Weltfrauentag

08. März 2018 08:38; Akt: 08.03.2018 08:38 Print

«In der Schweiz versauern zu viele Frauen zu Hause»

von Isabel Strassheim - In der Führung der grössten Schweizer Firmen sitzen noch weniger Frauen als im Vorjahr. Was ist passiert?

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Im vergangenen Jahr haben es neun Frauen frisch in die Geschäftsleitung der 100 grössten Schweizer Firmen geschafft. Der Frauenanteil hat trotzdem nicht zugenommen. Wie der jährliche Schilling-Report 2018 zeigt, fiel er von 8 auf 7 Prozent. Der Grund: Zugleich sind elf Frauen ausgestiegen. Doch warum hält es die Frauen nicht im Topmanagement?

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Versauern Frauen in der Schweiz zu Hause?

«Bei den Abgängen gibt es kein einheitliches Muster», sagt Headhunter Guido Schilling zu 20 Minuten. Einige haben sich selbstständig gemacht, andere seien in kleinere Unternehmen gewechselt. Ausserdem seien Frauen in der Geschäftsleitung oft für Servicefunktionen zuständig wie Personal oder Kommunikation. «Und diese Posten werden bei CEO-Wechseln leicht ausgetauscht oder fliegen aus der Unternehmensleitung.»

Frauen landen aus Verzweiflung beim Ehrenamt

Ganz generell ärgert Schilling, dass das Potenzial der Frauen in der Schweiz von der Wirtschaft nicht ausgeschöpft werde. «Es gibt kein Land in Europa mit so vielen gut ausgebildeten Frauen, die Teilzeit arbeiten und zu Hause versauern. Sie können in untergeordneten Jobs ihr Potenzial kaum ausschöpfen, weil die wenigsten Firmen Programme haben, um sie nach der Familienpause der Ausbildung entsprechend wieder zu integrieren.»

In mittelständischen Schweizer Unternehmen ist nur knapp jedes fünfte Geschäftsleitungsmitglied eine Frau, wie eine Studie der Beratungsfirma EY zeigt. «Um die anstehenden Herausforderungen – gerade auch durch die Digitalisierung – zu meistern, sind gemischte Teams wichtig», sagt EY-Managerin Robin Errico. Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen hätten klare Vorteile auf dem Markt. Auch seien die Mitarbeitenden engagierter und die Firmenkultur sei offener.

Mehrheit der Maturanden ist weiblich

Schilling kritisiert, dass die Schweizer Wirtschaft zu viele Frauen verliert. Immerhin sei die Mehrheit der Maturanden weiblich.
Beim Aufstieg von Frauen ins Topmanagement hapert es laut Schilling an einem entscheidenden Punkt: 8 von 10 freien Geschäftsleitungs-Posten werden intern besetzt. «Frauen haben da meistens keine Chance, weil in Firmen bis auf die zweitoberste Ebene noch zu wenig Frauen entwickelt wurden», betont Schilling. Deshalb kommen 8 von 10 Frauen in einer Geschäftsleitung von extern.

Soll der Frauenanteil ganz oben steigen, müssen Firmen also für weiblichen Nachwuchs in ihrem eigenen Haus sorgen und in Frauenförderprogramme investieren. Das braucht Zeit: «Ein Mann braucht in der Regel 17 Jahre in einer Firma, um es dort vom Berufsanfänger Schritt für Schritt in die Geschäftsleitung zu schaffen», erklärt Schilling.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra am 08.03.2018 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Versauern?

    Ähhmm entschuldigung, trotz Hochschulabschluss "versaure" ich nicht zu Hause, sondern nehme die grosse Herausforderung und Verantwortung wahr und erziehe meine Kinder selber.

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  • Maria Emmenegger am 08.03.2018 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Auch viele Männer über 50 versauern in der Schweiz zu Hause, weil sie niemand mehr will. Mein Man ist 56, hat top Referenzen aber keine Chance mehr. Warum macht die Politik nichts? Warum sind die Sozialleistungen in diesem Alter so hoch? Wo ist die SP, Herr Wermuth?

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  • Mela am 08.03.2018 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutterfalle?

    mal ehrlich-die Schweiz ist sowas von Familienunfreundlich!.. ich spreche nun nicht von der Kita-in den ersten Jahren möchte ich mein Kind aus Überzeugung selber betreuen. Aber wie siehts in der Schulzeit aus? Das einzige Land ohne Tagesschule! Kinder zwei-drei Nachmittage frei oder ab 15.30Uhr Schuel aus. Wie soll man da arbeiten? in unserem Dorf gibts nicht mal nen Hort.. zudem sind die Kosten so hoch, dass es den zweitverdienst gleich wieder aufbraucht. Aus diesem Grund bin ich gut ausgebildet und zu Hause-ich hoffe aber nicht für immer....war eig. eher mal ne Emanze;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jakob am 08.03.2018 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Günstiger Einfluss

    Es ist auch besser so. Auf die andere Seite wäre es für die Wirtschaft förderlich Frauen in die Chefetagen zu setzen. Erstens käme das günstiger und würden ausser Kitas und MännerBabypausen nicht eingeführt was Schaden könnte.

  • Mary-Jane Green am 08.03.2018 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feministisches gejammer

    Die Frauen welche Zuhause versauern sind selber schuld. Nehmt euer Leben in die Hände, verlangt mehr Lohn, und vorallem: Hört auf mit dem Jammern. Ich hasse diesen Feminismus!

  • PJM am 08.03.2018 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    10/16 Regel

    Gemäss dieser Regel muss derjenige Elternteil, der eines oder mehr Kinder unter 10 Jahren betreut, keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Sobald das jüngste Kind 10 Jahre alt ist, wird eine Teilzeitarbeit von 50 Prozent zugemutet. Bei der Betreuung von mehreren Kindern kann dieser Prozentsatz sinken. Nachdem die betreuenden Kinder das 16. Lebensjahr vollendet haben, ist für den betreuenden Elternteil eine Vollzeitstelle zumutbar. Diese Regel ist nicht mehr zeitgemäss.

  • Peter am 08.03.2018 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Würde schon den Hausmann machen und mich um die Kinder kümmern. Karriere will ich keine machen und erfüllen tut mich mein Job auch nicht richtig bzw bin ich überzeugt, dass mich die Kinder erziehen mehr erfüllt. Die Frau kann gerne arbeiten gehen. Moment, keine Frau will solch einen Mann?! Dann muss halt weiterhin die Frau zuhause bleiben oder auf Kinder verzichtet werden

  • hubi am 08.03.2018 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zufriedene Mutter

    Ich hab es nie bereut da zu sein wenn die Kinder aus der Schule kommen.....zu kochen ,zu putzen ,alles zu managen.... ist eine sehhhr wervolle Arbeit und man muss sich in der heutigen Zeit leider oft dafür rechfertigen.