Teurer Kulturwandel

13. Dezember 2012 15:24; Akt: 13.12.2012 15:56 Print

Gewinn-Warnung der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank rechnet mit einem deutlichen Gewinneinbruch. Die Aktie reagierte mit einem Taucher.

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Die Vergangenheit holt das grösste deutsche Geldhaus immer wieder ein. (Bild: AFP)

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Die Deutsche Bank hat am Donnerstag vor deutlichen Sonderbelastungen im vierten Quartal gewarnt. Der Jahresabschluss stehe noch nicht fest, aber der Abbau von Risiken, die Restrukturierung, die Integration der Postbank und weitere Aufwendungen wirkten sich «signifikant negativ» auf den Gewinn aus, teilte die Bank am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. Das operative Geschäft sei im Oktober und November dagegen trotz des schwierigen Umfelds solide verlaufen. Die Aktie der Deutschen Bank verlor nach Veröffentlichung der Mitteilung etwa drei Prozent.

Im September hat die Deutsche Bank einen grossen Kulturwandel eingeläutet. Das Institut will das Vertrauen zurückgewinnen, das in der Finanzkrise und durch fragwürdige Geschäfte verloren gegangen ist. Statt kurzfristiger Gewinne soll nun das partnerschaftliche Verhältnis zu den Kunden gepflegt werden. Doch die Vergangenheit holt das grösste deutsche Geldhaus immer wieder ein.

Mutmassliche Verstrickung in Umsatzsteuerbetrug

Rund 500 Polizisten und Steuerfahnder durchsuchten am Mittwoch die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank und zahlreiche weitere Büros und Wohnungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 25 Mitarbeiter, die in einen Umsatzsteuerbetrug verstrickt sein sollen, mit dem der Fiskus um 300 Millionen Euro geprellt wurde. Die Vorwürfe: schwere Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung.

Unter Verdacht stehen auch Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause. Sie haben die falsche Umsatzsteuererklärung 2009 unterschrieben und könnten dafür haftbar gemacht werden. Die Erklärung wurde von der Bank allerdings später freiwillig berichtigt. Streitpunkt ist nun, ob die Korrektur noch rechtzeitig kam, um die beiden Vorstandsmitglieder zu entlasten.

Der Schadenersatzprozess gegen die Kirch-Erben

Fitschen und Krause wären nicht die ersten Vorstände der Deutschen Bank, die durch Prozesse von sich Reden machen. Derzeit muss der ehemalige Bankchef Rolf-Ernst Breuer regelmässig nach München reisen, um sich und die Bank in einem Zivilverfahren gegen die Schadenersatzforderungen der Erben des mittlerweile verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch zu wehren. Dort könnte es noch am (morgigen) Freitag zu einer Entscheidung kommen.

Breuer soll durch Äusserungen in einem Fernsehinterview die Kirch-Pleite herbeigeführt haben, indem er sich skeptisch über die Aussichten des angeschlagenen Konzerns äusserte. Obwohl Breuer seit zehn Jahren nicht mehr Vorstandssprecher der Deutschen Bank ist, verfolgt ihn das Verfahren bis heute.

Der Libor-Skandal

Die Aufsichtsbehörden in Grossbritannien und den USA gehen davon aus, dass einige internationale Banken die Festlegung des Referenzzinssatzes Libor zwischen 2005 und 2009 manipulierten, indem sie falsche Daten meldeten. Zumindest zwei mittlerweile ausgeschiedene Mitarbeiter der Deutschen Bank sollen daran beteiligt gewesen sein.

Sollte die Affäre weitere Kreise ziehen, dürfte sie vor allem Anshu Jain belasten, Fitschens Partner an der Bankspitze. Jain verantwortete damals den Geschäftsbereich, in dem sich die Manipulation abgespielt haben soll.

(dapd)

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