Gewerkschaften

27. Mai 2011 10:41; Akt: 27.05.2011 11:05 Print

Frauen verdienen 40% weniger als Männer

Frauen sind in der Schweiz gegenüber den Männern beim Lohn nach wie vor sehr stark benachteiligt. Dabei hat sich diese Diskriminierung in den letzten Jahren verschärft.

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Frauen werden bei gleichwertiger Arbeiter nach wie vor schlechter entlöhnt als Männer. (Bild: colourbox.com)

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«Geht es um den Lohn, ist es verheerend, eine Frau zu sein», sagte Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB), am Freitag vor den Medien in Bern: «Männer verdienen im Durchschnitt 6427 Franken, Frauen im Schnitt 3745 Franken pro Monat (2008 netto). Dies sind 41,7 Prozent weniger.»

Rechsteiner führte die Ursachen für diesen enormen Unterschied auf: Frauen leisteten einen wesentlich grösseren Anteil als Männer an gesellschaftlich notwendiger, unbezahlter Arbeit. Entsprechend hätten sie geringere Pensen bei der Erwerbsarbeit.

Verheerend bei Trennung oder Scheidung

Die Ungleichverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit wirke sich insbesondere bei Trennung oder Scheidung sehr negativ aus.

Frauen arbeiteten viel häufiger in Tieflohnbereichen als Männer. Rund drei Viertel der Tieflohnstellen seien von Frauen besetzt. In den Betrieben hätten die Männer tendenziell die bessere berufliche Stellung.

«Und als ob dies alles nicht reichen würde, werden Frauen bei gleichwertiger Arbeit auch noch schlechter entlöhnt», sagte der SGB- Präsident. Die reine Lohndiskriminierung bei gleichwertiger Arbeit betrage rund zehn Prozent.

Nationaler Aktions- und Streiktag

Besonders alarmierend sei, dass sich diese Diskriminierung in den letzten Jahren gar noch verschärft habe. Das sei ein starker Grund, weshalb die Gewerkschaften für den 14. Juni zu einem nationalen Aktions- und Streiktag zur Lohngleichheit aufrufen.

Die Unternehmen und die Konzernspitzen müssten sich bewusst sein, dass das Lohngleichheitsprinzip für gleichwertige Arbeit nicht freiwillig sei. Es handle sich um einen Verfassungsgrundsatz.

Werde der heutige verfassungswidrige Zustand nicht auf dem Weg des Lohngleichheitsdialogs beseitigt, brauche es griffigere staatliche und gesetzliche Massnahmen, das Recht endlich durchzusetzen, sagte Rechsteiner.

Der SGB denke dabei vor allem an Behörden mit Untersuchungs- und Durchsetzungskompetenz, wie sie die Autoren der Evaluation des Gleichstellungsgesetzes 2006 in den Raum gestellt haben.

Beträchtliche Lohnunterschiede

Das Desinteresse auf Arbeitgeberseite sei angesichts der weiterhin bestehenden Lohndiskriminierung unverständlich, sagte Vania Alleva, SGB-Vizepäsidentin und Unia-Geschäftsleitungsmitglied.

So bestehe in der Maschinenindustrie immer noch eine durch keine anderen Faktoren erklärbare Lohndifferenz von 14,2 Prozent zwischen Frauen und Männern. Im Detailhandel betrage die Lohndiskriminierung 11,1 Prozent, in der Lebensmittelindustrie 12,8 Prozent und bei den Banken und Versicherungen 8,7 Prozent.

Der Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) und SGB-Vizepräsident Giorgio Tuti sagte, bei den Unternehmen im öffentlichen Verkehr seien die Unterschiede zwar weniger offensichtlich, auch dort gebe es aber Handlungsbedarf.

In der grafischen Industrie und der Medienbranche sei bisher kein Betrieb dem Lohngleichheitsdialog beigetreten, bedauerte Bernadette Häfliger Berger, Mitglied der Geschäftsleitung der Gewerkschaft syndicom. Der Medianlohnunterschied liege in diesen Unternehmen mit 22 Prozent über der durchschnittlichen Lohndifferenz.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • derursus am 14.06.2011 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    gleiche Rechte - gleiche Pflichten

    Frauen werden trotz längerer Lebenserwartung als Männer früher pensioniert, leisten keine Militärpflicht- und Feuerwehrabgaben, wollen aber trotzdem gleichviel verdienen... - ist das gerecht??? Ich sage gleiche Löhne für jedermann ob Mann oder Frau - dann aber auch sonst Gleichheit in allen Belangen und Abgaben!

