, den Bau von Sporthallen etc.) belief sich auf 64,9 Milliarden Franken oder 8160 Franken pro Kopf. Die Schweiz hat 2011 Güter im Wert von 208 Milliarden Franken und Dienstleistungen im Wert von 90 Milliarden Franken exportiert. Das ist deutlich mehr als wir importiert haben. Insgesamt haben wir Güter im Wert von 189 Milliarden und Dienstleistungen im Wert von 45 Milliarden eingeführt. Unter dem Strich bleibt ein Plus von 64 Milliarden Franken, was fast genau dem öffentlichen Konsum entspricht. Besonders beliebt sind unsere Güter und Dienstleistungen bei den Deutschen. Sie konsumieren mehr als ein Fünftel unserer Ausfuhren. Nummer Zwei unter den Fans der Schweizer Qualität sind die Amerikaner, die 10 Prozent unserer Ausfuhren bezahlen. Auf den nächsten Rängen folgen Italien, Frankreich, England, China und Japan. Am beliebtesten sind im Ausland unsere Chemikalien (74,6 Milliarden Franken), unsere Uhren, der Schmuck und die Präzisionsinstrumente (41,1 Milliarden Franken) sowie unsere Maschinen und Elektronik (36,9 Milliarden Franken). Das ist er, ja. Die Verschuldung des Bundes beträgt 110,5 Milliarden Franken oder 13 897 Franken pro Kopf der Bevölkerung. Die Verschuldungsquote sinkt seit 2009 leicht. Damals betrug sie 110,9 Milliarden bzw. 14 247 Franken pro Kopf. Es ist viel Geld, genau gesagt beträgt die Bilanzsumme der in der Schweiz ansässigen Banken gut 2700 Milliarden Franken. Wenn sämtliche Schweizer nichts ausgeben würden (auch keine Steuern oder sonstige Abgaben), müssten sie viereinhalb Jahre sparen, um diesen Betrag zu erreichen. Das kann man nur von den börsenkotierten Unternehmen mit Gewissheit sagen. Der Schweizerische Aktienindex SPI, der alle Schweizer Aktien umfasst, ist 5343 Milliarden Franken wert. Würden wir also all unsere Firmen verkaufen, könnten wir fast zehn Jahre Ferien machen, bis uns das Geld ausginge. (Das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz liegt bei 564 Milliarden.)

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Schweizer Unternehmen zahlen Rechnungen alles andere als pünktlich. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres sind gemäss des Wirtschaftsinformationsdienstes Dun & Bradstreet (D&B) durchschnittlich 44 Prozent der Rechnungen nach der gesetzten Frist bezahlt worden.

Firmen der Chemie- und Pharmabranche zahlten gar über drei Viertel der Forderungen zu spät, wie eine am Donnerstag publizierte Auswertung von über 20 Millionen Rechnungen durch D&B zeigte. Holding- und Investmentgesellschaften beglichen demnach rund 65 Prozent der Rechnungen verspätet, Gastgewerbebetriebe 57 Prozent und Baufirmen 56 Prozent.

Die Gründe für die Verspätung sind allerdings unterschiedlich. So gebe es in der Chemie- und Pharmabranchen sowie bei Holdinggesellschaften oft ein professionelles Liquiditätsmanagement. Bei diesem werden eigene Forderungen möglichst schnell gestellt und Rechnungen möglichst spät beglichen, mutmasst D&B.

Mangelhafte Liquidität in Bau- und Gastrogewerbe

Im Gastgewerbe und in der Baubranche mangle es dagegen oft an der Liquidität für raschere Überweisungen.

Das zeigt sich auch darin, mit wie viel Verzug die Zahlungen getätigt werden. So beträgt die durchschnittliche Frist der zu spät bezahlten Rechnungen in der Chemie- und Pharmabranche 8,9 Tage. Bei Holdinggesellschaften ist sie mit 7,6 Tagen sogar noch kleiner. Bei Baufirmen betrug der Durchschnittsverzug fast 13 Tage, im Gastgewerbe fast 14 Tage.

Die beste Zahlungsmoral aller Branchen zeigen die Personalvermittler und Detailhändler. Sie zahlten gemäss der Erhebung von D&B nur 28 respektive knapp 30 Prozent der Rechnungen mit Verzug. Auch Grosshandelsunternehmen und in der Textilbranche tätige Firmen erledigten rund 6 von 10 Rechnungen pünktlich.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs L. am 07.12.2012 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Staat fehlt

    Der schlimmste Zahler ist jedoch der Staat. 90 Tage sind durchaus als normal anzusehen. Grund unsere Beamten sind ja so überlastet. Gerade im Baugewerbe führt dies dann zum Verzug aller weiteren Zahlungen durch die Firmen.

  • marius am 06.12.2012 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unfair

    und privatpersonen werden gebüsst wenn sie ihre kreditkarten rechnung nur einen tag zu spät zahlen

  • Thomas am 06.12.2012 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Fiese Tricks

    Die beliebteste Masche ist, eine Rechnung 30 Tage zu behalten und dann mit einer fadenscheinigen Bitte um Korrektur zurückzuschicken (zB Postfach statt Strasse) Bei versendeten Rechnungen starke Vordatierung. Manchmal hat man das Gefühl die Post brauche 10 Tage und mehr zum Ausliefern einer Rechnung.

  • Peter Rechsteiner am 06.12.2012 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grossfirmen

    Grossformen wie Novartis, Roche oder auch der Staat sind die schlimmsten!! Man muss alles vorfinanzieren und wartet bis zu 6 Monate auf sein Geld!! Leider hat es schon ein paar KMU Kollegen wegen diesen erwischt!!!

  • Mike am 06.12.2012 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    wirklich wahr

    Effektiv so, meine Firma zahlt ihre Rechnungen frühstens ein halbes Jahr später. die belieferten Unternehmen die sich beschwerten wurden aus dem Verteiler genommen.