Raiffeisen-Chef

05. März 2018 09:44; Akt: 05.03.2018 09:44 Print

Geht es jetzt auch Patrik Gisel an den Kragen?

Muss Raiffeisen-Chef Gisel zurücktreten, weil er von Doppeldeals seines Vorgängers wusste? Die Einschätzung von Experten.

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Am Freitag sagte Patrik Gisel noch, er sei «erschüttert» von den Enthüllungen über seinen Vorgänger als CEO der Raiffeisenbank. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Pierin Vincenz. Er soll sich während seiner Amtszeit als Raiffeisen-CEO durch Doppeldeals bereichert haben. Vincenz war von 1996 bis 2015 bei der Raiffeisen tätig. Laut der «SonntagsZeitung» war Patrik Gisel jedoch über die Geschäfte seines Vorgängers im Bild. Bernhard Bauhofer, Experte für Unternehmensreputation und Gründer von Sparring Partners: «Ein , falls er bei Vincenz Machenschaften weggeschaut hätte.» Peter V. Kunz, Experte für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern: «Es geht bei Gisel nicht allein um die Frage, was er dürfen.» Bettina Zimmermann, Krisenmanagerin und CEO von GU Sicherheit & Partner: «Für Gisel ist das eine ganz , die zurzeit kaum eine objektive Beurteilung zulässt. Das Problem für ihn ist nun, dass er durch die Schlagzeilen angeschlagen ist und seine Person Schaden nehmen wird, ob er nun von Vincenz' Machenschaften wusste oder nicht.» Am Dienstag führte die Zürcher Staatsanwaltschaft zusammen mit der St. Galler Staatsanwaltschaft Hausdurchsuchungen an Vincenz' Wohnsitz durch. Für Vincenz kam die Razzia völlig überraschend.«Als gestern früh die Polizei vor der Tür stand, war das für mich ein Schock», sagt er. Am Freitag setzte die Zürcher Justiz Vincenz in Untersuchungshaft. Vincenz, hier am Zürcher Sechseläuten 2013, war von 1996 bis 2015 für die Raiffeisen-Bank tätig. 1999 löste er Felix Walker (l.) als Vositzender der Geschäftsleitung des Schweizer Verbands der Raiffeisenbanken ab. Johannes Rüegg-Stürm sitzt seit 2008 im Verwaltungsrat. Seit 2011 präsidiert er den Verwaltungsrat im 50-Prozent-Pensum.

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Patrik Gisel hatte in den letzten Tagen wenig Grund, sich zu freuen, obwohl die Raiffeisenbank Rekordgewinne vermelden konnte. Pierin Vincenz, Gisels Mentor und Vorgänger als CEO der Bank, sitzt nämlich seit Freitag wegen vermuteten Doppeldeals während seiner Amtszeit in Untersuchungshaft (siehe Box).

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Sollte Patrik Gisel zurücktreten?

Bereits an der Bilanzkonferenz vom Freitag wurde Gisel mit kritischen Fragen überhäuft. Er betonte, dass er bis vor kurzem nichts von den Geschäften Vincenz' gewusst habe und dass er seinen eigenen Rücktritt ausschliesse.

Gisel könnte Bescheid gewusst haben

Am Sonntag stellte sich jedoch heraus, dass Gisel bereits 2009 einen Hinweis auf ein mögliches Fehlverhalten von Vincenz erhalten hatte. Raiffeisen gibt zu: «Wir halten fest, dass Patrik Gisel 2009 Kenntnis von der Existenz dieser Gutachten hatte.»

2016 kam dann ein zweiter Alarm: Der Finanzblog «Inside Paradeplatz» enthüllte im Sommer 2016 Vincenz' verdeckte Zahlungen. Pascal Niquille, Chef der Zuger Kantonalbank und damals Vizepräsident von Aduno, untersuchte die Vorwürfe und sprach sich mit Gisel ab. Niquille erklärte die Sache Ende 2016 als «erledigt», obwohl nicht alle Aspekte geklärt worden waren.

Somit stellt sich die Frage: Ist Gisels Job jetzt in Gefahr? Das sagen die Experten:

«Der Rücktritt wäre ein konsequenter Schritt»
Bernhard Bauhofer, Experte für Unternehmensreputation und Gründer von Sparring Partners, sagt: «Ein konsequenter Schritt von Patrik Gisel wäre es, zurückzutreten. In seiner Position wäre er nicht tragbar, falls er bei Vincenz' Machenschaften weggeschaut hätte. Aber nicht nur Gisel, sondern auch der Verwaltungsrat muss in die Pflicht genommen werden. Er muss eine lückenlose Untersuchung veranlassen, um dem Ruf des Instituts nicht langfristig zu schaden. Bei einer genossenschaftlichen Bank wie der Raiffeisen ist zukünftig mehr Kontrolle von der Verwaltung notwendig, wie sich an diesem Beispiel zeigt. Solche Skandale könnten dem Ruf der Schweizer Wirtschaft grossen Schaden zufügen.»