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  • sol_freak13 am 14.06.2011 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Totale Gleichberechtigung

    Ich bin für totale Gleichberechtigung!! Geiche Löhne, alle müssen Militärdienst leisten, gleiches Pensionsalter, gleiche Rechte bei Scheidungen usw. Aber solange nur die Männer ins Militär müssen und später pensioniert werden, müssen die Frauen nicht so ausrufen!!

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  • Wolge am 10.06.2011 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Warum jammern die Frauen immer?

    Warum jammern die Frauen eigentlich? Sie sind doch selber schuld an ihren Löhnen. Würde Frau beim Einstellungsgespräch genauso auf ihren Wunschlohn beharren wie der Mann, wäre dies alles gar kein Problem. Vielen Frauen ist aber eine "tolle Arbeit" wichtiger als ein toller Lohn. Kein Wunder sind so Lohnverhandlungen zum Scheitern verurteilt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nora T. am 19.12.2013 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    @derursus

    Weiss nicht wo du wohnst, aber bei uns muss jeder, ob Mann oder Frau, Feuerwehrabgaben bezahlen. Zudem war ich im Militär, 5 Jahre lang,bestimmt länger als du. Ich habe Studiert und habe jetzt eine gute Stelle, wo der Lohn super ist. Bei den Bewerbungen zuvor hat man mir oft viel weniger angeboten als es angebracht wäre. Das mit der Rente mag stimmen, man bedenke jedoch, dass man das Alter kaum vorherbestimmen kann. Der Durchschnittswert trifft wohl auf die Wenigsten zu. Ausserdem: Erzähl mal dem Chef das du freiwillig ins Militär gehst - Da will dich keiner mehr!

  • MiaHello am 19.12.2013 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt der Zusammenhalt?

    1. Das Verfassungsgericht begründete das Recht auf ungleiches Pensionsantrittsrecht damit, dass Frauen bis heute die Hauptlast der Erziehung und der Haushaltsführung tragen und damit einer doppelten Belastung ausgesetzt sind. 2. Das Militär ist eh umstritten. Dass die Frauen jetzt auch noch ins Militär gehen, macht echt keinen Sinn! 3. Gleicher Lohn für gleiche Leistung. 4. Männer, eure Argumente sind echt nicht weiterbringend. "Teilzeitarbeit bei Kaderstellen" und mehr "Vaterschaftsurlaub" macht eher Sinn für die heutige Gleichberechtigung.

    • Hoppla am 19.12.2013 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Verfassungsgericht ?

      Sorry aber das gibt es bei uns in der Schweiz nicht. Hier heisst es Bundesgericht und hat auch eine andere Bedeutung/Aufgabe als das deutsche Verfassungsgericht.

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  • Sergio V. am 19.12.2013 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Lohntransparenz

    Ich schnall die Diskussion nicht. Lohn ist in der Schweiz so was von Privatsache. Jeder muss seinen Lohn selber aushandeln. Deshalb ist auch unter den Männern der Lohnunterschied für gleich Jobs teilweise heftig gross. Solange nicht staatlich verordnete Lohntransparenz FÜR ALLE gilt, und ein staatlicher Katalog existiert, für welche Arbeit welcher Lohn gilt, sind die meisten selber Schuld, wenn sie einen kleineren Lohn kriegen. Frauen sind in den Verhandlungen um Job und Lohn einfach meistens zu lieb und unsicher. Steht hin und seit von Euch selber überzeugt und pokert hoch :)

  • Danny am 19.12.2013 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausländer

    Ausländer verdienen statistisch auch weniger. Werden diese auch diskriminiert? Beim BFS (Bundesamt für Statistik) muss noch die Spalte mit der Nationalität ausgefüllt werden, um den gerechten Lohn auszurechnen, frage mich manchmal "wozu". Die heutige Welt ist nicht gerecht und Frauen verdienen weniger, das ist eine Tatsache. Ob das Diskriminierung ist, ist aber sehr fragwürdig.

  • BHuBär am 19.12.2013 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Handbuch?

    Zu vielen Arbeitsplätze gibt's doch ein Handbuch. Da wäre doch feststellbar, ob eine Frau weniger als ein Mann für die gleiche Arbeit erhält? Geschummelt kann jedoch überall werden. Wenn der Arbeitgeber für dieselbe Arbeit weniger bezahlen will, stellt er eben eine Frau ein, und kann ohne weiteres am Handbuch "manipulieren."