Karrierekiller

02. Januar 2016 10:03; Akt: 02.01.2016 14:09 Print

Frauen befördern sich selbst ins Aus

von Dorothea Vollenweider - «Es tut mir leid, aber …» oder «Nur ganz kurz, ich hätte da noch etwas …». Mit solchen Sätzen sabotieren Frauen unbewusst ihre eigene Karriere.

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Weniger Lohn, kleinere Aufstiegschancen, ungerechte Arbeitsbedingungen – obwohl Frauen heute genauso gut ausgebildet sind wie Männer, sind ihre Karrierechancen noch immer klar schlechter. Das hat mehrere Gründe. Neben Diskriminierung spielt auch die schlechte Vereinbarkeit von Job und Familie eine Rolle. Doch Experten sehen noch einen weiteren Schuldigen: Die Frauen selbst. Sie sabotieren ihre Karriere oft unbewusst mit dem, was sie sagen. «Es gibt unzählige frauen-typische Sätze, mit denen sich Frauen selbst ins Aus befördern», sagt Judith Baumberger, Inhaberin der Firma Human Resources Services und ehemalige Präsidentin des Business & Professional Women (BPW) Clubs Zürich. Wir haben ein paar Beispiele zusammengetragen:

«Es tut mir leid, aber …» Frauen haben die Angewohnheit, sich zu entschuldigen, bevor sie etwas gesagt haben. Das ist absolut unnötig. «Es ist grundsätzlich ein Problem der Frauen, dass wir uns viel zu oft entschuldigen – auch für Sachen, für die wir überhaupt nichts können», so Baumberger. «Mit Entschuldigungen liefert man sich dem Gegenüber aus», findet auch Clivia Koch, Präsidentin Wirtschaftsfrauen Schweiz. Man überlasse so dem Arbeitskollegen das Urteil, ob die Idee anerkennenswert sei oder nicht.

«Nur ganz kurz, ich hätte da noch etwas …». Auch diese Formulierung benutzen Frauen im Geschäftsleben viel zu oft. Sie ist kontraproduktiv, denn indirekt sagen Frauen damit, dass das, was sie zu sagen haben, nicht so wichtig ist.

«Ja also, hmmm … ähm … Ich bin mir nicht sicher.» Frauen haben laut Baumberger oft Mühe damit, Fragen direkt zu beantworten. Sie brauchen viel Zeit, um zu reagieren, schweifen ab, sind wenig schlagfertig. «Im besten Fall macht das einen verunsicherten Eindruck, im schlechtesten Fall hinterlässt es das Gefühl, man hätte etwas zu verbergen», so Baumberger.

«Denken Sie, der Bereich könnte profitabler werden, wenn ...?» Laut Koch verpacken Frauen ihre guten Ideen oft in eine Frage statt ein selbstbewusstes Statement abzugeben. «Auch wenn einem nicht immer alle zustimmen, erschafft man sich Respekt, wenn man die Fähigkeit hat, Ideen glaubwürdig und mit Überzeugung darzulegen.»

«Ich muss meinen Mann erst fragen.» Besonders Frauen mit Familie wollen ihren Mann in die Entscheidungsfindung miteinbeziehen. Doch diese Ausdrucksweise impliziert Unterwürfigkeit. «Der Satz ist der grösste Karrierekiller überhaupt», findet Baumberger. «Ein Mann würde so etwas zudem niemals sagen.»

«Ich bin mir nicht sicher, ob ich das kann.» Auch die Angewohnheit, sich selbst wenig zuzutrauen, ist eine weibliche. «Männer verkaufen sich besser. Selbst wenn sie den Anforderungen nicht gewachsen sind», sagt Baumberger.

Dass Frauen im Berufsleben eine andere Sprache sprechen als Männer, musste auch Hollywood-Star Jennifer Lawrence erfahren. In einem Essay für Lena Dunhams Newsletter «Lenny» schreibt sie: «Vor einigen Wochen habe ich bei der Arbeit meine Meinung geäussert – auf eine direkte, unmissverständliche Art und Weise, nicht aggressiv, einfach unverblümt. Ein Arbeitskollege sagte: ‹Whoa! Wir sind alle im gleichen Team hier!›, als ob ich ihn angeschrien hätte. Ich war so schockiert, denn nichts von dem, was ich gesagt hatte, war persönlich, beleidigend oder, um ehrlich zu sein, falsch. Alles, was ich den ganzen Tag höre oder sehe, sind Männer, die ihre Meinung sagen, doch wenn ich das tue, könnte man meinen, ich hätte etwas Beleidigendes getan.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • The Guescht am 02.01.2016 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das hat doch...

