Saftige Handyrechnung

11. September 2017 05:53; Akt: 11.09.2017 09:42 Print

Geister-Roaming – wer sich nicht wehrt, zahlt

von R. Knecht/V. Blank - Selbst wer im Ausland das Roaming deaktiviert, erhält manchmal eine saftige Rechnung für Datennutzung. Doch es gibt Tricks, das zu vermeiden.

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Wer in den Ferien Roaming-Kosten vermeiden will, schaltet im Ausland am besten den mobilen Datenverkehr aus. Trotzdem können Gebühren entstehen. Das Phänomen nennt sich Geister-Roaming. Beim Geister-Roaming wird eine kleine Menge an Datenverkehr übertragen, auch wenn der Kunde die mobilen Daten ausgeschaltet hat. Gleich mehrere Salt-Kunden informierten 20 Minuten über solche Vorfälle diesen Sommer. Wer nicht alle relevanten Dienste ausschaltet, muss womöglich mit Kosten rechnen. Eine der Fallen: Ortungsdienste. Ein Leser sagte zu 20 Minuten, er habe eine zu hohe Rechnung von Salt erhalten und direkt zu Swisscom gewechselt. Die Rechnung bezahlte er, denn er habe keine Lust gehabt, dem nachzugehen. Sunrise sind keine Fälle von Geister-Roaming bekannt. Swisscom teilt mit, dass das Unternehmen das Problem des Geister-Roamings bereits letzten Herbst gelöst habe. Da UPC Roaming-Gebühren generell abgeschafft hat, müssen Kunden des Anbieters sich ebenfalls nicht vor Überraschungs-Rechnungen fürchten. Salt seien Fälle von Geister-Roaming bekannt. Es betreffe nur Preispläne ohne inkludiertes oder via eine GO-Option hinzugekauftes Datenroaming. Laut einer Rechnung, die 20 Minuten vorliegt, verlangt Salt wegen Geister-Roaming 4 Franken pro Tag im Ausland. Unter Mobiles Netz lässt sich Datenroaming deaktivieren. Mobile Daten sollten Benutzer im Ausland deaktivieren. Ortungsdienste lassen sich auf dem iPhone unter Datenschutz deaktivieren. Unter Mobiles Netz befindet sich beim iPhone ganz zuunterst die Option WLAN-Unterstützung. Diese sollte man im Ausland laut Salt ebenfalls deaktivieren. Laut Ralf Beyeler sollten Benutzer zudem 4G/LTE deaktivieren. Unter Mobiles Netz können Benutzer einzelnen Apps den Zugriff auf mobile Daten verwehren. Salt empfiehlt, dies im Ausland bei sämtlichen Apps zu tun.

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20-Minuten-Leserin E. R.* erhielt kürzlich eine horrende Handyrechnung: Über 600 Franken verlangte ihr Netzanbieter für den vergangenen Monat. Die Salt-Kundin war kürzlich in Peru – der Rechnung war zu entnehmen, dass es sich bei diesem saftigen Rechnungsbetrag in erster Linie um Roaming-Gebühren handelte. Das, obwohl sie die mobile Datennutzung auf ihrem Smartphone deaktiviert hatte.

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R. beschlich der Verdacht auf sogenanntes Geister-Roaming. Das Phänomen, das laut Telekomexperte Ralf Beyeler von Verivox ausschliesslich Smartphones mit 4G/LTE betrifft, führt dazu, dass trotz deaktivierten Roamings Daten übertragen werden. Diese stellt der Netzanbieter dem nichts ahnenden Kunden dann in Rechnung.

Ursache nicht klar

Die Ursache für Geister-Roaming sei wahrscheinlich ein Fehler am Gerät oder der Software, sagt Salt-Sprecher Benjamin Petrzilka. Swisscom und UPC teilen auf Anfrage von 20 Minuten mit, dass es bei ihnen dieses Problem nicht gibt. Auch Sunrise erhielt in letzter Zeit keine Kundenbeschwerden, so das Unternehmen.

Im Fall von R. beharrte Salt auf dem Standpunkt, dass es sich nicht um Geister-Roaming handle. Dennoch erhielt die Kundin kurz nach ihrer Intervention ein SMS von Salt: Das Unternehmen schrieb ihr 250 Franken gut. «Warum ich letztlich doch noch Geld zurückbekam, weiss ich auch nicht», so R. Salt-Sprecher Petrzilka erklärt dazu, dass solche Fälle «individuell bearbeitet» würden.

Böse Überraschung nach den Sommerferien

Einen klaren Fall von Geister-Roaming erlebte 20-Minuten-Leserin V.B.*. Sie wunderte sich, als sie nach den Sommerferien ihre Handyrechnung erhielt: Ihr wurden von Salt 32 Franken zusätzlich für Daten-Roaming verrechnet, obwohl sie während ihrer Ferien nur im hoteleigenen WLAN gesurft hatte und die mobilen Daten deaktiviert waren.

Verärgert wandte sie sich an Salt. Der Callcenter-Mitarbeiter wusste sofort, worum es ging: Die Ortungsdienste seien aktiviert gewesen, was im Hintergrund mobile Daten aufgebraucht habe. Da solche Fälle laut dem Callcenter-Mitarbeiter regelmässig auftreten, zeigt sich Salt kulant und erstattet der Kundin 28 Franken zurück.

