Schweiz

07. Dezember 2017 11:21; Akt: 07.12.2017 16:29 Print

General Electric baut 1400 Stellen ab

Der US-Konzern General Electric (GE) setzt in der Schweiz das Sparbeil an. Es ist bereits der zweite grosse Abbau innerhalb von eineinhalb Jahren.

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Der US-Konzern General Electric (GE) baut in der Schweiz von seinen 4500 Jobs etwa 1400 Stellen ab. Betroffen sind die Standorte Baden, Birr und Oberentfelden. Ganz geschlossen werden diese Standorte aber nicht, wie GE am Donnerstag mitteilte.

Für die betroffenen Mitarbeitern wird es einen Sozialplan geben. Der Abbau wird sich über die nächsten zwei Jahre erstrecken. GE wolle möglichst dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter wieder eine Stelle finden, sagt Michael Rechsteiner, Vice President & CEO Power Service Europe.

Grund für den Abbau ist unter anderem der rückläufige Markt für thermische Gaskraftwerke. GE-Chef John Flannery hatte nach einem «fürchterlichen» dritten Quartal ein hartes Durchgreifen mit Milliardenverkäufen angekündigt. Erste Pläne dazu stellte er Mitte November an einer Investorenkonferenz in New York vor. Zu den Folgen für die Schweiz sagte GE damals jedoch noch nichts.

Abbau bereits angekündigt

Bereits im Januar 2016 hatte General Electric angekündigt, 1300 Arbeitsplätze abzubauen bei der Energiesparte, die der Konzern Alstom abgekauft hatte. Nach der Konsultation fiel die Zahl jedoch tiefer aus: Im Sommer 2016 gab GE bekannt, es sollen nunmehr 900 Jobs hierzulande gestrichen werden. Die Reduktion um 400 entspreche dabei der Summe aus der natürlichen Fluktuation, reduzierten Synergiezielen und innerbetrieblichen Bewerbungen auf neu geschaffene Stellen.

Zudem stellte GE damals die Schaffung neuer Stellen im Bereich Power Services in Baden in Aussicht. Diese Sparte wartet, repariert und modernisiert Kraftwerke und Industrieanlagen. Schon ein Jahr später, im Juli 2017, gab GE bekannt, am ehemaligen Alstom-Standort im aargauischen Birr zusätzlich 99 der insgesamt 2444 Stellen im Bereich Hydro Solutions zu streichen. In diesem Bereich werden vor allem Maschinen für Pumpspeicherwerke entwickelt, produziert und gewartet.

«Ein harter Schlag für den Aargau»

Der Aargauer Regierungsrat gibt sich bestürzt über den Abbau von 1400 Stellen bei General Electric (GE) in der Sparte Power in Baden. Dass die Produktionsstandorte Birr und Oberentfelden erhalten bleiben, verbucht der Regierungsrat als Folge seiner Bemühungen.

Der Massenabbau ist gemäss Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann (SP) «ein harter Schlag für den Industrie- und Wirtschaftskanton Aargau». Er bedaure zutiefst, dass GE aufgrund der Marktsituation im Turbinengeschäft und des weltweiten Spar- und Restrukturierungsprogramms solche drastische Massnahmen ergreife.

Gemäss Informationen des Regierungsrat findet der Stellenbau bei GE Power in Baden in den Bereichen Engineering, Forschung, Entwicklung und Administration statt. Die GE-Unternehmensstandorte in Birr und Oberentfelden werden erhalten. Baden bleibt Hauptsitz für die Geschäftsbereiche Steam Power Systems und Power Services. Diese Informationen erhielt Regierungsrat Hofmann am Donnertag direkt von Joe Mastrangelo, CEO GE Gas Power Systems, und Scott Strazik, CEO GE Power Services, wie es in einer Medienmitteilung der Aargauer Staatskanzlei heisst.

Zwei Produktionsstandorte bleiben

Es habe gewisse Anzeichen gegeben, dass diese beiden GE-Standorte im Rahmen des Restrukturierungsprogramms geschlossen werden könnten, wird der Volkswirtschaftsdirektor zitiert. An diesen Standorten würden nun einige hundert GE-Arbeitsplätze erhalten. Dies sei vor allem im Hinblick auf eine künftige Erholung der Marktsituation sehr wichtig.

Man verfolge das Ziel, die negativen Auswirkungen der GE-Restrukturierung auf den Industriestandort Aargau möglichst klein zu halten. Es sollten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass in Zukunft neue Tätigkeiten aus anderen Geschäftsbereichen aufgebaut würden, hält der Volkswirtschaftsdirektor fest.

