Getreidefrei

01. September 2015 07:06; Akt: 01.09.2015 07:06 Print

Frisst Ihr Hund auch schon Wolfsblut?

von Claudia Landolt - Menschliche Ernährungstrends machen auch vor Hunden nicht halt. Das Neuste für den Napf ist getreidefreies Essen unter dem Label «Wolfsblut», das nach freier Wildbahn schmeckt.

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«Haustiere ersetzen oft den Partner oder das Kind», sagt Barbara Gugelmann, die mit ihrem Mann eine Tierarztpraxis in Luterbach führt. Gerade Ernährung ist dann oft eine Herzensangelegenheit. Denn Hundenahrung ist nicht gleich Hundenahrung. Der Hund von heute kann zwischen fettreduziertem oder Low-Carb-Futter, glutenfreies Futter, Rassenfutter, Biofutter oder Functional Food wählen.

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Würden Sie Ihrem Hund getreidefreie Nahrung geben?
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Insgesamt 892 Teilnehmer

Vermehrte Unverträglichkeiten

Furore im Premium-Futter macht unter Hundehaltern und Züchter gegenwärtig «Wolfsblut». Eine Marke aus Deutschland, die eine Ernährung verspricht, die der des Wolfes, dem Vorfahren des Hundes, nahe kommt. Denn da stehen Wild, Mäuse, Vögel, Kräuter und Wurzeln auf dem Speiseplan. Auf keinem Fall aber kommt ein Hund in freier Wildbahn auf die Idee, Getreide zu fressen. Doch genau davon ist in vielen Hundefutter-Sorten sehr viel enthalten. Und viele vertragen es immer weniger.

«Getreide- und glutenfreie Hundefutter ist nicht nur ein Hype», erklärt Barbara Gugelmann. Tatsächlich nimmt auch bei Hunden die Intoleranz auf Weizen zu. «In Sachen Hunde-Ernährung wurden in den letzten Jahren neue Erkenntnisse gewonnen», sagt Gugelmann. Früher habe der Fleischanteil in Trockenfutter 10 bis 12 Prozent betragen, jetzt strebe man einen Anteil von bis 50 Prozent an. Wolfsblut habe einen besonders hohen Anteil an proteinreicher Zutaten, deshalb werde es auch von Allergikern oder ernährungsbewussten Tierhaltern geschätzt.

Nicht nur ein Trend

«Wolfsblut ist ein Vorreiter», erklärt Helen Roggli aus Thun die die Marke in der Schweiz importiert und seit vielen Jahren gute Erfahrungen damit macht. Die Hundehalterin beobachtet das Futter der grossen Hersteller mit Misstrauen. «Macht man sich die Mühe, den Inhalt zu entschlüsseln, sieht man, dass oft kein Fleisch drin ist.» Trotzdem werde es als hochwertiges Futter verkauft. Um den Geschmack zu überdecken, würden dem Futter vor allem künstliche Geschmacksstoffe zugesetzt. Gerade wegen diesen Zusatz- und Konservierungsstoffen wie auch dem Getreide entwickelten viele Hunde Beschwerden. «Sein Haustier jeden Tag mit Industriefutter, auch jene mit wohlklingenden Namen, zu füttern, ist wie täglich Fastfood zu essen.»

Mittlerweile sind auch grosse Marken auf die getreidefreie Schiene aufgesprungen. «Im Premiumbereich bieten alle Marken diese Variante an», erklärt Qualipet-Geschäftsführer Rolf Boffa. Das Unternehmen habe mit dem getreidefreien «Harmony» einen «Bestseller» lanciert. «Zuerst war die getreidefreie Tierernährung nur ein Hype, jetzt ist es ein Trend und Bestandteil unseres Angebotes», sagt Boffa. Eigentlich erstaunlich, denn «nur jeder hundertste Hund hierzulande leidet tatsächlich an einer Unverträglichkeit.» Je nach Rasse seien Allergien aber mehr oder weniger verbreitet. Mit der richtigen Ernährung können vor allem Hautprobleme gelöst werden. Aber: «Es gibt nicht das pauschal beste Hundefutter, aber es gibt für jeden Hund und jedes Alter das Richtige.»

Ein nahrhaftes Geschäft

Dass das Geschäft mit dem Hund ein grosser Markt ist, belegen folgende Zahlen. In der Schweiz sind rund 450'000 lebende Hunde registriert. Der Umsatz mit Katzen- und Hundenahrung beträgt laut Bundesamt für Statistik 180 Mio. Fr. pro Jahr. Im Schnitt gibt der Haustierbesitzer 88 Franken pro Monat für seinen Liebling aus. Im grössten Markt, den USA, geht viermal so viel Tierkost über die Ladentische wie Babynahrung. 83 Prozent der amerikanischen Tierhalter betrachten denn auch ihr Haustier als Familienmitglied.