    ...nichts mit dem Geschlecht zu tun. Denke eher es hat damit zu tun ob jemand von sich überzeugt ist oder nicht. Eine schüchterne Person sagt doch genau diese Sätze auch....

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  • Epilog am 02.01.2016 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statt dies als Schwächen zu brandmarken...

    Eigentlich ist es schlimm, dass man/ Frau mit Ehrlichkeit sich ins Abseits fahren sollten. Ersten ist es immer sinnvoll nachzudenken, als bloss "schlagfertig" zu sein und zweitens ist es positiv, wenn zunächst festgestellt wird, ob die Kapazität vorhanden ist. Ich erlebe nur zu viele Beispiele von Führungskräften, die sich zwangsläufig selber überschätzen und eigentlich den ganzen Tag nichts sinnvolles zu Stande bringen. Hingegen sind sie hervorragend in Intrigen, Ablenkungsmanöver und diskreditieren dritter. Aber die Gesellschaft ist zu faul, um dies zu überprüfen und hofft,dass sich dies von alleine erledigen wird.

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  • Fabian M am 02.01.2016 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Männer

    Stimmt nicht! Männer sagen häufig auch: "Ich muss zuerst meine Frau Fragen." Allerdings bricht dann Gelächter aus. :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zeit_Genosse am 02.01.2016 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist so eine Sache

    Vereinfacht: Frauen sind friedensfähig und Männer sind kampfbereit. Daraus ergibt sich eine andere Kommunikation. Frauen treffen mit ihrer Kommunikationsart auf die Kommunikationsform der Männer, die noch mehrheitlich über Frauenkarrieren entscheiden. Es liegt nicht an den Frauen alleine, wenn Männer die Frauen nicht verstehen (wollen). Also sachlich über Themen sprechen und argumentieren (nicht mit der Persönlichkeit verknüpfen) ist die Erfolgsspur für Frauen. Auch die entsprechend zu vertretende Rolle einnehmen und nicht das persönliche Empfinden kundtun. Probieren Sie es einfach mal.

  • Dany Solothurnmann am 02.01.2016 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Artikel

    Ich finde es einen super Artikel, zeigt mal dass SIE nicht nur das Opfer ist, sondern selber auch Schuld hat!

    • Chrigu BE am 02.01.2016 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dany Solothurnmann

      Nur, dass Sie den wohl nur so verstehen, wie Sie (negativ) wollen. Von SCHULD spricht hier niemand, das wäre auch geradezu eine Frechheit.

    • Jonny sh am 02.01.2016 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dany Solothurnmann

      Schlage eine Schuld Quote vor ....

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  • Babydragon am 02.01.2016 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    denke ich nicht

    das denke ich nicht das es so ist ...hatte schon 2 mal eine Chefin und muss wirklich sagen meiner Meinung nach sind das die besseren Chefs als Männer und dadurch glaube ich nicht das die Frauen sich selbst ins aus schiessen

  • Seraina am 02.01.2016 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie wird es besser gemacht?

    Danke für den Hinweis. Wie können wir Frauen diese Gespräche nun besser führen?

    • Chrigu BE am 02.01.2016 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Seraina

      Vorschlag - haben Sie einen guten Chef? Sprechen Sie ihn drauf an...!

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  • jvk am 02.01.2016 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Habe mich im Rahmen einer Seminararbeit mit dem Thema befasst: ein einfach zu lösendes Problem ist die rechtliche Bevorteilung der Frau (spez. Mutterschaftsurlaub), welche eine Arbeitsteilung fördert im Falle einer Geburt und es so wirtschaftlich sinnvoll macht, dass der Mann und nicht die Frau arbeitet und den Karriereweg einschlägt. Feministen müssten genau diese Opportunitätsbevorteilung der Frau bekämpfen, da sich über die Zeit ein paar der Probleme einfach lösen lassen. Aber das realisieren die wenigsten, dann heisst es einfach "noch mehr Rechte der Frau wegnehmen?!" obwohl dies eigentlich zum Ziel führen würde.

    • Tileria am 02.01.2016 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jvk

      ich glaube das habe ich jetz falsch verstanden oder meinen sie wirklich, wenn man den mutterschaftsurlaub kürzen oder abschaffen würde, währe das problem gelöst?

    • chihiro am 02.01.2016 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jvk

      Anders rum wird ein Schuh draus. Wenn beide Geschlechter eine Dienstpflicht an der Öffentlichkeit haben, nicht nur die Männer. Im Gegenzug aber auch das gemeinsame Recht auf Familienzeit, wenn ein Kind geboren wird. Heute kriegt ein Mann ja gerade mal zwei läppische Tage Urlaub, obwohl Nachwuchs auch für ihn eine Umstellung bedeutet.

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