Regierung verspricht Unterstützung

Der Regierungsrat setzt sich nach eigenen Angaben zusammen mit den Arbeitnehmerorganisationen dafür ein, dass der Stellenabbau reduziert werden kann. Man werde das Mögliche unternehmen, um den von einer Entlassung betroffenen Mitarbeitenden zu helfen.

Der Regierungsrat erwartet gemäss eigenen Angaben von GE eine wirkungsvolle Unterstützung der vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeitenden und einen grosszügigen Sozialplan.

Bundesrat Schneider-Ammann traf Konzernspitze

Als sich in diesem Spätsommer die Hinweise konkretisierten, dass GE eine grössere Umstrukturierung plant, nahmen der Aargauer Regierungsrat und Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit der Konzernspitze Kontakt auf. Sie zeigten laut eigenen Angaben gegenüber GE die Stärken und Vorteile des Forschungs- und Produktionsstandortes Schweiz auf.

Mitte Oktober fand im amerikanischen Atlanta ein Treffen mit der GE-Konzernspitze statt. Die Schweizer Delegation bestand aus Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Valentin Vogt (Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes SAV und im betroffenen Sektor tätiger Unternehmer) sowie weiteren Vertreterinnen und Vertretern von Bund und Kanton Aargau. Auf Seiten GE waren Russell Stokes, Präsident und CEO von GE Power, und sein Team anwesend.

Bei diesem Treffen wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Bundes, des Kantons und GE eingesetzt. Sie solle Möglichkeiten aufzeigen, den GE-Forschungs- und Produktionsstandort Aargau über die aktuellen Abbau- und Restrukturierungsmassnahmen hinaus zu sichern, heisst es in der Medienmitteilung.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arbeitssuchende am 07.12.2017 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freizügigkeit bleibt bestehen

    Bald jede Woche solche Meldungen, aber trotzdem kommen immer noch viele Menschen in die Schweiz. Wer bezahlt all das?

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  • P. Enzmann am 07.12.2017 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich!!!!

    Danke an unseren unfähigen Wirtschaft Minister Schneider -Ammann! Aber unser gesamter Bundesrat! kann man nicht gebrauchen! Habtsache wir geben der EU 1,3Mia!!

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  • Barrabas am 07.12.2017 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und was sagt Schneider Ammann?

    wie er dazumal die Amis gelobt hatte....Danke lieber Schneider Ammann!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Power am 08.12.2017 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    Grüne Enrgie

    Tja, mit unserer grünen Energie braucht es halt viel weniger Gas- und Dampfturbinen, da sie nicht rentabel betrieben werden können.

  • Mustafa Raki am 08.12.2017 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Hochpreisinsel Schweiz

    Jetzt sind sogar die ausländischen billig Löhner zu teuer.

  • Jasmin am 08.12.2017 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    und unsere Bundesräte lachen und Feiern Feste und geben unser Steuergeld aus und sagen wir dürfen nicht im Ausland shoppen. Krank.

  • Peter Thürig am 08.12.2017 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Aus Erfahrung sollte man klüger werden!

    Wetten, dass unsere Polit-Trostpreise bei der nächsten Firmenübernahme durch eine US-Bude wiederum nur naiv-blöd Loblieder auf den betreffenden Aufkäufer singen und dem Management den roten Teppich ausrollen? Dass diese Konzerne seit Jahrzehnten so fuhrwerken, dürfte sich doch inzwischen herumgesprochen haben. Aufkaufen, Know how und Kunden abzügeln, Restrukturierung, Personal entlassen und teilweise durch billig Importierte ersetzen und als das gloriose Finale die Schliessung! So funktioniert das und keiner will es jeweils kommen sehen? Auf solche Politiker und Behörden können wir verzichten!

    • D.W. am 08.12.2017 12:39 Report Diesen Beitrag melden

      Mag sein ...

      doch wer ist mir? Bestimmt nicht die FDP und Co.!

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  • Simon am 08.12.2017 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Hört doch auf

    Schlussendlich ist das eine private Firma, die tun und lassen kann, was sie will. Was will der Bundesrat da gross machen? Die Schweiz ist einfach teurer als z.B. Frankreich. Kürzlich gab es einen Artikel über den Winterdienst, der nur "Eidgenossen" suchte. Dort war der eindeutige Tenor auch, dass eine private Firma selber entscheiden könne. Und jetzt ist das plötzlich nicht mehr in Ordnung? Seid einfach mal konsequent. Hier gibt es sehr viele Leute, die sich selber in jedem zweiten Artikel widersprechen.

    • EinArbeitnehmer am 08.12.2017 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist nicht in Ordnung

      Es ist nicht in Ordnung wenn solche Firmen von allen Vorzügen profitieren und sich einfach davon schleichen wenns mal Härter wird. Einer profitiert und ein anderer kann zahlen? Die Schweiz muss sich aber selber auch an der Nase nehmen und die Standortförderung überdenken.

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