Erdölrückstände

08. Februar 2011 18:25; Akt: 08.02.2011 18:25 Print

Gift in der Verpackung

Die Gefahr lauert im Essen: Backwaren, Reis oder Nudeln sind laut dem Zürcher Kantonslabor mit Erdölrückständen belastet. Der Grund dafür sind die Verpackungen.

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Von Kartonverpackungen kann eine Gefahr für die Gesundheit ausgehen. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

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Lebensmittelverpackungen bestehen oft aus Altpapier. Das ist zwar umweltfreundlich, aber in gewissen Fällen auch gefährlich für die Gesundheit. Eine von der Sendung «Kassensturz» in Auftrag gegebene Untersuchung des Zürcher Kantonslabors weist Rückstände von Erdöl in Teigwaren, im Apérogebäck Grissini oder Frühstückflocken nach. Aber auch Reispackungen sind von Erdölrückständen betroffen.

Die Resultate sind alarmierend. In 18 von 21 untersuchten Proben hat das Kantonslabor zu hohe Werte gemessen. Der Grenzwert liegt bei 0,01 mg an Erölrückständen pro Kilo Körpergewicht. Daraus ergibt sich, dass eine 60 Kilogramm schwere Person täglich nicht mehr als 0,6 mg Mineralöl-Spuren aus Lebensmitteln aufnehmen dürfte. Viele Lebensmittel enthielten aber ein Mehrfaches des als unbedenklich geltenden Wertes. Eine Probe enthielt sogar die 60-fache Menge der zulässigen Erdölrückstände.

Leberentzündungen und Krebs

Solche viele zu hohen Werte sind ein Gesundheitsrisiko: «Die Mineralöle reichern sich im menschlichen Körper an und können zu chronischen Leberentzündungen und Krebs führen», erklärt Konrad Grob vom Kantonalen Labor Zürich. Die Mineralölrückstände in den Lebensmitteln stammen hauptsächlich aus den Kartonverpackungen, die aus Altpapier hergestellt werden. Das Recycling-Papier ist mit auf Erdöl basierenden Druckerfarben belastet, die sich nicht herausfiltern lassen.

Den Kartonherstellern ist das Problem bekannt: «Natürlich reinigen wir die Recycling-Fasern», aber leider sind wir heute technisch nicht in der Lage, das Mineralöl herauszufiltern», so Edoardo Finotti vom Kartonverpackungshersteller Model AG in Weinfelden zu «Kassensturz». Vollständig mineralölfreie Verpackungen könnten nur aus Frischfasern hergestellt werden.

Einfache Abhilfe: umschütten

Auf die Untersuchungsergebnisse als erstens reagiert hat der Discounter Lidl. «Wir haben die betroffenen Tagliatelle der Marke Combino bereits am 28. Januar aus dem Regal genommen», so Lidl-Sprecherin Paloma Martino zu 20 Minuten Online. Lidl tüftelt nun an einer neuen Packung und rechnet damit, dass das Produkt in Kürze wieder ins Regal zurück kehrt.

Von kontaminierten Proben des Züricher Kantonslabor betroffen sind auch Coop und Migros. Sie haben die betroffenen Produkte aber noch nicht aus den Regalen genommen. Bei den Detailhändlern heisst es aber, dass man nach Lösungen suche. Eine einfache Möglichkeit, um sich vor Verunreinigungen zu schützen, ist den Packungsinhalt gleich nach dem Kauf in einen Glasbehälter umzufüllen, da die schwere der Verunreinigung zunimmt, je länger sich ein Lebensmittel in der Verpackung befindet.

Deutschland reagiert, Schweiz zögert

Auf Mineralöl im Karton stiess das Labor nicht erst 2011. Bereits 1995 habe man im Erdölrückstände in Lebensmittelpackungen vestgestellt, doch niemand habe sich dafür interessiert, sagt Konard Grob vom Züricher Labor in einem aktuellen Beitrag der ARD-Sendung Verso. Anders als das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat Deutschland aber mittlerweile auf verunreinigte Proben reagiert. Nach dem Willen von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) soll es in Zukunft ein Verbot mineralölhaltiger Druckfarben für Verpackungskartons geben. Bei Analysen für das ARD-Magazin «Plusminus» waren im vergangenen Jahr in jeder zweiten Probe Spuren von Mineralöl gefunden worden, etwa in Frühstücksflocken oder Griess.

Die Sendung Kassensturz wird am Dienstag 8. Februar 2011 um 21.05 auf SF1 ausgestrahlt.

(sas)