Kritik vom Konsumentenschutz

Dass Salt nur einen Teil des Rechnungsbetrags an den Kunden zurückerstattet, findet Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, nicht in Ordnung: «Sie müssten dem Kunden 100 Prozent zurückgeben, weil es sich bei Geister-Roaming nicht um ein Verschulden des Kunden handelt.»

Ausserdem hat Stalder nach eigenen Worten den Eindruck, als ob Salt das Problem aussitzen würde, anstatt aktiv etwas dagegen zu unternehmen. «Das Unternehmen wartet einfach, bis sich der Kunde beschwert – und wenn nicht, behalten sie den Betrag», so Stalder.

Alles hängt am Kunden

Um sich den Ärger mit saftigen Rechnungen zu sparen, muss man in der Regel selbst die Initiative ergreifen. Laut Telekom-Experte Jean-Claude Frick von Comparis sollten sich Kunden schon vor der Abreise mit dem Thema Roaming auseinandersetzen. Sie müssten einerseits die relevanten Dienste deaktivieren (siehe Box) und andererseits bei Bedarf Datenpakete hinzukaufen.

Wenn doch eine unerwartet hohe Rechnung ins Haus flattert, muss der Kunde diese bemängeln und dabei möglichst glaubwürdig argumentieren, um eine Chance auf Rückerstattung zu haben. Dabei sei es wichtig, so schnell wie möglich zu reagieren, sagt Frick.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vizzy am 11.09.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues ....

    Salt ist und bleibt der grösste Telekom Gauner der Schweiz.

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  • G.K. am 11.09.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufpassen

    das ist unmöglich, so etwas wie Geister-Roaming gibt es nicht. Alles Betrug vom Anbieter, ich mache immer nur Flugmodus, in den ganzen Ferien um ganz sicher zu sein und lasse nur den Wifi Empfang offen!

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  • Max König am 11.09.2017 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Salt ist Abzocke! Immer und immer wieder miese Machenschaften! Wann wird dieser Firma der Riegel geschoben?? Sie verlieren sowieso von Jahr zu Jahr massiv an Kunden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nina am 12.09.2017 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Der Nutzer ist selber verantwortlich...

    Hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, welche Zugriffe wir den vielen Apps auf dem Smartphone geben? Unter Anderem geben wir die Berechtigung, den Status des Telefons zu ändern. Oder auf die Kontakte zuzugreifen. Ich bin der Meinung, dass genau das das Problem ist. Die Apps nutzen, wenn auch nur kleine Mengen, Daten im Hintergrund. Der Status des Geräts wird vom App angepasst. Hat für mich nichts mit Geister Roaming zu tun. Oder der Zugriff auf die Kontakte im Smartphone...und dann wundert man sich, wie die vielen mobile Nummern in Umlauf kommen und man mit Werbeanrufen bombardiert wird.

    • Sandra am 12.09.2017 16:21 Report Diesen Beitrag melden

      Was für Roaming? @ Nina

      Man kann ja in jedem Land eine Simcart kaufen , einfach wechseln und bei wifi ist alles free , lebe über den Winter in den Philippinen , alles Super und Günstig

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  • Antonov am 12.09.2017 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaja.

    Nichts toppt die E-Mail von der Swisscom. Ich rufe an um zu fragen wann ich fristgerecht kündigen kann. Nach dem Hinweis dass es noch 6 Monate dauert oder ich sonst 600.- bezahlen muss, sagte ich dass ich die 6 Monate warte und dann kündoge.. Und nach dem Gespräch kommt eine E-Mail in der man sich freut dass ich mich entschieden habe Kunde zu bleiben.

  • Pit Tobler am 12.09.2017 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Sunrise genauso!!

    Habe mit Sunrise genau das selbe erlebt: Ferien auf Bali 2013, Roaming ist immer ausgeschaltet bei mir, während des Tages war es sogar ganz ausgeschaltet im Tressor. Trotzdem stand auf der Rechnung x-mal in Folge ganz wenige kb Datennutzung. Und dies immer auf die Sekunde genau eine Stunde nacheinander. Sunrise meinte auf meine Reklamation hin nur "wir sehen nichts ungewöhnliches" und ich müsse die Rechnung zahlen. Hab daraufhin zu UPC gewechselt.

  • Patrizia am 12.09.2017 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eingeschwärzt

    Mich würde interessieren, weshalb das Bikini des Girls auf dem Titelbild plötzlich eingeschwärzt wurde. Gestern war das noch nicht so. Verletzt man hier wieder einmal Gefühle besonders prüder Zeitgenossen? Was kommt danach?

    • Ato am 12.09.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrizia

      Es is nun auch ein kleid.. zumindest jetzt, schon oft bedekte ein "kleid" weit weniger als des hier .. morgen wirds ne burka :))

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  • schweizer Q am 12.09.2017 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrug?

    Wenn man all die Kommentare hiet liest, müsste Salt wegen Betrugs vor Gericht gestellt werden! Jeder zweite (150/300) wurde schon versucht abgezockt zu werden? Das ist ja übel! Und alle schauen nur zu..?