«Der Verwaltungsrat wird nicht handeln»
Peter V. Kunz, Experte für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern, sagt: «Es ist momentan noch zu wenig klar, was genau Gisel wusste – oder eben nicht. Insofern denke ich, dass ihm zum heutigen Zeitpunkt noch kein Fehlverhalten vorgeworfen werden kann. Es geht allerdings bei Gisel nicht allein um die Frage, was er tatsächlich wusste, sondern auch darum, was er hätte wissen müssen. Sollte es Anzeichen für ein Fehlverhalten von Vincenz gegeben haben, hätte Gisel nicht die Augen verschliessen dürfen. Der schwache Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung werden sicherlich nicht handeln. Eine Revolution aus der Raiffeisen selber wird es ebenfalls nicht geben, weil dies ein Beleg dafür wäre, dass es ein ‹Problem Raiffeisen› gibt und nicht nur eine Einzelperson betroffen ist.»

«Gisel wird so oder so Schaden nehmen»
Bettina Zimmermann, Krisenmanagerin und CEO von GU Sicherheit & Partner: «Für Patrik Gisel ist das eine ganz heikle Situation, die zurzeit kaum eine objektive Beurteilung zulässt. Das Problem für ihn ist nun, dass er durch die Schlagzeilen angeschlagen ist und seine Person Schaden nehmen wird, ob er nun von Vincenz' Machenschaften wusste oder nicht. Die Raiffeisenbank dürfte aber bislang keinen Schaden davontragen. Es handelt sich ja um ein mögliches Fehlverhalten einzelner Personen, wenn auch in Schlüsselpositionen. Auch die Kunden tragen keinen Schaden davon. Allerdings wird erwartet, dass die Bank nun offen und transparent kommuniziert.»

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D. Paul am 05.03.2018 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung

    Wenn nicht, wär's doch eher eigenartig. Der CEO trägt die Verantwortung und wenn er Bescheid wusste, was er logischerweise getan hat, muss er den Hut nehmen.

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  • Walter Meier am 05.03.2018 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seid umschlungen Millionen

    Mit diesem Buch hat Hans J. Bär die Finanzbranche vor Geldgier gewarnt. Seit 2008 erschüttern unvorstellbare Skandale die Branche! Während die Bosse infolge Nichtwissen freu herumlaufen getrauen sich kleine Schalterbeamte nicht mehr in die USA ein zu reisen! Hoffentlich schaffen es nun Zürcher Gerichte mit hart durch zu greifen!!

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  • Komiker 2018 am 05.03.2018 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gelehrnt...

    Wasser predigen und Wein trinken und für ein paar silber Münzen den Chef veraten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 06.03.2018 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man beisst nicht

    Die Hand, die einen füttert(e)

  • Goepf Rutishauser am 05.03.2018 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwaltungsrat

    Auch der Verwaltungsrat sollte gehen.

  • Franz H. am 05.03.2018 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ßänker's weisse Weste

    Der Gigel hat seinen Kollegen in die Pfanne gehauen aber sein Ziel war nur das eine er will so mit weisser Weste da stehen. Ich bezeichne sowas als einen fiesen Kerl . Aber das ist typisch Bänker Hauptsache ich stehe nachher gut da aber dieses Mal wird es hoffentlich nicht klappen Herr Gigel

  • Std am 05.03.2018 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung zeigen

    Kurz und einfach ausgedrückt! Herr Gisel nehmen Sie sich ein Beispiel an andere CEO und treten Sie zurück! Sie tun das wahre Richtige! Es sind schon andere Konzernchefs zurückgetreten, wo die Beweislage auf Anhieb nicht so klar war wie bei Ihnen! Das ist Ehrensache!

    • Te Rasse am 06.03.2018 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Std

      Sie meinen wie bei der Post?

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  • Simon am 05.03.2018 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    White Color Crime

    genau, denen soll es auch an den Kragen gehen. All die in den immateriellen Werten aktivierten Kosten werden nämlich in den nächsten Jahren eh abgeschrieben werden müssen. Fehlinvestition!